Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Parapsychologie!

Newsletter N° 55 – Wien, 09. 06. 2014


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INHALT:
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            1. Termine
            2. Experimentelles
            3. Publikationen
            4. Personalia
            5. Diverses

Das Semester ist noch nicht zu Ende, wir haben bekanntlich am 16. 06. noch einen Vortrag (über die Dschinns in Nordarabien), aber es hat sich schon wieder einiges interessante Material angesammelt und es gibt wichtige Termine.


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1. TERMINE
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1.1
Workshop "Bewusstseinsforschung an der SFU Wien" am Mi, 11. 06. 2014

Entwurf eines Curriculums für Theorie, Standards und Praxis einer neuen Wissenschaftsdisziplin
<http://sfu.ac.at/index.php?page=5>
<http://sfu.ac.at/data/Bewusstseinsforschung_Workshop_11.Juni_2014.pdf>
Rudolf Kapellner – der bei uns bereits einen Vortrag gehalten hat und auch selbst Mitglied unserer Gesellschaft ist – bietet unseren Mitgliedern die Teilnahme zum Studententarif an.


1.2
PHCP 2014 Utrecht, 12.–14. 06. 2014

Die Abkürzung PHCP steht für "Preserving the Historical Collections of Parapsychology"
<http://hetjohanborgmanfonds.nl/>
Diese Konferenz bringt Forscher, Archivare und Bibliothekare zusammen; wie bereits im letzten Newsletter (Pkt. 5) avisiert, geht es um Fragen der Erhaltung und der Kontinuität der zahlreichen, verstreuten Bestände an Sammlungen und Archivmaterial auf dem Sektor Parapsychologie, Psychical Research und Spiritismus. Auf dieser Konferenz werden nun die wichtigsten Sammlungen dieser Art vorgestellt.
Gemeinsam veranstaltet von der Stiftung Het Johan Borgman Fonds (HJBF, Niederlande), dem Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene <http://igpp.de/> (IGPP, Freiburg i.Br.) und der Coalition for the Preservation of EHE Collections (CPEHEC, Kanada).
Von den 13 internationalen Sprechern der Konferenz haben vier bereits in unserer Gesellschaft vorgetragen (Eberhard Bauer, Wim Kramer, Wilfried Kugel und Walter Meyer zu Erpen).


1.3
Last not least unser bereits erwähnter "regulärer" Vortragstermin am 16. 06. 2014.


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2. EXPERIMENTELLES
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2.1
Laboratoriumsforschung

"Feeling the Future": unter diesem Titel hat Daryl Bem 2011 die Ergebnisse einer Serie von Präkognitionsexperimenten in der angesehenen Zeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology" veröffentlicht.
Zahlreiche Labors haben die Effekte zu replizieren versucht, teils mit negativen, teils mit positiven Ergebnissen, wobei die Medien aufgrund des brisanten Themas vor allem die negativ ausgefallenen Experimente breitgetreten haben.
Nunmehr haben Bem et al. eine Metaanalyse von 90 Replikationsstudien (33 Laboratorien in 14 verschiedenen Ländern mit insgesamt über 12.000 Versuchspersonen) vorgelegt: "Feeling the Future: A Meta-Analysis of 90 Experiments on the Anomalous Anticipation of Random Future Events", die unter
<http://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/SSRN_ID2427865_code1602198.pdf?abstractid=2423692&mirid=1>
im Volltext als PDF heruntergeladen werden kann.
Das Gesamtresultat war deutlich positiv im Sinn der psi-Hypothese; die Zufallshypothese kann damit als widerlegt gelten. Auch wenn die Ergebnisse statistisch hoch signifikant sind, so sind doch die erzielten Effekte als solche sehr klein – aber das ist bei diesem Forschungsansatz zu erwarten. Ebenfalls zu erwarten gewesen ist, daß sich erotische Stimuli als die effektivsten erwiesen haben.
Wem die 43 Seiten zu lang sind: Abstract unter <http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2423692>.


2.2
Physikalischer Mediumismus

Karl May, der bekanntlich ein überzeugter Spiritist war – Albrecht Götz von Olenhusen hat darüber einen erhellenden Vortrag in unserer Gesellschaft gehalten – war wohl der bekannteste Sitzungsteilnehmer in Séancen mit dem "Blumenmedium" Anna Rothe, deren Spezialität der "Apport" von Blumen war, die von der Zimmerdecke des Sitzungszimmers fielen. Nachdem sie beobachtet worden ist, wie sie die Blumen am Markt einkauft, war das Spiel vorbei. (Später ist ihr auch der Prozeß gemacht worden.)
Ein Analogon scheint sich jetzt anzubahnen, weil – über die bisherige Evidenz hinaus – äußerst massive Verdachtsmomente gegen Kai Muegge (FEG, Hanau) bekannt geworden sind.
Nun ist es nicht die Aufgabe der Parapsychologie, bis ins kleinste Detail die Hervorbringung pseudo-paranormaler Phänomene, z.B. mittels eingekaufter Halloween-Produkte, zu erklären; die Aufgabe ist vielmehr, echte paranormale Phänomene zu erforschen und zu diesem Zweck frühzeitig Trick und möglicherweise Echtes voneinander zu unterscheiden. Sobald vorsätzlicher Trick zweifelsfrei festgestellt worden ist, ist eigentlich die Rolle des Parapsychologen im konkreten Fall beendet.
<http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2008/goetz_vo/karl_may.htm>
<http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/pinnwand/kmgnachr/n-kmg157.pdf> S. 44/45
<http://karl-may-wiki.de/index.php/Anna_Rothe>
<http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Friedländer,+Hugo/Interessante+Kriminalprozesse/Das+spiritistische+Medium+Anna+Rothe>


2.3
Ouja-Brett – ideomotorische Bewegungen und Unbewußtes

Einen historisch noch weiter zurück liegenden Ansatz nimmt das Inner Intelligence Project auf.
<https://youtube.com/embed/75Mde4Ohkso?rel=0>
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, hier würde gerade das Rad neu erfunden …


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3. PUBLIKATIONEN
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3.1
IGPP-Tätigkeitsbericht

Vor kurzem ist der neue Tätigkeitsbericht des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (ein Band für die beiden Jahre 2012 und 2013) erschienen, und zwar sowohl in einer Ausgabe auf Deutsch wie auch auf Englisch.
Bei Interesse kostenfrei zu beziehen über Dipl.-Psych. Eberhard Bauer <bauer@igpp.de> (gewünschte Sprache bekanntgeben).


3.2
GfA, PDF-Downloads

Zwei Bände der Schriftenreihe der Gesellschaft für Anomalistik können im Volltext als PDF von der Seite <http://anomalistik.de/schriftenreihe/allgemein/schriftenreihe-der-gesellschaft-fuer-anomalistik.html> kostenlos heruntergeladen werden, nämlich
Bd. 1 Lebenslauf und astrologische Konstellationen: Eine empirische Studie zur Prüfung behaupteter Zusammenhänge. Und: Kommentare dazu
Bd. 3 Phantome – Wunder – Sensationen: Das Übernatürliche als Thema der Presseberichterstattung


3.3
Bd. II der Vorauer Symposien

Unter dem Generaltitel "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen" wird alljährlich ein Symposium im Augustiner-Chorherrenstift Vorau in der Steiermark abgehalten, wobei zumindest je ein Referat der Philosophie, der Biologie, der Physik und eben auch den Grenzgebieten im weitesten Sinne zuzuordnen ist.
<http://www.organismicsystems.org/>
Nun liegt der Sammelband für das Jahr 2012 vor. Der im Kontext dieses Newsletters relevante Beitrag beschäftigt sich mit dem Stigmatisations-Syndrom und hinterfragt kritisch die Stigmatisierten als "Träger der Wundmale Christi": 
Bücherzettel.


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4. PERSONALIA
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Prof. P. Ferdinand Zahlner CssR (1936-2014)

Ferdinand Zahlner, am 17. Mai 1936 in Laa an der Thaya geboren, 1962 zum Priester geweiht, absolvierte von 1963 bis 1969 das Lehramtsstudium an der Universität Wien und unterrichtete von 1967 bis 1998 am Gymnasium in Katzelsdorf a/d Leitha die Fächer Biologie, Philosophie und Chemie. Gleichzeitig war er seelsorgerisch tätig.
Seit 1970 war P. Zahlner in der Nachfolge des verstorbenen Prof. P. Peter Hohenwarter Leiter der an der Wiener Katholischen Akademie installierten "Arbeitsgemeinschaft für Parapsychologie" (AGP), welche zahlreiche Vorträge veranstaltete und auch einige Nummern eines Mitteilungsblattes heraus brachte. 1985 wurde die AGP "stillgelegt", weil P. Zahlner den Wunsch bekundete, in die Mission zu gehen, was aber dann nicht zur Ausführung kam. Seine Tätigkeit als Gymnasialprofessor in Katzelsdorf nahm ihn so in Anspruch, daß er für eine Wiederbelebung der AGP nicht zur Verfügung stand. Andererseits wollte die Wiener Katholische Akademie als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft unbedingt einen Kleriker sehen und ein solcher – mit parapsychologischen Interessen und Kenntnissen – stand nicht zur Verfügung. Somit ist die AGP niemals mehr aus ihrem Koma erwacht und irgendwann selig entschlafen.
Allerdings war das Ende der AGP nicht das Ende der parapsychologischen Aktivitäten von
P. Zahlner, er arbeitete auch später mit seinem Ordensbruder Prof. P. Andreas Resch in Innsbruck zusammen (zunächst "Imago Mundi", dann "Institut für Grenzgebiete" IGW – Kongresse, Zeitschriften und Lexika). An einer Publikation haben wir (gemeinsam mit Otto Buzek) auch zusammengearbeitet.
Nun ist P. Ferdinand Zahlner – nach jahrelangem Leiden – am 23. März 2014 in Wien verstorben.


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5. DIVERSES
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5.1
Forschungsprojekt "Okkulte DDR"

Ein soziologisches Forschungsprojekt "Im Schatten des Szientismus. Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR" (Kurztitel: "Okkulte DDR"), wird derzeit am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br. durchgeführt.
<http://okkulte-ddr.de/>


5.2
Forschungsförderung

Der "Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death" (HRF) lobt wieder Forschungsgelder für kleine und mittlere Projekte zur Frage eines Lebens nach dem Tod aus.
<http://www.spr.ac.uk/news/helene-reeder-memorial-fund-research-life-after-death-announcement-grants-2014>


5.3
WISE

Die von John H. Reed M.D. gegründete Organisation WISE sieht mit ihrer Unterorganisation WISE Worldwide Resource Center eine ihrer Aufgaben darin, digitalisierte Ressourcen zur Verfügung zu stellen, genauer gesagt, ein möglichst umfassendes Link-Verzeichnis dazu zu bieten. Die Website <http://wisewiki.org/tiki-index.php?page=WISE+Digital+Library+(WDL)> listet, nach Kategorien geordnet, viel von dem auf, was in aller Welt bereits digitalisiert worden ist und zum Download bereitsteht - ein Menschenleben würde nicht ausreichen, all das zu lesen, aber es ist eine schier unerschöpfliche Quelle, wenn man konkret z.B. eine alte Zeitschrift sucht …
Beispiel "Consciousness and Parapsychology Journals and Periodicals".


5.4
Parapsychologie-Sendung auf Radio Orange

Die im Rahmen der Reihe "Radio Dispositiv" auf Orange 94.0 aufgenommene Sendung "Forschung an Grenzen – Peter Mulacz im Studio zu Gast" wurde am 26.05. 2014 ausgestrahlt, ist aber im World Wide Web unter <http://cba.fro.at/260158> archiviert und kann dort jederzeit abgerufen werden.


5.5
Bruno Gröning-Freundeskreis

Seit nunmehr über zehn Jahren (!) läuft in einem Wiener Kino (Bellaria, vgl. auch <http://www.wien-vienna.at/kultiges.php?ID=1997>) periodisch der 2003 gedrehte, fast fünf Stunden dauernde Film "Das Phänomen Bruno Gröning - Auf den Spuren des Wunderheilers" über den Geistheiler Bruno Gröning <http://www.bruno-groening.org/medien/naturheilzeitung.htm>, die ersten Jahre jeden Sonntag, nunmehr "nur mehr" an einem Sonntag pro Monat.
Veranstalter ist der Bruno Gröning-Freundeskreis; das Bellaria-Kino stellt nur die Lokalität zur Verfügung. Und das ist jetzt nur Wien, der Film läuft aber auch in anderen Städten Österreichs (samt "Werbeveranstaltungen"); aufgrund der zahlreichen Sprachversionen ist anzunehmen, daß er auch im nicht-deutschsprachigen Ausland entsprechenden Widerhall findet.
Ohne in eine Diskussion über Geistheilung vom Standpunkt der Parapsychologie einzugehen, ohne sich auch mit der Person des Bruno Gröning auseinanderzusetzen, ist als sozio-kulturelles Phänomen auffällig, daß dieser "Bruno Gröning-Freundeskreis" ganz deutlich eine sektenartige Struktur aufweist, mit allen Konsequenzen für die Betroffenen. Auch der Wikipedia-Eintrag <http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno-Gröning-Freundeskreis> weist auf die Beobachtung der Gruppe durch die Sektenbeauftragten hin. Vgl. auch die Information auf <http://www.agpf.de/Groening.htm>. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, seine Autonomie gegen eine Abhängigkeit einzutauschen. Wenn nach Kant die Aufklärung "der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" ist, so würde man sich wünschen, daß dieser Prozeß ein irreversibler ist …


Prof. Peter Mulacz

-- 
Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
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Newsletter N° 54 – Wien, 02. 03. 2014


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INHALT:
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1. Unser Vortragsprogramm Sommersemester 2014
2. Rundfunksendung über den Kongreß "Sei wie du willst, namensloses Jenseits"
3. IV. Symposium im Stift Vorau "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen"
4. Virtuelle Akademie Bodensee (VAB)
5. Konferenz über parapsychologische Archive und Bibliotheken im Juni
6. Wunderzeichenbuch – Endzeitphantasien
7. Personalia


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1.     VORTRAGSPROGRAMM SO-SEM 2014
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Unser Programm ist - wie immer - auf <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> online; die Druckversion für unsere Mitglieder und Interessenten wird dieser Tage versandt.

17. März 2014
    Peter Mulacz
    Die Schüsse von Sarajevo
    "Prophezeiungen" im Vorfeld des Ersten Weltkriegs sowie zum Kriegsverlauf

07. April 2014
    Erlendur Haraldsson, Island
    Der Tod - ein neuer Anfang?
    Empirische Argumente aus der Forschung für und gegen das Weiterleben nach dem Tode

Di, 08. April 2014
    Erlendur Haraldsson, Island
    Sathya Sai Baba
    Rückblick auf seine angeblichen Wunder und sein Leben

05. Mai 2014
    Rudolf Werner Soukup
    Die Ideen der Alchemie
    Die zugrunde liegenden Vorstellungen einer geheimnisvollen Disziplin in ihrer jahrhundertelangen Entwicklung

16. Juni 2014
    Gebhard Fartacek
    "… mit den Dämonen in Einklang leben"
    Dschinn-Begegnungen und der "Böse Blick" in Nordarabien


Ein paar Bemerkungen zu den einzelnen Vorträgen:

Das Attentat von Sarajevo hat die Welt verändert – in unserer Erinnerungskultur steht heuer alles im Zeichen des Ersten Weltkriegs und seiner Vorgeschichte. Von unserem Standpunkt aus ist interessant, daß es zum Attentat bzw. dem Kriegsverlauf eine Reihe von anscheinend in die Zukunft blickenden Träumen und Visionen gegeben hat, wobei der Traum des Bischofs Lányi und der Traum des (preußischen) Hauptmanns von Gillhaußen die berühmtesten Beispiele sind. Anhand einer ausführlichen Darstellung der tatsächlichen Ereignisse werde ich untersuchen, wie weit diese und andere "Vorgesichte" dem Prestige gerecht werden, das sie in der populären Literatur genießen.

Um eine wissenschaftliche Untersuchung der Argumente pro und contra geht es auch im zweiten Vortrag, nämlich um die argumentative Belastbarkeit des Glaubens an eine Kommunikation mit im Jenseits "weiterlebenden" Verstorbenen. Während der Spiritismus seit 1848 den Anspruch erhebt, einen empirischen Beweis für eine individuelle "jenseitige" Fortexistenz nach dem irdischen Tod liefern zu können, ist seit 1882 die Parapsychologie dazu angetreten, auch in diese Frage - nebst vielen weiteren Forschungsfeldern - Licht zu bringen. Das Thema ist seit mehr als einem Jahrhundert ein "Dauerbrenner" in der parapsychologischen Diskussion. Erlendur Haraldsson wird darstellen, was wissenschaftlich als argumentativ gestützt angesehen werden kann und was nicht.

Erlendur Haraldsson, der ja vielen unserer Mitglieder von früheren Vorträgen her bekannt ist, wird am Folgetag über Sai Baba sprechen, was zwar bereits einmal ein Thema bei uns gewesen ist, jedoch mittlerweile neue Aktualität erhalten hat. Seit dem Tod des indischen "Gurus" und angeblichen Wundertäter Sathya Sai Baba sind nämlich neue Dokumente zugänglich geworden, die eine Neubewertung der von ihm gezeigten Phänomene erfordern. Es geht nicht um eine Bewertung seiner Lehre oder eine moralische Bewertung seines Lebens (einschließlich seines Sexuallebens, welches tlw. Anstoß erregt hat), sondern um eine Analyse seiner Phänomene in Hinblick auf die Fragestellung "Betrug oder potentiell paranormal". Mit mehreren Forschungsaufenthalten bei Sai Baba ist der Referent wie kein anderer berufen, ein Resümee zu ziehen.

Rudolf Werner Soukup, Chemiker und ausgewiesener Wissenschaftshistoriker, Autor von "Alchemistisches Gold: Paracelsistische Pharmaka" und anderer einschlägiger Publikationen, wird die der Alchemie zugrundeliegenden Ideen - die Grundannahmen ebenso wie die Zielvorstellungen - darstellen, wobei es darum geht, das trotz aller Wandlungen der Alchemie im Lauf der Jahrhunderte Beständige herauszuarbeiten. Das Denken der Alchemisten war geprägt von Vorstellungen, die der heutigen Naturwissenschaft fremd sind, z.B. Analogiedenken, Signaturenlehre, etc. (Interessant ist, daß diese Denkstrukturen als solche - wenn auch ohne Bezug zur Alchemie - in der "Esoterik" der Gegenwart weiterleben.)

Die "Dschinns (Djinns)" sind die "Geister" im islamischen Volkglauben (bzw. dessen vor-islamischen Wurzeln); es liegt nahe, im Rahmen der Parapsychologie auch einen Blick auf den Geisterglauben und -verkehr in anderen Kulturräumen zu tun. (Daß sich die moderne Parapsychologie als eine experimentelle Wissenschaft versteht, die im Labor forscht, bleibt davon unbenommen.) Gebhard Fartacek wird den Glauben insbesondere der Bewohner Nordafrikas an Geister und Dämonen darstellen. Es geht um die Integration dieses Volksglaubens in die dortige Gesellschaft und ins Leben des Einzelnen, denn man muß sich mit ihnen verständigen, um ein gutes Leben zu führen …


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2.     RUNDFUNKSENDUNG über den Kongreß
"Sei wie du willst, namenloses Jenseits"
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Im Rahmen der Sendereihe "Salzburger Nachtstudio" auf Oe1 wird am Mittwoch, 5. März um 21:00 Uhr ein von Martin Haidinger gestalteter Bericht über den internationalen und interdisziplinären Kongreß "Sei wie du willt namenloses Jenseits" ausgestrahlt werden - das titelgebende Schiller-Zitat begegnet uns einmal im Original, das andere Mal sprachlich aktualisiert.
Als Co-Veranstalter war bekanntlich auch unsere Gesellschaft an diesem Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht beteiligt.
Vgl. Newsletter N° 52, Pkt. 3.2 bzw. das Tagungsprogramm sowie die kommende Sendung.


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3. IV. SYMPOSIUM IM STIFT VORAU
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Schon zu einer Tradition geworden sind die jährlichen Symposien im Augustinerchorherren-Stift Vorau, die unter dem Generalthema "Wissenschaft kritisch hinterfragt - naturphilosophische Kontroversen" stehen und unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie heuer schon zum vierten Mal abgehalten werden. Heuer stehen u.a. Themen wie der Denkrahmen der Naturwissenschaft, die Frage der Kausalität und die nach dem Zufall – ist Zufall "wirklich" Zufall oder gibt es ein "Gesetz der Serie"? – auf dem Programm. Dabei mag man einerseits an den "physikalischen Zufall" denken, andererseits an die Ideen von Paul Kammerer ("Serialität"), Wilhelm v. Scholz ("Anziehungskraft des Bezüglichen") und C. G. Jung ("Synchronizität" sowie Jung-Pauli-Dialog).

Termin; 16.-18.Mai – save the date ;-)
Direkt zum Programm.
 
Von den Vorauer Symposien gibt es auch Tagungsbände: der Band über das I. Symposium liegt vor, der über das II. Symposium wird bis zum Beginn des heurigen Symposiums erschienen sein.


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4. VIRTUELLE AKADEMIE BODENSEE
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Univ.-Doz. Dr. Eckart Ruschmann, studierter Psychologe und Indologe, vor Jahren (noch zu Hans Benders Zeiten) Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg i.Br., nunmehr seit langem als philosophischer Berater, Psychotherapeut und Ausbilder für Beratung tätig, hat ein interessantes Projekt gestartet, das er als "Virtuelle Akademie Bodensee" bezeichnet.

Ruschmann erklärt seine Ziele wie folgt: "Die Virtuelle Akademie Bodensee hat das Ziel, Menschen, die an existentiellen, sinnorientierten Fragen interessiert sind, wissenschaftlich fundierte Informationen zu erschließen, vor allem aus den Disziplinen der Philosophie, Psychologie und Religionswissenschaft / Spiritualität – von der 'Aufbereitung' wichtiger Texte (Auszüge / Zusammenfassungen) bis hin zu virtuellen Seminaren und Foren zu den verschiedensten Themen."

Die Themen sind weit gestreut - eine bloße Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen; wie die Aufstellung zeigt, finden auch Aspekte der Parapsychologie Würdigung.

Praktisch handelt es sich primär um ein (gebührenpflichtiges) Abonnement beinhaltend mindestens 40 Aussendungen von Texten pro Jahr (in der Regel in wöchentlichem Abstand) sowie die Teilnahme an den Blogs mit einer Diskussion zu den jeweiligen Texten und der Möglichkeit, Fragen zu stellen bzw. um weiterführende Hinweise zu bitten etc. Es gibt auch ein kostenloses Probe-Abo.


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5. Internationale Konferenz in Utrecht (Juni 2014):
PRESERVING THE HISTORICAL COLLECTIONS OF PARAPSYCHOLOGY
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Organisiert von Wim Kramer (NL), Eberhard Bauer (D) und Walter Meyer zu Erpen (CAN) - die übrigens alle schon in unserer Gesellschaft Referate gehalten haben -, findet vom 12.-14. Juni in Utrecht eine internationale Konferenz "PHCP 2014" statt, die zum Ziel hat, die Situation auf dem Gebiet parapsychologischer Archive und Bibliotheken zu diskutieren. Unsere Gesellschaft ist ja selbst mit dieser brennenden Problematik konfrontiert.

Es sind 14 Referate vorgesehen, aber noch sind nicht alle Referenten fixiert. Veranstaltet wird diese Konferenz von der Stiftung "Het Johan Borgman Fonds" (HJBF), die auch bereits als Sponsor anderer Konferenzen in Erscheinung getreten ist (Utrecht II sowie Tagungen über Klinische Parapsychologie).

Hier ein Bericht über die Problematik von Archivalien und hier die Website des HJBF.


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6. WUNDERZEICHENBUCH - ENDZEITPHANTASIEN
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Apokalyptische Phantasien sind ein beliebtes Topos; da sie von den Menschen, die daran glauben, gern in die Nähe von Präkognition gestellt werden, sind sie mittelbar auch ein Gegenstand der Parapsychologie (d.h., sie erfordern notwendige Abgrenzung). Sogar in unserer ach so modernen Zeit haben wir drei Mal in unterschiedlicher Stärke das Aufflammen solcher Erwartungen erlebt: anläßlich der Sonnenfinsternis 1999, vor der Jahrtausendwende und dann Ende 2012 in Hinblick auf den Maya-Kalender.
Vgl.: <http://parapsychologie.info/endzeit/prophezg.htm>

Vermutlich hatten solche apokalyptischen Befürchtungen - mit geradezu perverser Lust bis ins Detail ausgemalt - früher, vor der Aufklärung, noch einen viel größeren Stellenwert. Hier ein interessanter Bericht über ein "Wunderzeichenbuch" aus dem 16. Jahrhundert, das Szenen des Weltuntergangs in der Vorstellung der Menschen von der Antike bis in die Renaissance zeigt.

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7. PERSONALIA
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7.2 Robert VAN DE CASTLE †

Robert L. Van de Castle, Ph.D. (geb. 1927) war einer der distinguiertesten Traumforscher mit großem Interesse an Parapsychologie. Schon in den 1950er-Jahren war er - noch als Student - an J. B. Rhines "Parapsychology Laboratory" an der Duke University tätig und forschte u.a. über das Heimfinden von Brieftauben. In den 1960er-Jahren folgte eine Reihe von Traumstudien; später war er der Direktor des "Sleep and Dream Laboratory" am "Department of Behavioral Medicine and Psychiatry" der University of Virginia, wo er auch der leitende Psychologe war. Von seiner akademischen Lehrtätigkeit - er war Professor an verschiedenen Universitäten - ist er 1993 emeritiert. Bis ins hohe Alter hat er sich seinen Elan und sein Engagement für die Erforschung der Träume erhalten, er hat nur so gesprüht von Ideen zu möglichen Forschungsprojekten bezüglich parapsychologisch relevanter Träume (Traumtelepathie, präkognitive Träume, etc.); übrigens war er unter Testbedingungen selbst ein "guter Träumer".

Ende Jänner ist Bob Van de Castle den Komplikationen nach einem Schlaganfall erlegen. Seine Internetpräsenz besteht weiterhin, wo es auch zwei Kapitel über Psi-Träume gibt.
Vgl. auch <http://carlossalvarado.wordpress.com/2014/01/31/remembering-robert-van-de-castle-1927-2014/>.

7.1 Alex IMICH

Zweifellos der älteste Parapsychologe ist Alex Imich, der derzeit zweitälteste Mann der Welt, der am 4. Februar seinen 111. Geburtstag gefeiert hat. Obwohl er nie zur allerersten Riege der Parapsychologen gehört hat, so hat ihn doch das Interesse an diesem Gebiet sein Leben lang begleitet. In letzter Zeit hat sich sein Gesundheitszustand anscheinend verschlechtert - voriges Jahr hat er noch recht aktiv an verschiedenen parapsychologischen Internet-basierenden Diskussionslisten aktiv teilgenommen.
<http://de.wikipedia.org/wiki/Imich> bzw. <http://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_Imich>


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 53 – Wien, 22. 12. 2013


Wie gewohnt, versende ich knapp vor Weihnachten den letzten Newsletter des Jahres, der mit einer Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr beginnt und mit unseren Wünschen zu den Feiertagen und zum Jahreswechsel schließt.


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INHALT:
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1.   Rückblick auf das Jahr 2013
2.   Personalia
3.   Film mit paranormalen Motiven
4.   Feiertagswünsche


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1. RÜCKBLICK AUF DAS JAHR 2013
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1.1 Ableben von Manfred Kremser
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Kurz nach Beginn des Sommersemesters, am 3. März 2013, ist, wie im Newsletter N° 51 bekanntgegeben, unser Präsident, ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Manfred Kremser, der unsere Gesellschaft über fünfzehn Jahre lang nach außen vertreten hat, nach jahrelangem, schweren Leiden verstorben. Nicht lange nach seinem Tod hat dann ein Zeitungsartikel versucht, seine akademische Lehrtätigkeit in ein schiefes Licht zu rücken; wer Manfred Kremser nur nach diesem Artikel kennt, mußte zwangsweise ein falsches Bild von ihm gewinnen. Mit dieser üblen Angelegenheit habe ich mich im vorigen Newsletter ausführlich auseinander gesetzt (Pkt. 6).

1.2 Prominente Referenten
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Sowohl im Sommersemester 2013 wie auch im laufenden Wintersemester haben wir ganz besondere Höhepunkte unseres Vortragsprogramms gehabt, die auch entsprechend gut besucht waren:

1.2.1 Stanislav Grof

Am 6. Mai hat Stan Grof, ein "großer alter Mann" der Bewußtseinsforschung, bei uns unter dem Titel "Wenn Unglaubliches passiert …" über die Implikationen moderner Bewußtseinsforschung für die Parapsychologie gesprochen, und zwar in makellosem, akzentfreien Deutsch. Seine Ausführungen beinhalteten unter anderem veränderte Wachbewußtseinszustände, deren Induktion einerseits durch Drogen - Grof war bekanntlich mit Albert Hofmann, dem Entdecker des LSD, befreundet -, andererseits durch die von ihm gemeinsam mit seiner Frau entwickelte Methode des "holotropen Atmens"; außerkörperliche Erfahrungen (OBE) während dieser Zustände; und natürlich diverse telepathische Erfahrungen.

1.2.2 Rupert Sheldrake

Wir hatten uns nicht getäuscht, für Sheldrake’s Vortrag am 28. Oktober einen großen Besuchansturm zu erwarten und daher vorsorglich einen entsprechenden Veranstaltungsort gewählt: den Festsaal der Fachhochschule Technikum Wien, der auch bis auf den letzten Platz gefüllt war. Sheldrake hat unter dem Titel "The Evolution of Telepathy" einen großen Bogen gespannt, den er schon mit dem Untertitel "In Animals, Humans and in Connection with modern Communication Technologies" umrissen hat, wobei er die telepathischen (bzw. möglicherweise telepathischen) Phänomene natürlich im Licht seiner Theorie als Funktionen von Feldern interpretiert hat. Zwei Videos haben seine Ausführungen noch illustriert, wobei es in beiden Fällen um Mensch-Tier-Kommunikation gegangen ist, genauer gesagt Mensch-Haustier. Die Dokumentation über Haustiere, die das Heimkommen des Herrchens oder Frauerls zu antizipieren scheinen, war bereits im ORF gelaufen, hingegen war mir der andere Film neu, der anscheinende telepathische Kommunikation zwischen einer jungen Frau und ihrem Papagei zeigt - insofern ein idealer Fall, als sich im Gegensatz zu anderen Tieren Papageienvögel sprachlich äußern können.

Auch die beiden anderen Veranstaltungen Sheldrake’s in Wien waren sehr erfolgreich. Sein Vortrag an der Sigmund Freud Privat Universität - im mehr als voll besetzten Festsaal, viele fanden nur mehr Stehplätze - war dadurch gekennzeichnet, daß sich diesmal - bei freiem Eintritt (vielleicht auch deswegen) - auch eine Gruppe der organisierten "Skeptiker" mit deren Präsidenten an der Spitze eingefunden hat. Die in der Diskussion von Skeptiker-Seite vorgebrachten Einwände hat Sheldrake bravourös pariert. Folgerichtig war auch in keinem der "Skeptiker"-Organe etwas über den Sheldrake-Vortrag zu lesen. Und das Gruppenbild ist bisher auch nicht veröffentlicht worden: man glaubt es kaum, die "Skeptiker" haben sich als Gruppe zusammen mit Sheldrake (!) ablichten lassen, der - liebenswürdig, wie er nun einmal ist -, deren Bitte, mit ihnen gemeinsam zu posieren, gerne nachgekommen ist.

Bei der dritten Veranstaltung, die zwei Tage lang unter dem Titel "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms" am Institut für Human- und Sozialwissenschaften der LVAk, hat Sheldrake unter dem Titel "The Science Delusion" die wissenschaftstheoretischen Aspekte in den Vordergrund gestellt, d.h., jene wissenschaftskritischen Fragen gestellt, die er in seinem gleichnamigen neuen Buch (deutsche Ausgabe: "Der Wissenschaftswahn") näher ausführt. Das Symposium war dadurch gekennzeichnet, daß auch weitere Referate zu Aspekten der Parapsychologie gehalten worden sind, nämlich von DDr. Walter von Lucadou, der aus Freiburg i. Br. angereist ist, wo er bekanntlich die Parapsychologische Beratungsstelle leitet, über das Thema "Entangled Environment - A New Approach to Human Embodiment and Its Possible Disorder" und von mir über "Mind Matter Correlations. PMB = Paranormal Metal Bending (Ostensible Deformation Effects) revisited".

1.3 "Sei wie du willt namenloses Jenseits"
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Diese im letzten Newsletter (Pkt. 3.2) avisierte Veranstaltung hat, bei der unsere Gesellschaft Mitveranstalter war - außer dem Schwerpunkt Literatur - auch Ethnologisches, Psychologisches und - last not least - Parapsychologisches zum Thema gebracht. Der "parapsychologische Halbtag" hat insofern alle Erwartungen übertroffen, als der betreffende Saal des Filmarchivs Austria, wo die Veranstaltung stattgefunden hat, bei weitem zu klein war, um alle Interessierten zu fassen. Nicht nur, daß mehr Personen im Raum stehen mußten als sitzen konnten, einige haben sogar mit einem Stehplatz auf den beiden anschließenden Gängen Vorlieb nehmen müssen.

Das zeigt, wie groß das Interesse an diesen Themen und an den kompetenten Referenten war, die z.T. auch vom ORF interviewt worden sind. Für April des kommenden Jahres ist, rund um Ostern, eine Hörfunksendung dazu geplant.

Wie soeben bekannt wurde, sind auch die Verlagsverhandlungen, welche die Damen des Organisationsteams geführt haben, zu einem positiven Ergebnis gekommen, sodaß mit dem Erscheinen einer Publikation zu rechnen ist.


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2. PERSONALIA
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Zwei Todesfälle haben sich seit dem letzten Newsletter ereignet, die es wert sind, hier berichtet zu werden:

2.1 Eileen Coly (1916-2013)
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Am 18. November ist in Manhattan Mrs. Eileen Coly im biblischen Alter von 97 Jahren sanft entschlafen. Von 1970 bis 2011 war sie die Präsidentin der von ihrer Mutter, dem bekannten Medium Eileen Garrett, gemeinsam mit Frances P. Bolton 1951 gegründeten Parapsychology Foundation (PF), die jetzt von ihrer Tochter Lisette Coly geführt wird. Zu den vielen Aktivitäten der PF gehören die Herausgabe von Schriftenreihe und die Veranstaltung von internationalen Kongressen, die Ausschüttung von Forschungs- und Reisestipendien und der Betrieb einer fulminanten Bibliothek. In den letzten Jahren befand sich die PF in gewissen Schwierigkeiten, aber jetzt dürfte es wieder aufwärts gehen.

Bei der Konferenz Utrecht II im Jahre 2008 habe ich das Vergnügen gehabt, die alte Dame persönlich kennenlernen zu dürfen. Physisch damals schon etwas fragil, war sie geistig noch voll präsent und wird mir - von ihren Verdiensten um die PF und damit um die Parapsychologie abgesehen - als eine liebenswürdige und humorvolle Person stets in Erinnerung bleiben.

<http://www.pflyceum.org/467.html>
<http://www.pflyceum.org/10.html>

2.2 Colin Wilson (1931-2013)
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Colin Wilson war ein unglaublich produktiver Schriftsteller, der sich publizistisch einer Mehrzahl von Themenbereichen angenommen hat. Parapsychologisch relevante Titel, teils auch in deutscher Übersetzung, sind:
"The Occult: A History" (1971, deutsch: "Das Okkulte"), sein vielleicht größter Erfolg, "Strange Powers" (1973), "Mysterious Powers" (1975, deutsch: "Fremde unbekannte Mächte"), "Enigmas and Mysteries" (1975, deutsch: "Rätselhafte Mystik"), "The Geller Phenomenon" (1975, deutsch: "Rätsel Uri Geller"), "Mysteries" (1978), "Poltergeist. A Study in Destructive Haunting" (1981), "Witches" (1981), "The Psychic Detectives. The Story of Psychometry and Paranormal Crime Detection" (1984), "Afterlife. An Investigation of the Evidence of Life After Death" (1985, deutsch: "Nach dem Tode. Aussagen, Zeugnisse, Beweise") und "Beyond the Occult" (1988).
Bei der Behandlung dieser Themen ist der ursprünglich skeptisch eingestellte Wilson sozusagen vom Saulus zum Paulus geworden. Am 5. Dezember ist Colin Wilson im Alter von 82 Jahren verstorben.

<https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Wilson>


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3. FILM MIT PARANORMALEN MOTIVEN
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Es scheint mir, daß Filme, welche paranormale Motive thematisieren, diese dabei jedoch grotesk überzeichnen, bzw. entsprechende Worte bereits im Titel führen, derzeit vermehrt produziert werden. Nach Neujahr läuft "Paranormal Activity: Die Gezeichneten (Paranormal Activity: The marked ones)" an. In der Wohnung einer ermordeten älteren Dame findet ein aus erzkatholischer Familie stammender Teenager, der dort einbricht, "ungewöhnliche okkulte Gegenstände" und "ominöse Video-Kassetten" sowie sein eigenes Photo, bekommt prompt Alpträume und findet am Morgen eine mysteriöse Bißspur auf seinem Unterarm – er ist "markiert", "gezeichnet". So beginnt dieser Film, der zu einer seit 2009 produzierten Serie "Paranormal Activity" ist, und weitere sollen den "Gezeichneten" ab Herbst noch folgen.

Es handelt sich wieder einmal um das Genre Grusel- oder Horrorfilm vom Typ "Haunted House", das sich mit dem Wort "paranormal" im Titel interessant zu machen sucht (wobei der Begriffsumfang des englischen Wortes "paranormal" viel weiter gefaßt ist als im Deutschen) und alle möglichen "okkulten" Versatzstücke präsentiert, wie magische Handlungen, dämonische Kräfte, Besessenheit etc. Mit Parapsychologie im seriösen Sinn hat das natürlich nicht das Geringste zu tun.


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4. ANLÄßLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …
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Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Vorstands unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters - Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern - EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und VIEL GLÜCK IM NEUEN JAHR!


Prof. Peter Mulacz

--
Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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c/o Institut für Kultur- und Sozial-
anthropologie der Universität Wien
Neues Institutsgebäude
Universitätsstraße 7
1010 WIEN
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http://parapsychologie.ac.at/
office@parapsychologie.ac.at
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Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregel-
mäßiger Folge und wird an derzeit ca. 850
Abonnenten versandt.
Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Ortho-
graphie sowie das "generische Maskulinum".
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen:
E-mail-Adressen werden selbstverständlich
nicht an Dritte weitergegeben. Der Versand
des Newsletters erfolgt unter den Auflagen
des TKG 2003 idF BGBl I Nr. 102/2011.
Weiters finden die Richtlinien der ARGE Daten Beachtung.
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind unter
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nachzulesen.
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Abbestellungen) bitte an
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Newsletter N° 52 – Wien, 26. 10. 2013


Das Semester hat begonnen, der erste Vortrag steht unmittelbar vor der Tür, und auch sonst gibt's ein paar Aktualitäten. Gewisse administrative Dinge haben sich sehr dynamisch entwickelt, was der Grund dafür ist, daß dieser Newsletter erst so spät bzw. so kurz vor dem ersten Vortragstermin erscheint.


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INHALT:
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1.     Vorschau auf das kommende Semester
2.     Vortragsprogramm
3.     Kommende Veranstaltungen
        3.1     Weitere Veranstaltungen mit Rupert Sheldrake in Wien
        3.2.    Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht
4.     Vergangene Veranstaltungen
        4.1     Kongreß: Klinische Parapsychologie
        4.2.     Jahrestagung der Parapsychological Association
        4.3.     (Kriminal-)psychologischer Kongreß in Graz
5.     Tod (und Jenseits) in GEO Wissen
6.     GdK / GWUP – ein paar Bemerkungen aus gegebenem Anlaß
7.     Film mit dämonologischen Inhalt
8.     Personalia
9.     "Mind over Mechanics"


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1. VORSCHAU AUF DAS KOMMENDE SEMESTER:
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Aufgrund der Tatsache, daß der "Jenseits-Kongreß" (siehe Pkt. 3.2), bei dem unsere Gesellschaft Mitveranstalter ist, mehrere Vorträge zu parapsychologischen Themen beinhaltet, wird es diesmal nur vier anstatt wie üblich fünf Vorträge im Semester geben.
Der Höhepunkt unserer Vorträge in diesem Semester wird gewiß derjenige von Rupert Sheldrake sein, der am 28. Oktober stattfinden wird.
Weiters wird im kommenden Semester leider kein Bibliotheksbetrieb stattfinden können, da wir aufgrund des Todes von Prof. Kremser seinen Raum an der Universität, in dem unsere Bibliothek bisher untergebracht war, nicht weiter benützen können.


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2. VORTRAGSPROGRAMM:
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28. Oktober:
    Rupert Sheldrake:
    The Evolution of Telepathy -
    in Animals, Humans and in Connection with modern Communication Technologies.

11. November:
    Peter Mulacz
    Parapsychologie 2013 – ein Thema mit Variationen
    Bericht über den Weltkongreß der Parapsychologie in Viterbo, Italien

16. Dezember:
    Günther Fleck
    Experimentelle Visionsforschung
    Auf dem Weg zu einem neuen Paradigma

27. Jänner 2014:
    Markus Zimmermann, Klagenfurt:
    "Blutende Hostien"
    und andere katholische "Blutwunder"

Rupert Sheldrake geht es in seinem Vortrag "The Evolution of Telepathy" (in englischer Sprache) darum, die Telepathie als "normal" - weder als "übersinnlich" noch als paranormal (!) - darzustellen, eben als eine normale Kommunikationsform zwischen gruppenbildenden Individuen. Es geht um Telepathie unter Tieren ebenso wie unter Menschen einschließlich der modernen Kommunikationsformen Telephon, SMS und e-Mail. Da großes Interesse an diesem Vortrag herrscht und die Hörsäle im NIG; wo unsere Vorträge üblicherweise stattfinden, voraussichtlich dem Besucheransturm nicht gewachsen wären (das ursprünglich vereinbarte und daher auch in der Druckversion des "Wissenschaftskompass" als Veranstaltungsort genannte AudiMax ist nicht verfügbar), findet dieser Vortrag an der Fachhochschule *Technikum Wien, 1200 Höchstädtplatz 6*, statt (Festsaal, im Erdgeschoß). Verkehrsverbindung: Straßenbahn 2, 31, 33, Bus 37A.

Mein eigener Vortrag bringt ein Resümee über die heurige Jahrestagung der Parapsychological Association (siehe Pkt. 4.2).

Günther Fleck wird darüber referieren, wie durch Magnetstimulation "Visionen" experimentell hervorgerufen werden können. Dieser Vortrag ist gewissermaßen ein Gegenstück zu dem von Gerhard Eggetsberger im vergangenen Semester, wo es um elektrische Stimulation gegangen ist.

"Blut ist ein besond'rer Saft." Markus Zimmermann wird über "Blutwunder" in der katholischen Kirche berichten. Das Blutwunder des Hl. Januarius ist sehr bekannt, wurde auch naturwissenschaftlich untersucht und von Hans Bender als Beispiel für einen interdisziplinären Dialog angeführt. In diesem Vortrag werden die "Blutenden Hostien" und die mittelalterliche Volksreligiosität im Vordergrund stehen.

Das gedruckte Programm, das unsere Mitglieder und eingetragenen Interessenten zugesandt erhalten, ist bereits ausgesandt.


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3. KOMMENDE VERANSTALTUNGEN:
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3.1 Weitere Veranstaltungen mit Rupert Sheldrake in Wien:
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Es steht außer Frage, daß Sheldrake und seine Arbeiten kontroversiell beurteilt werden. Das Lemma "Sheldrake" in der Wikipedia (vgl. dazu auch Pkt. 6), das von "Pseudowisssenschaft" spricht, scheint mir unzulässig negativ geprägt zu sein. Insbesondere fehlt dabei die m. E. notwendige Differenzierung, was gerade der Beurteilung unterliegt: Sheldrake’s theoretische Konzepte (Schlagwort "morphische [bzw. morphogenetische] Felder"), seine experimentellen Arbeiten (Tiere, welche die Heimkehr der menschlichen Bezugsperson antizipieren, "Telephontelepathie", etc.) oder seine wissenschaftstheoretischen Betrachtungen (Kritik an den [stillschweigenden] Voraussetzungen des [materialistisch-mechanistischen ausgerichteten] "main stream" - ähnlich C. D. Broad’s "Basic Limiting Principles" - und am derzeitigen Wissenschaftsbetrieb).

Außer dem Vortrag in unserer Gesellschaft am Mo, 28. Okt. wird Sheldrake noch zwei weitere Veranstaltungen in Wien abhalten:

3.1.1 Internationales Symposium "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms":
Das Institut für Human- und Sozialwissenschaften (IHSW) an der Landesverteidigungsakademie (LVAk) veranstaltet am Di/Mi 29./30. Okt., Beginn 09:00 h, ein internationales Symposium "Scientific Controversies and the Emergence of New Paradigms", das von unserem Vorstandsmitglied HR Dr. Günther Fleck organisiert wird. Teilnehmer sind u.a. Rupert Sheldrake und Walter von Lucadou (Freiburg i. Br.); ich werde unter dem Titel "Mind Matter Correlations" über Paranormales Metallbiegen sprechen. Das Symposium wird zur Gänze in englischer Sprache abgehalten. Sowohl wegen beschränkter Platzanzahl wie auch aus Gründen der militärischen Sicherheit ist für diese Veranstaltung eine vorherige Anmeldung per e-mail an die Adresse <guenther.fleck@bmlvs.gv.at> bis 28. Oktober 12:00 h *zwingend* erforderlich. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

3.1.2 Vortrag an der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU):
Weiters findet am Di, 29. Okt. ein Vortag von Rupert Sheldrake an der SFU statt, mit der unsere Gesellschaft schon mehrfach Kooperationsveranstaltungen durchgeführt hat; das Thema lautet: "Morphic Fields and their Psychological Implications". Auch diese Veranstaltung wird in Englisch abgehalten.
<http://sfu.ac.at/data/Einladung zum Vortrag von Rupert Sheldrake.pdf>.
Ort: Festsaal (2. Stock) der SFU, 1030 Wien, Schnirchgasse 9a.
Beginn: 17:00 h pünktlich
Der Eintritt ist frei.


3.2 Kongreß über das "Jenseits" in kulturwissenschaftlicher Sicht:
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Bereits in unserem Newsletter N° 49 ist unter Pkt. 1.2.2.6 dieser interessante internationale und interdisziplinäre Kongreß avisiert worden, der unter dem Titel "Sei wie du willt namensloses Jenseits" veranstaltet wird und äußerst umfangreich ist. ("Willt" ist kein Tippfehler, sondern eine altertümliche Form, es handelt sich nämlich um ein Schiller-Zitat ["Die Räuber", IV. Akt, 5. Szene]). Mittlerweile steht das Programm im Detail fest. Während der Schwerpunkt natürlich im Bereich der Literatur bzw. der Kulturwissenschaften liegt, kommen an einem Nachmittag (Fr., 01. Nov. von 14:30h bis 18:15h) auch Aspekte der Parapsychologie zur Sprache, und zwar:

Reet Hiiemäe, M.A., Tartu, Estland:
    Jenseitsvorstellungen in der Kommunikation zwischen Lebenden und Toten
Prof. Peter Mulacz, Wien:
    Feurige Botschaften aus dem Purgatorium – das Phänomen der "eingebrannten Hand"
Dr. Annekatrin Puhle, Berlin, Deutschland und Göteborg, Schweden:
    Licht ins Jenseits. Eine Studie über Erfahrungen mit außergewöhnlichem Licht
Prof. Dr. Edward Bever, State University of New York College at Old Westbury, USA:
    A Dead Witch, the Devil, and Ball Lightning: Contending Explanations of an Extraordinary Event
Prof. Dr. Jürgen Barkhoff, University of Dublin, Irland:
    Der Mesmerismus als Medium von Jenseitskontakten
Dr. Ralph Frenken, Darmstadt, Deutschland:
    Psychologische Aspekte christlicher Jenseitsvorstellungen

Es handelt sich um eine Kooperations-Veranstaltung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft und des Vereins Neugermanistik Wien mit unserer Gesellschaft und mit dem Filmarchiv Austria/Studiokino, das auch der Veranstaltungsort ist (Obere Augartenstraße 1e, 1020 Wien), wenn man von der Exkursion auf den Zentralfriedhof absieht. Der Eintritt ist frei.

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4. VERGANGENE VERANSTALTUNGEN:
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4.1 Kongreß Klinische Parapsychologie:
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Der Terminus "Klinische Parapsychologie" hat ihm Rahmen dieses Newsletters schon öfter Erwähnung gefunden; es sei auch auf die diesbezüglichen Vorträge unseres niederländischen Kollegen Drs. Wim Kramer hingewiesen, die dieser vor einigen Jahren in Wien (in unserer Gesellschaft wie auch an der SFU) gehalten hat.
Eine weitere Tagung zu diesem Thema hat, von der "Gesellschaft für Anomalistik" veranstaltet, am 26. und 27. April 2013 in den Räumen des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br. stattgefunden.
Darüber findet sich in der "Zeitschrift für Anomalistik" ein ausführlicher Bericht, der jetzt von dem Blog "grenz|wissenschaft-aktuell" unter
<http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2013/10/wie-gewohnlich-ist-auergewohnlich.html> auch ins WWW gestellt und damit weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden ist.


4.2 Jahrestagung der Parapsychological Association:
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Vom 08. bis 11. August fand, wie ebenfalls im Newsletter N° 49 angekündigt, in Viterbo die heurige Jahrestagung der Parapsychological Association statt. Wie immer wurde dabei versucht, das ganze Spektrum der Parapsychologie zu bestreichen, also experimentelle und theoretische Studien, Spontanfälle und Feldforschung, etc. Unsere Gesellschaft war mit einem Beitrag im Rahmen eines Workshops zur Geschichte der Parapsychologie vertreten: ich habe versucht, in komprimierter Form Leben und Werk von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing darzustellen (vgl. auch unser Vortragsprogramm vom Wintersemester 2012/13). In meinem kommenden Vortrag werde ich versuchen, ein Resümee über aktuelle Aspekte der Parapsychologie zu liefern und ein paar Höhepunkte dieser Konferenz darzustellen.


4.3. "Die Vermessung der Seele" - interdisziplinärer Kongreß in Graz:
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Kürzlich zu Ende gegangen ist ein von PD DDr. Christian Bachhiesl, dem rührigen Leiter des Kriminalmuseums Graz, unter dem Titel "Die Vermessung der Seele - Geltung und Genese der Quantifizierung von Qualia" an der Universität Graz organisierter internationaler Kongreß (17.-19. Oktober). Das Programm kann heruntergeladen werden und zeigt die Breite des zur Sprache gekommenen Spektrums, wobei der Bezug zur Kriminalistik keineswegs vordergründig war. Es gab eine Reihe ausgezeichneter Referate und interessante Diskussionen sowie eine Führung in der Sonderausstellung des Universitätsmuseums, die eine Sammlung historischer Laborgeräte für experimentelle Psychologie umfaßt; Folder dazu. Die Herausgabe eines Tagungsbandes ist geplant.


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6. TOD (und JENSEITS) in GEO WISSEN:
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Die Nr. 51 der Zeitschrift GEO Wissen (mit einer beiliegenden DVD) trägt den Titel "Vom guten Umgang mit dem Tod" und beleuchtet verschiedene Aspekte von Sterben und Tod, von Begleitung und Trauerarbeit, von der Euthanasieproblematik und der Begräbniskultur. Natürlich darf weder ein Abschnitt "Seele - was kommt nach dem Tod?" noch einer über Todesnäheerfahrungen fehlen. Auf der DVD gibt es u. a. ein Video mit bzw. über Ernst Senkowski, dem Veteranen der Erforschung paranormaler Tonbandstimmen im deutschen Sprachraum (heute auch EVP – Electronic Voice Phenomenon). Alles in allem ist das Themenheft ansprechend gemacht, bietet aber nichts Neues und für speziell parapsychologisch Interessierte eher wenig.


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6. GdK / GWUP – EIN PAAR BEMERKUNGEN aus gegebenem Anlaß:
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Die vor allem durch ihr Erscheinen auf gelbem Papier bemerkenswerte Zeitung "Der Standard" hat durch viele Nummern hindurch, jedoch in loser Folge erscheinend, eine Reihe von Artikeln über die "Parawissenschaften" gebracht, wobei schon das Wort "Parawissenschaft", auch wenn es der szt. Soziologe Gerald L. Eberlein von der Technischen Universität München verwendet hat, eine terminologische Mißgeburt darstellt. Die griechische Silbe "para" bedeutet bekanntlich "neben" - so hat Max Dessoir 1889 den Begriff "Parapsychologie" inauguriert, indem er sagte: "Bezeichnet man … mit Para- etwas, das über das Gewöhnliche hinaus- oder neben ihm hergeht, so kann man vielleicht die aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens hervortretenden Erscheinungen parapsychische, die von ihnen handelnde Wissenschaft Parapsychologie nennen." Was aber sollte man unter "Parawissenschaften" verstehen - etwa "Nebenwissenschaften"? Und was sollten solche darstellen? Offensichtlich geht es beim Gebrauch dieses Worts durch die Skeptiker nicht um die "Orchideenfächer", von denen man vielleicht sagen könnte, daß sie neben wichtigeren Disziplinen bestehen, sondern der als Pejorativ gebrauchte Ausdruck fokussiert eher auf einen (real oder vermeintlich) minderen Grad von Wissenschaftlichkeit. Das ist natürlich Unsinn. Wissenschaft ist Methodenfrage, nicht Frage des Gegenstandes, und ein Gegenstand, so fernliegend und abstrus er zunächst auch erscheinen mag, wird entweder methodisch korrekt untersucht, dann handelt es sich um Wissenschaft, oder die angewandten Methoden sind fehlerhaft, dann ist es unwissenschaftlich. Tertium non datur.

Konkret sind in der genannten Artikelreihe einerseits Auswüchse von "Esoterik" und "New Age" aufs Korn genommen worden (welche tatsächlich Kritik verdienen, insofern haben ja die Skeptiker eine durchaus wichtige Funktion), andererseits verschiedene Methoden der Alternativ- bzw. Komplementärmedizin. Die Autoren dieser Reihe gehören (wenn nicht sämtlich, so zumindest mehrheitlich) der "Gesellschaft für kritisches Denken" (GkD) an, die der österreichische Ableger der bundesdeutschen "Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) ist, welche ihrerseits von dem US-amerikanischen CSI (vormals CSICOP) abstammt und auch der JREF nahesteht. Gleichzeitig gibt es engste personelle Verflechtungen zur Gottlosenbewegung, die u.a. für die Abschaffung der Kreuze in den Schulen eintritt und die aktiv gegen den Glauben an Gott "missioniert", wenn man dies Wort gebrauchen darf.

Akupunktur, Bach-Blüten, Schüssler-Salze und insbesondere Homoöpathie werden von den Mitgliedern der "Skeptiker"-Organisationen vehement bekämpft - Homöpathie wirke bloß als Placebo. Sei dem wie es sei, das pro und contra auszuloten ist hier nicht der Platz - die Doppelzüngigkeit befremdet jedoch, mit der ein Arzt, der im privaten Kreis versichert, er hätte keine Bedenken, einem Patienten ein bloßes Placebo zu verschreiben, wenn er es für angezeigt halte, gleichzeitig die Homoöpathie durch primitiven öffentlichen Aktionismus lächerlich zu machen versucht. Ich glaube nicht nur, daß diese vermeintliche "Volksaufklärung", homöopathische Präparate seien nichts als Placebos, total unnötig ist, ich finde es auch unethisch, den Menschen ihren Glauben zu nehmen: das ist, als ob man jemandem, der einer Stütze bedarf, die Krücke mit der Erklärung wegnimmt, daß diese keine kausale Heilung bewirke. Ebenso befremdlich ist die Einseitigkeit der "Skeptiker", wenn es um ökonomische Gesichtspunkte geht. Da wird ins Treffen geführt, wie viel die Hersteller von Homoöpathika verdienen, wobei gemeint ist, daß sie dies unrechtmäßig verdienen, während bei allopathischen Medikamenten ja die hohen Entwicklungskosten zu Buche schlagen und somit die Arzneimittelpreise gerechtfertig seien. Kein Wort von den Schattenseiten dieser Entwicklungen, wie z.B., um nur eines herauszugreifen, der Auslagerung von Medikamenten-Erprobungen in Schwellenländer zwecks Profitmaximierung. Es handelt sich um reine Schwarz-Weiß-Malerei: "Schulmedizin" ist gut, Alternativ-/Komplementärmedizin ist böse. Immer wieder wird das finanzielle Argument ins Treffen geführt, wobei sich die Kritik einseitig gegen die Komplementärmedizin richtet, obwohl es doch gewiß an der Kostenseite der Schulmedizin genug zu kritisieren gäbe: unnötige kostspielige Untersuchungen zwecks Amortisation der teuren Geräte, unnötige Operationen und andere Behandlungen der Patienten, insbesondere solcher mit Zusatzversicherungen, all dies häufig zum gesundheitlichen Schaden der Patienten und auf jeden Fall zum finanziellen Schaden der Versicherungsträger. So zumindest liest man das in diversen durchaus seriösen Publikationen, nicht nur in fachlich einschlägigen, sondern auch in der Qualitätspresse. Aber Kritik an der "Schulmedizin" wird von den "Skeptikern" ausgeblendet, denn die "Schulmedizin" steht ja auf der "richtigen Seite".

Als Kritikerin der alternativmedizinischen Szene, insbesondere der Homoöpathie, steht die "Medizinjournalistin" Krista Federspiel an vorderster Stelle, obwohl sie eigentlich Volkskundlerin ist. Aber Federspiel kümmert sich auch um andere Disziplinen. Aus ihrer Feder ist - kurz nach dem Tod unseres Präsidenten, Manfred Kremser - ein Artikel in der genannten Reihe "Parawissenschaften" erschienen, welcher den Verstorbenen massiv angreift. Allein diese Tatsache, eine Attacke auf eine Person zu unternehmen, die gerade verstorben ist, halte ich für überaus schäbig. Wenn man dann versucht, dies Verhalten damit zu rechtfertigen, das sei man der Wissenschaft schuldig, so geht das ins Leere, denn aufgrund des Todesfalls gibt es ja keine Fortsetzung der inkriminierten Praktiken.

Unsere Gesellschaft wird in dem Artikel ein einziges Mal erwähnt, und zwar mit der Aussage, daß Manfred Kremser Präsident dieser Gesellschaft war. Damit könnten wir es mit der Feststellung bewenden lassen, wir seien eigentlich nicht betroffen. Das wäre aber billig, es würde dem Andenken Manfred Kremsers nicht gerecht. Also will ich, nachdem ich oben das Umfeld der organisierten "Skeptiker" beleuchtet habe (Federspiel ist die Schriftführerin der GkD), doch ein wenig näher auf die Anschuldigungen in diesem Artikel eingehen, soweit nicht von Seite des KSA-Instituts (siehe unten) bereits entgegnet worden ist, und ich will noch einige weitere Aspekte beisteuern.

Prof. Manfred Kremser war - so viel zur Erinnerung, vor allem für jene, die ihn nicht persönlich gekannt haben – am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) der Universität Wien habilitiert, welches zuvor Institut für Ethnologie und noch früher Institut für Völkerkunde geheißen hat. Er hat sich seit Studentenzeiten für parapsychologische Aspekte in der Ethnologie interessiert und auch über ein einschlägiges Thema dissertiert (seit damals waren wir miteinander befreundet), nämlich über die "Zauberei" bei den Azande, ein sehr honoriges Thema, über das klassische Arbeiten von Evans Pritchard vorliegen. Später hat er sich mit den Religionen der Karibik beschäftigt und insbesondere mit dem Bewußtseinszustand bei religiösen Ritualen. Es kann nicht wunder nehmen, daß ein Teil der von ihm betreuten Abschlußarbeiten ebenfalls in den Themenkreis Bewußtseinsforschung fällt. Federspiel hat nun in ihrem Zeitungsartikel Zitate aus einigen wenigen Arbeiten (von insgesamt mehr als 50, die er in den letzten Jahren approbiert hat) gebracht, welche - aus dem Kontext gerissen - in der Tat sehr merkwürdig anmuten. Ihr Hauptvorwurf ist das Fehlen von kritischer Distanz gegenüber "esoterischen" Inhalten. Während sich die ausgewählten Stellen durchaus in diesem Sinne interpretieren lassen, bleibt unbekannt, ob die notwendigen Klarstellungen nicht an andern Stellen der jeweiligen Arbeiten vorgenommen sind. Was noch schwerer wiegt: Federspiel läßt die Leser ihres Artikels darüber im Unklaren, mit welchen Noten die betreffenden Arbeiten approbiert worden sind. Vielleicht hat sich die Tatsache, daß Befremdliches stehen geblieben ist, in einer schlechten Note niedergeschlagen. Auch auf die Mit-Verantwortung der Zweitbegutachter wird nicht eingegangen; allerdings ist festzuhalten, daß Federspiel das ganze KSA angreift, aber natürlich Manfred Kremser im besonderen. Genauer gesagt, Manfred Kremser wird als Betreuer von Diplomarbeiten, der "Esoterisches" hat "durchgehen lassen", kritisiert - was ja auch bloß ein Aspekt von seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gewesen ist. Seine eigenen Publikationen, die ja wohl schwerer wiegen, hat sie nicht herangezogen - und hätte sie dies getan, wäre ihr Urteil kaum ein kompetentes gewesen. Dennoch ist durch diesen Artikel und die folgende Auseinandersetzung die wissenschaftliche Reputation Manfred Kremsers in der Öffentlichkeit leider posthum beschädigt worden, eines Mannes, dessen Arbeiten der Altrektor Prof. Wernhart als "genial" bezeichnet hat.

Als diese Sache gerade am Kochen war, hat jemand (ich habe nicht herausfinden können, wer) den Wikipedia-Eintrag von Krista Federspiel durch einen Absatz "Kritik" erweitert. Das hat zu einer umgehenden Reaktion des GkD-Präsidenten geführt, der von einer "Kampagne" gegen Federspiel und von "Schmutzkübel" phantasiert. Es ist ein recht typisches Muster des "Skeptiker"-Verhaltens: beim Austeilen sind sie groß, aber einstecken können sie nichts, da sind sie Mimosen.

Das bringt mich zur bekannten on-line Enzyklopädie Wikipedia, womit ich die bescheidene österreichische bzw. deutschsprachige Szene kurz verlasse und mich der internationalen bzw. anglophonen Version von Wikipedia zuwende. Schon vor ein paar Jahren gab es bei einer PA-Konferenz eine Diskussion darüber, was man dagegen tun könne, daß Artikel über parapsychologische Themen von "Skeptikern" immer wieder verändert würden, nota bene ohne sachliche Kompetenz. Mittlerweile hat sich die Situation dramatisch verschärft, insbesondere rund um das Wikipedia-Lemma "Rupert Sheldrake". Ich will das hier gar nicht im Detail ausführen, sondern setze vielmehr ein paar Links zu weiterführender Information:
zunächst Rupert Sheldrakes eigener Bericht auf seinem Blog:
<http://sciencesetfree.tumblr.com/>
weiters:
<http://www.realitysandwich.com/wikipedia_battle_rupert_sheldrakes_biography>
allgemein:
<http://www.realitysandwich.com/how_skeptic_ideologues_control_wikipedia>.
Es gibt eine Gruppe fanatischer "Skeptiker", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles auf Wikipedia, was nach Esoterik, New Age, Parapsychologie aussieht, zu zensurieren, umzuschreiben oder zu löschen. Daß es auf diesem Sektor viel Unseriöses gibt, ist ja völlig unbestritten, aber von diesen "Guerillas", wie sie sich selbst nennen, wird ohne Unterschied ratzeputz alles, was nicht in ihr verengtes Schema paßt, "überarbeitet":
<http://guerrillaskepticismonwikipedia.blogspot.co.uk/>

Kehren wir über Sheldrake, nämlich über seine bevorstehenden Vorträge, wieder nach Wien zurück, so sind auch hier die "Skeptiker" schon am Werk, nicht zuletzt, indem sie die bekannten Fragen nach den Finanzen aufwerfen - ob der Steuerzahler irgendwie zur Kasse gebeten wird, was Sheldrake wohl für ein Honorar einstreifen würde, usw. Damit nicht genug, die militanten "Skeptiker" haben die Aushänge mit den Worten "Skandal" bzw. "peinlich" beschmiert. Nun, über die Geschichte von Schmieraktionen und was man davon zu halten hat, brauche ich mich nicht auszulassen, das richtet sich von selbst.

So stellt sich also die Szene der organisierten "Skeptiker" als eine Gruppe dar, die sich durchaus in eine Parallele mit religiösen Fundamentalisten stellen läßt. Da die „Skeptiker“, aus Weltanschauungsgründen zu wissen glauben, was möglich sei und was nicht, glauben sie, es gar nicht nötig zu haben, sich mit dem aktuellen Forschungsstand auseinander zu setzen. So wird von ihnen, ohne in die Tiefe zu dringen, ohne Auseinandersetzung mit Inhalten, vielfach auch ohne Sachkenntnis, im Sinn einer Lagermentalität vorgegangen: das sind wir - und diejenigen, welche den anderen "Stallgeruch" haben, das sind die anderen, und die müssen bekämpft werden, teilweise auch mit radikalen Mitteln. Besonders unangenehm macht sie ihr oft sehr lautstarkes Auftreten. In der Auseinandersetzung um Parapsychologie, Alternativ-/Komplementärmedizin etc. setzen sie als Kampfbegriffe „Aberglaube“, „Pseudowissenschaft“ und „irrational“ ein, während sie für sich selbst „Vernunft“, „Rationalität“ und „Wissenschaftlichkeit“ reklamieren. Hans Bender hat die "Skeptiker" äußerst treffend als die "Negativ-Gläubigen" gekennzeichnet. So ist es in der Tat: die eine Gruppe, die "Gläubigen", das sind die "Esoteriker" und die "New Age"-Freaks, die andere Gruppe ist genauso gläubig, aber mit anderem Vorzeichen: eben die negativ-gläubigen "Skeptiker". Im Vergleich dazu ist die Gruppe jener Personen, die sich unvoreingenommen und wissenschaftlich (d.h., methodisch korrekt) mit den Problemen der Parapsychologie beschäftigt, leider marginal. Unsere Gesellschaft bemüht sich seit ihrer Gründung, diese Gewichtung durch entsprechende Aufklärungsarbeit zu verschieben.


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7. FILM mit DÄMONOLOGISCHEM INHALT - "Conjuring - Die Heimsuchung"
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In dem Intervall seit dem letzten Newsletter ist auch der Film "Conjuring - Die Heimsuchung" in die Kinos gekommen, den ich anläßlich einer Pressevorführung sehen habe können (privat hätte ich ihn mir gewiß nicht angesehen). Das Genre dieses Films ist "Horror", der Gegenstand ist - wie beim Urahn derartiger Filme, "Der Ezorzist" - dämonische Besessenheit und Exorzismus, die vermittelte Botschaft ist, es gibt Dämonen, die sich an Menschen oder auch an Gegenstände heften können und die man, hat man sich so etwas eingefangen, nur sehr schwer wieder los wird. "Es ist, wie wann man auf einen Kaugummi tritt," der dann an der Schuhsohle haften bleibt und nur recht umständlich entfernt werden kann. Das ist an sich ein psychohygienisch recht bedenklicher Inhalt, dessen Gefährlichkeit seit dem Exorzismusfall in Aschaffenburg, wo die Studentin Anneliese Michel zu Tode kam, immer wieder hervorgehoben worden ist, nicht zuletzt auch von Hans Bender, der unter dem einprägsamen Titel "Der Teufelskreis der Besessenheit" insbesondere auf die selbstreferentiellen sozialen Strukturen der Anhänger dämonologischer Lehren hingewiesen hat, die in Form einer Feedback-Schleife einander "im Glauben bestärken". Im konkreten Fall dieses Films sind jedoch meine diesbezüglichen Bedenken eher gering, denn was da an angeblich paranormalen Phänomenen gezeigt wird, ist, selbst wenn man "grandiose" Spukfälle wie Rosenheim zum Vergleich heranzieht, um mehrere Größenordnungen übertrieben und wirkt einfach nur lächerlich.


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8. PERSONALIA - Prim. Dr. Masarik verstorben:
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Der ursprünglich aus der Slowakei stammende Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Dr. Josef Masarik, langjähriger Leiter der Heilanstalt Kalksburg, war unter der vor 15 Jahren zu Ende gegangenen Ägide Hofmann durch viele Jahre hindurch Vizepräsident unserer Gesellschaft. Masarik war u.a. Hypnosetherapeut und sein Interesse an der Hypnose hat ihn auch zur Parapsychologie gebracht. Nun ist Masarik, der sich, wie auch seine Gattin Tatjana (ebenfalls Ärztin), schon seit längerer Zeit zurückgezogen hatte, anfangs des Jahres im 92. Lebensjahr verstorben, was allerdings erst später bekannt geworden ist. Vermutlich werden sich nur wenige Mitglieder an ihn erinnern; dennoch sei ihm als verdienten Funktionär zumindest in Form dieser Erwähnung ein ehrendes Andenken gewahrt.


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MIND OVER MECHANICS:
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Das Folgende ist kein Gegenstand der Parapsychologie proper, hat aber insofern mit ihr zu tun, als man es als eine technische Umsetzung von Psychokinese betrachten könnte. Vorausgeschickt sei, daß bereits die deutsche Luftwaffe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs damit experimentiert hat, daß der Pilot sein Flugzeug nur durch die elektrischen Impulse seines Gehirns steuert. Nun gibt es eine faszinierende technische Realisierung im Modellmaßstab. Wie Karl Farkas sagen würde: "Sehen Sie sich das an!"
<http://www.youtube.com/embed/6LWz4qa2XQA?feature>


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 51 – Wien, 17. 03. 2013


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MANFRED KREMSER 1950 - 2013
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Mit diesem Newsletter erfülle ich die traurige Pflicht, Sie von dem am 3. März 2013 erfolgten Ableben unseres Präsidenten, ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Manfred KREMSER, in Kenntnis zu setzen.

Manfred KREMSER stand seit 1997 an der Spitze unserer Gesellschaft. Seit ca. vier Jahren war er schwer krank, nun hat er – nach einer Leidensgeschichte ohnegleichen – seine Erlösung gefunden. Während sein berufliches Umfeld, das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie bzw. die Universität Wien, bereits früher über seinen Tod informiert worden war, habe ich bzw. hat unsere Gesellschaft erst heute abends davon erfahren.

Ich habe versucht, Manfred KREMSER als unseren Präsidenten, als Wissenschaftler, aber auch in seiner Persönlichkeit und, last not least, als jahrzehntelangen persönlichen Freund in einem Nachruf (mit Photo) zu würdigen, den ich auf unserer Internetpräsenz on-line gestellt habe.

Weiters weise ich auf den Nachruf des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie hin, der im Text identisch ist mit dem Nachruf auf dem Medienportal der Universität Wien, wobei auch auf seine Position als Präsident unserer Gesellschaft hingewiesen wird. Weiters finden sich auf der Instituts-Website auch Würdigungen und Reminiszenzen die zu lesen sehr berührend ist.

Obwohl aufgrund seines sich ständig verschlechternden physischen Befindens mit seinem Tod zu rechnen war, ist mir dennoch die heute erhaltene Nachricht sehr nahe gegangen. Sowohl unsere Gesellschaft wie ich als Freund werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Peter Mulacz

Hinweis:
Die feierliche Verabschiedung findet am 22. März 2013 von 13:00-15:00 h im Krematorium statt.
Feuerhalle Simmering, 1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 337

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Newsletter N° 50 (ein kleines Jubiläum), Wien, 02. 03. 2013

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INHALT:
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1. Vortragsprogramm Sommersemester
2. Wallace-Jahr
3. „Grenzgebiete“ beim Symposium im Stift Vorau
4. Personalia
5. Webinar NL-SPR (Ed MAY)


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1. VORTRAGSPROGRAMM SOMMERSEMESTER 2013
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Das Vortragsprogramm für das Sommersemester ist fixiert und wird – für die Bezieher unseres gedruckten Programms – gerade für den Versand vorbereitet, darüber hinaus ist es – wie immer – auf der Seite http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm on-line verfügbar. Auch auf unserer Facebook-Seite http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft findet sich der Hinweis, daß das neue Programm bereits abrufbar ist.

Ein für dieses Semester geplanter Vortrag von Rupert Sheldrake hat leider auf das Wintersemester verschoben werden müssen und wird – nach gegenwärtiger Planung – am Montag, 28. Oktober 2013 stattfinden. Jedoch steht uns in diesem Semester mit Stan Grof ein weiterer, international hervorragender Wissenschaftler als Referent zur Verfügung.

Wir haben uns bemüht, wieder ein thematisch breit gefächertes Programm zu erstellen.
Die Termine sind:

18. 03. 2013
Alexander G. Keul
Der Kugelblitz
Ein interdisziplinärer Zankapfel

15. 04. 2013
Robert Pucher
Der Begriff der „Seele“ im wissenschaftlichen Diskurs und im modernen Weltbild
Ist die Funktion des Gehirns vollständig erklärbar?

06. 05. 2013
Stanislav Grof
Wenn Unglaubliches passiert …
Implikationen moderner Bewußtseinsforschung für die Parapsychologie

27. 05. 2013
Peter Mulacz
Mentale Eindrücke über Raum und Zeit hinweg
Drei herausragende Sensitive (Stefan Ossowiecki,
Mary C. Sinclair und Harold Sherman) im Vergleich

24. 06. 2013
Gerhard H. Eggetsberger
Gehirn und Geist
Höhere Gehirnentwicklung durch Neurostimulation

Wie immer ein paar Worte zu den einzelnen Vorträgen, jeweils ein Absatz:

Das Thema Kugelblitz gehört nicht zur Parapsychologie, sondern – dem „Untertitel“ unserer Gesellschaft entsprechend – zu den „Grenzgebieten der Wissenschaft“, herrscht doch große Uneinigkeit über die Natur dieser Erscheinung, deren Existenz sogar von manchen Vertretern des wissenschaftlichen „mainstream“ noch immer in Zweifel gezogen wird. Insofern geht es nicht nur um den Kugelblitz als solchen, sondern auch um die wissenschaftstheoretische Problematik der Auseinandersetzung mit erratisch auftretenden und schwer dokumentierbaren Fällen. Alexander Keul ist, wie Walter von Lucadou, sowohl Physiker wie Psychologe.

Der Begriff „Seele“ wird im wissenschaftlichen Diskurs nur selten gehört; man versucht – und das ist grundsätzlich ja auch wegen der Occam’schen Denkökonomie richtig –, alle Erscheinungen des geistigen Lebens auf gehirnphysiologischer Grundlage zu erklären. In Robert Puchers Referat wird nun aus informationstheoretischem und physikalischem Blickwinkel heraus überprüft, ob dieses reduktionistische Modell alle beobachteten Erscheinungen erklären kann oder ob man nicht doch, wie es Rudolf Tischner ausgedrückt hat, zwei grundlegende Weltbausteine annehmen muß, das Materielle und das Psychische.

Stan Grof ist ein Pionier der Bewußtseinsforschung, insbesondere der Erforschung außergewöhnlicher Bewußtseinszustände, seien diese durch Drogen induziert oder durch Methoden wie das von ihm entwickelte „holotrope Atmen“ (vgl. den Vortrag von H.-P. Weidinger im April 2009) oder auch spontan in bestimmten Situationen auftretend (z.B. im Kontext von Todesnäheerfahrungen); er ist auch einer der Mitbegründer der „Transpersonalen Psychologie“. Die außergewöhnlichen bzw. paranormalen Phänomene, welche in solchen Bewußtseinszuständen erlebt werden – Erinnerung an „frühere Leben“, außerkörperliche Erfahrung, Kommunikation mit einem „Jenseits“, bemerkenswerte Synchronizitäten – legen die Notwendigkeit einer Revision unserer üblichen Begriffe von Bewußtsein und menschlicher Psyche, darüber hinaus des Begriffs der Realität nahe. Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt. Stan Grof im Web: <http://de.wikipedia.org/wiki/Stanislav_Grof> und <http://stanislavgrof.com/>.

Der Grazer Parapsychologe Daniel Walter hat 1930 die Methode der „Vergleichenden Parapsychologie“ inauguriert. Ich werde drei klassische Fälle von Telepathie und Hellsehen miteinander vergleichen und versuchen, das Gemeinsame wie auch das Unterschiedliche herauszuarbeiten. Die Interpretation des paranormal Erfaßten und die individualgeschichtliche Prägung, welche diese Interpretation maßgeblich beeinflußt, sind ebenso Themen wie die Selbstbekundung des Erlebens dieser Sensitiven (Introspektion). Nicht zuletzt werden diese Vorgänge jenen Erfahrungen gegenüber gestellt, aus denen das Remote Viewing Protocol hervorgegangen ist.

Gerhard Eggetsberger kommt von der Biokybernetik und Biofeedbackforschung her. In seinem privaten Forschungsinstitut hat er Meßgeräte und -methoden entwickelt, die eine Objektivierung von Vorgängen im Nervensystem erlauben (worüber er vor vielen Jahren bereits bei uns referiert hat). Sein zweites „Standbein“ sind wiederum die veränderten Bewußtseinszustände, konkret die Hypnose. Insofern versucht er sozusagen einen doppelgleisigen Zugang zum psychophysischen Problem. Darüber hinaus hat er in den letzten Jahren bestimmte Trainingsmethoden entwickelt, um eine neuronale Aktivierung zu erzielen. Auf seiner Internetpräsenz <http://eggetsberger.net/> gibt es nicht nur weiterführende Information, sondern auch reiches Material – mehrere Bücher – zum Download.


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2. WALLACE-Jahr
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Alfred Russel Wallace (1823–1913) war ein Evolutionsbiologe, der – zeitgleich mit Darwin, doch klarer und umfassender als dieser – die Mechanismen der Evolution von Organismen erkannt hat, allerdings aufgrund vor allem sozialer Gegebenheiten niemals aus dem Schatten Darwins heraustreten hat können. Sein Tod jährt sich heuer zum hundertsten Mal: aus diesem Anlaß ist, analog dem „Darwin-Jahr“ 2009, vom „Arbeitskreis Evolutionsbiologie“ für heuer das „Wallace-Jahr“ ausgerufen worden.

Die Relevanz von Wallace für die Parapsychologie liegt daran, daß er sich seit Mitte der 1860er-Jahre intensiv mit dem Spiritismus (bzw. „Spiritualismus“) beschäftigt hat und bis zum Ende seines Lebens ein prominenter Verfechter dieser Weltanschauung geblieben ist. Wenn sich auch die Parapsychologie vom Spiritismus emanzipiert hat und mit der Majorität ihrer Vertreter sich auch von einer spiritistischen Interpretation einschlägiger Phänomene distanziert, so war doch das Auftreten des modernen Spiritismus ab 1848 eine der historischen Wurzeln der Parapsychologie, die aus der (nota bene) kritischen Auseinandersetzung mit dem Spiritismus und verwandten Richtung erwachsen ist.

Zahlreiche Seiten im Web setzen sich mit A. R. Wallace auseinander; die Hinweise auf seinen spiritistischen Glauben wie auch auf seine politische Einstellung (Sozialismus) sind je nach Autor recht unterschiedlich eingefärbt. Einige Beispiele, mehrheitlich in Englisch:
<http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Russel_Wallace>
<http://evolutionsbiologen.de/>
<http://wallace-online.org/>
<http://hpd.de/node/14999>
<http://people.wku.edu/charles.smith/index1.htm>
<http://bbc.co.uk/news/science-environment-19744135>
Kapitel über „Belief and Spiritualism“.


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3. SYMPOSIUM IM STIFT VORAU
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Die Symposien mit dem Reihentitel „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“, die im Rahmen unserer Partnerorganisation „Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie“ im Augustiner-Chorherrnstift Vorau abgehalten werden, sind bereits zu einer Tradition geworden, schließlich findet diese Veranstaltung bereits zum dritten Mal statt. (Über das Symposium 2011 ist im Verlag ERASMUSWien ein kleiner Sammelband erschienen, über das Symposium 2012 befindet sich ein solcher in Vorbereitung.)

Ebenfalls Tradition ist, daß jeweils auch ein Thema aus den „Grenzgebieten“ auf dem Programm steht, und zwar in kritischer Beleuchtung. War es 2011 eine Darstellung des Denkrahmens der sogenannten „Esoterik“ – im Gegensatz zur wissenschaftskonformen Methodik der Parapsychologie – und 2012 das Thema „Stigmatisation“ – nicht aus religiöser bzw. theologischer, sondern aus wissenschaftlicher Sicht –, so wird es heuer um „Feuerlaufen“ gehen, wo ebenfalls sehr viele Fehlkonzeptionen und irreale Überhöhungen anzutreffen sind, die es auszuräumen gilt, im Sinne einer „positiven Kritik des Aberglaubens“ (Hans Bender).

Das Programm des Symposiums ist abrufbar; dort kann auch ein PDF zum Ausdruck heruntergeladen werden.


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4. PERSONALIA – Ingo SWANN (1933–2013)
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Die erste Todesnachricht dieses Jahres betrifft Ingo D. Swann (geb. 14. September 1933), der am 31. Jänner in NYC verstorben ist. Von Beruf Kunstmaler, war Swann als Sensitiver maßgeblich an der Entwicklung des „Remote Viewing“ beteiligt, genauer gesagt, des „Protokolls“ dessen, was später als „Coordinate Remote Viewing“ (CRF) bezeichnet worden ist. Die daran beteiligten Wissenschaftler waren vor allem Russell Targ und Hal Puthoff. Swann war auch der wohl wichtigste Sensitive des Projekts „StarGate“. (Vgl. auch meinen mit weiterführenden Links versehenen szt. Vortrag „Die verlorene Unschuld der Parapsychologie“ über die US-amerikanische militärische Auftragsforschung.)

Durch Selbstbeobachtung (Introspektion) hat Swann eine Reihe von Faktoren, die einen Remote Viewer in die Irre führen können, erkannt, wobei er das wiederentdeckt hat, was René Warcollier bereits Jahrzehnte zuvor festgestellt hatte. Das soll Swanns Verdienste nicht schmälern, ist doch eine unabhängige Bestätigung eines Sachverhalts immer willkommen, um eine breitere empirische Basis zu erzielen. Aufgrund der Parallelität der Resultate von Warcollier und Swann hat Russell Targ gemeinsam mit Swann auch eine Neuauflage von Warcolliers ursprünglich 1938 publiziertem (englischen) Buch „Experimental Telepathy“ herausgegeben („Mind to Mind [Classics in Consciousness Series Books]“).

Auch Swann selbst hat einiges publiziert; von seinen Büchern – zwei davon liegen auch in deutscher Übersetzung vor – abgesehen, findet sich viel relevantes Material auf seiner Website.
Allerdings dürfen die Resultate des RV nicht unkritisch überschätzt werden!

Eine gute Zusammenstellung bietet die englischsprachige Wikipedia: <http.//en.wikipedia.org/wiki/Ingo_Swann>.

Ingo Swann war ein exzessiver Zigarettenraucher. Ich habe in meinem Leben drei Personen kennengelernt, die auch während der Mahlzeiten rauchen, wobei sie das Messer und die Zigarette in derselben Hand halten und jeweils zwischen den Bissen einen Zug nehmen – Ingo Swann war einer von diesen dreien. Ich erwähne dieses biographische Detail nicht wegen der Skurrilität dieses Verhaltens, sondern im Kontext des Fragenkomplexes „Drogen/Genußgifte vs. ‚Außergewöhnliche Erfahrungen’“ (sei es, daß diese Substanzen fördernd, sei es, daß sie dämpfend wirken).


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5. WEBINAR mit Ed MAY
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Thematisch schließt das neue Webinar – das zweite, das die niederländische SPR vermittelt, und wieder in englischer Sprache – an das oben über Ingo Swann Ausgeführte an, wird es doch von Ed May gehalten, der ein früherer Direktor des Projekts „StarGate“ ist.

Thema: „Whatever happened to StarGate? Military and intelligence use of anomalous cognition.“

Termin: 16. März, 19:00 h, die Anmeldung hat bereits begonnen.
Alle Informationen auf <http://dutchspr.org/spr/webinar_may>.


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 49 – Wien, 23. 12. 2012


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INHALT:
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1. Rückblick – und Ausblick auf 2013
2. Literaturhinweis
3. Personalia
4. "Auszeichnung" für Prof. Harald Walach
5. "Phone Calls from the Dead"
6. Saisonales

 
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1. RÜCKBLICK und AUSBLICK
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Der Weltuntergang – besser gesagt, der Medien-Hype rund um den angeblichen Weltuntergang – liegt hinter uns (das Thema war auch Gegenstand eines Vortrags in unserer Gesellschaft im vergangenen Sommersemester sowie einer kurzen TV-Präsenz im Rahmen einer Diskussion auf Puls 4) und wir können uns "beruhigt" dem Kommenden zuwenden, zuvor aber ein kurzer Rückblick:

1.1 Rückblick

Unsere Gesellschaft wurde bekanntlich im Dezember 1927 gegründet; demnach feiert sie heuer ihr 85-jähriges Bestandsjubiläum. Das habe ich zum Anlaß genommen, vor dem letzten Vortrag am 3. Dezember 2012 der beiden Gründerpersönlichkeiten, Gräfin Wassilko und Prof. Thirring, kurz zu gedenken und die wichtigsten Stationen in fünf Minuten Revue passieren zu lassen, nämlich:

•     2. Dezember 1927 Gründung (im Café Kollonaden an der Ringstraße)
•     nach NS-Zeit und Krieg 1946 wiederbegründet
•     seit damals Mitglied im "Notring" (heute VWGÖ)
•     1965 Sitz an der damaligen Technischen Hochschule, heutigen
        Technischen Universität
•     1971 Umbenennung in "Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie"
•     1997 Zusatz "… und Grenzbereiche der Wissenschaften"
•     2000 Sitz an der Universität Wien (Institut für Kultur- und
        Sozialanthropologie)
•     2004 Gastgeber der 47th Convention of the Parapsychological Association
        (in den österreichischen Medien als "Weltkongreß für Parapsychologie"
        bezeichnet)


1.2 Ausblick auf 2013

1.2.1 prominente Referenten in Wien

Zwei bekannte Persönlichkeiten mit Relevanz für unseren Themenbereich werden in der ersten Hälfte des kommenden Jahres in Wien vortragen, und zwar Stan Grof und (gemäß gegenwärtiger Planung) Rupert Sheldrake.

1.2.1.1 Stanislav GROF

Grof ist einer der Väter der transpersonalen Psychologie und der Methode des "holotropen Atmens", durch welche veränderte Bewußtseinszustände induziert werden kann; daß veränderte Bewußtseinszustände ein Thema für die Parapsychologie ist, braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Freilich liegt der Schwerpunkt eher auf Psychotherapie. Grof kommt zum Symposium des ÖATP (siehe Pkt. 1.2.2.4) nach Wien; die Veranstaltung mit ihm am So., 3. Mai vormittags kann auch als Tageskarte (ohne Besuch des gesamten Symposiums) gebucht werden (¤ 65,– bzw. für Studierende ¤ 45,–). Details auf der ÖATP-Website; Grof’s Website.

1.2.1.2 Rupert SHELDRAKE

Sheldrake ist ein so bekannter – wenn auch durchaus kontroversiell beurteilter – Wissenschaftler, daß er keiner besonderen Vorstellung bedarf. Nach gegenwärtiger Planung wird er im Juni einen Vortrag in unserer Gesellschaft, vielleicht auch in größerem Rahmen, halten.

1.2.2
Kommende Tagungen, Symposien, Kongresse in chronologischer Reihenfolge

1.2.2.1
Psychical Research and Parapsychology in the History of Medicine and the Sciences
University College London
25.-27. Jänner 2013
Veranstaltungs-Website
Andreas Sommer hat übrigens 1999, zum hundertsten Todestag von Carl du Prel, in unserer Gesellschaft einen Vortrag "Vom Darwinismus zum Okkultismus" gehalten.

1.2.2.2
Im Rahmen der 2013 schon zum dritten Mal stattfindenden, von der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie organisierten Vorauer Symposien "Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen" wird es auch heuer wieder ein Parapsychologie-nahes Thema geben, und zwar "Feuerlaufen".
Augustiner-Chorherrenstift Vorau
19.-21. April
Symposiumsprogramm

1.2.2.3
Von der "Gesellschaft für Anomalistik"  wird eine Tagung "Klinische Parapsychologie – eine Übersicht" veranstaltet.
Freiburg i.Br., BRD
26./27. April 2013
Veranstaltungs-Website

1.2.2.4
Veranstaltungen des Österreichischen Arbeitskreises für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie (ÖATP), der sein 20-jähriges Bestehen feiert:
Großworkshop 2./3. Mai 2013
Symposium 3.-5. Mai 2013
Gartenhotel Altmannsdorf, 1120 Wien
Website der Veranstaltungen

1.2.2.5
56th Convention of the Parapsychological Association Inc.
8.-11. August 2013
Viterbo, Italien (Viterbo liegt in der Nähe Roms)
Hotel Ora Domus La Quercia (ein früheres Kloster)
Wie immer bei den PA-Konferenzen gibt es Referate zu verschiedenen Aspekten der Parapsychologie, z.B. experimentell, theoriebezogen, historisch, Fragen veränderter Bewußtseinszustände, Medialität und mögliches Fortleben nach dem Tod, etc.; es ist geplant, einen eigenen Workshop über Geschichte der Parapsychologie zu halten
Convention-Website

1.2.2.6
Bei der folgenden internationalen Tagung über "Jenseits" und "Afterlife" ist unsere Gesellschaft, gemeinsam mit einer Projektgruppe "Kulturhistorische Jenseitsforschung" und der "Wiener kulturwissenschaftlichen Gesellschaft" Co-Veranstalter. (Die Projektgruppe besteht aus Germanistinnen und Mediävistinnen, darunter PDoz. Dr. Christa Tuczay [vgl. auch Pkt. 2]).
"'Sei wie du willst, namenloses Jenseits.' Neue interdisziplinäre Ansätze zur Analyse des Unerklärlichen"
1.-3. November 2013
Augarten-Kino, 1020 Wien


1.2.3 Webinar und WWW-based Course
Dick Bierman bzw. die niederländische SPR haben uns die Teilnahme an einem von Dean Radin, dem "Senior Scientist" am IONS gehaltenen "Webinar", also einem Seminar, das über das WWW läuft, vermittelt, welches am 15. Dezember stattgefunden hat und wegen der kurzen Vorlaufzeit nur auf unserer facebook-Seite angekündigt worden war.
Nach diesem erfolgreichen "Probegalopp" sind weitere derartige Webinars geplant (ob weiterhin kostenfrei, bleibt abzuwarten) bzw. ein kompletter Kurs via Internet. Es wird also spannend …


1.2.4 RV-Training
Wie schon früher avisiert, bietet Alexis Champion von IRIS Intuition
Consulting
, Paris, der im Sommersemester 2012 in unserer Gesellschaft einen Vortrag und einen Workshop zum "Remote Viewing" gehalten hat, bei genügender Teilnehmerzahl auch einen viertägigen RV-Kurs an. Obwohl die beiden Veranstaltungen sehr gut angekommen sind, haben sich zu den beiden Terminen nicht genügend Teilnehmer gemeldet, sodaß der Kurs bisher nicht zustande gekommen ist.
Wir werden daher einen neuen Anlauf nehmen und einen neuen Termin (bzw. neue Alternativtermine) anbieten …


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2. LITERATURHINWEIS
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Christa A. Tuczay hat schon mehrfach über kulturhistorische Themen, welche parapsychologische Aspekte aufweisen, in unserer Gesellschaft gesprochen, ferner ist sie die Autorin einer Reihe von einschlägigen Büchern, die sämtlich sehr interessant sind, darunter "Magie und Magier im Mittelalter", "Die Herzesser. Dämonische Verbrechen in der Donaumonarchie" und (Mit-)Herausgeberin von weiteren, z.B. "Faszination des Okkulten: Diskurse zum Übersinnlichen" und – zuletzt – "Tierverwandlungen".
Nun hat sie einen neuen Band vorgelegt:

Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei

Es ist wichtig, Themen wie "Wahrsagerei" nicht dem populären, "esoterischen" Schrifttum zu überlassen, sondern sich auch im kritischen, wissenschaftlichen Diskurs ihrer in interdisziplinärer Form anzunehmen.
Das (sc. europäische) Mittelalter ist nicht nur eine Fortschreibung der Antike in christlichem Gewand, sondern hat auch genuine Formen von Wahrsagerei hervorgebracht. Zunächst zeichnet die Autorin die verschiedenen Diskurse des MA nach, die theologischen und die dämonologischen, beleuchtet die Superstitionen-Literatur, Divinatoren und Propheten, und nicht zuletzt die Rolle wandernder Wahrsagen ("Zigeuner"). Die einzelnen mantischen Disziplinen werden systematisiert und unter Heranziehung reichen Quellenmaterials beschrieben, wobei sich vier Hauptgruppen unterscheiden lassen, nämlich Observanz, Mathematik oder aktive Divination, abakomantische oder aktive Divinationssysteme und schließlich intuitive Wahrsagung. Ich greife die Observanz – also Beobachtung – als Beispiel heraus: es geht um Prodigien und Omen (Zeichen, Wunder, Briefe der Götter), um Beobachtung von bzw. an Menschen (Palmomantie, Chirologie, Physiognomik), Beobachtung des Verhaltens von Tieren (z. B. Vögel oder Pferde) von Pflanzen und von unbelebter (oder nicht mehr lebender) Natur (von der Eingeweideschau bis zum Bleigießen und Eieraufschlagen, von der Elementemantik mit Feuersehen, Hydromantie und Geomantie), schließlich Prognostik und Rhabdomantie. (Nicht weniges davon schreibt sich übrigens bis in unsere Gegenwart weiter, z.B. die zuletzt genannte Rhabdomantie in Bezug auf die Radiästhesie.)
Das hier beispielhaft Aufgezählte umfaßt nicht einmal ein Viertel der beschriebenen Divinationsarten; allein das gesamte Inhaltsverzeichnis wiederzugeben würde den Umfang sprengen. Die diversen Disziplinen werden ausführlich und nicht zuletzt mit Blick auf die Diskurs-, Rezeptions- und Kontextgeschichte behandelt.
Als Indikator für die wissenschaftliche Exaktheit des Werks sei erwähnt, daß es nicht weniger als 836 Fußnoten – mit Masse Belegstellen – enthält und daß das Literaturverzeichnis fast 40 Seiten umfaßt. Ein Register erschließt das Buch, das auch 24 s/w Abbildungen beinhaltet.

Christa Agnes Tuczay:
Kulturgeschichte der mittelalterlichen Wahrsagerei
gebunden, 371 Seiten, ill.
Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/Boston
ISBN 978-3-11-024040-5


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3. PERSONALIA
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Drei Todesfälle sind berichtenswert:

3.1 Nicholas GOODRICK-CLARKE (* 15. Januar 1953 – † 29. August 2012)

Nicholas Goodrick-Clarke ist insbesondere mit seinem Buch über Okkultismus und Nationalsozialismus bekannt geworden, das seine erweiterte Dissertation darstellte und für das er historische Forschungen auch in Wien angestellt hat (während dieser Zeit habe ich ihn kennengelernt, aber das liegt schon lange zurück …). Das Buch ist dann als "The Occult Roots of Nazism: The Ariosophists of Austria and Germany" bzw. in deutscher Übersetzung, mit einer Einleitung von H. T. Hakl versehen, als "Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus" im Leopold Stocker Verlag in Graz erschienen und wurde auch in mehrere andere Sprachen übersetzt. Das Thema hat er dann in "Im Schatten der Schwarzen Sonne: Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung" weiter geführt (original: "Black Sun: Aryans, Esoteric Nazism, and the Politics of Identity").
Okkultismus und esoterische Lehrgebäude haben ihn natürlich nicht nur in Bezug auf die NS-Zeit interessiert; so war er prädestiniert dafür, den Lehrstuhl für "Westlichen Esoterizismus" an der University of Exeter zu besetzen – ich verwende hier das ungewöhnliche Wort "Esoterizismus" als Leihwort aus dem Englischen, um den Studiengegenstand von der Wald- und Wiesen-"Esoterik", wie sie uns im Esoterikgeschäft an der nächsten Ecke entgegentritt, abzuheben. Goodrick-Clarke war auch Direktor des Exeter Centre for the Study of Esotericism (EXESESO). Weiters hat er wichtige Werke u.a. über Helena Petrowna Blavatsky und über Paracelsus publiziert bzw. editiert. Sein letztes Buch ist "The Western Esoteric Traditions" (Oxford University Press).
Obwohl seine Gesundheit manchmal gewissen Turbulenzen ausgesetzt war, ist er vielfach gereist, zuletzt nach Deutschland, und der e-mail-Kontakt war dann eher sporadisch. So habe ich mir auch keine großen Sorgen gemacht, als ich längere Zeit keine Antwort erhalten habe, ich dachte, er wäre wieder verreist – nun mußte ich erfahren, daß er seine letzte Reise angetreten hat …


3.2 Alex SCHNEIDER (* 9. Mai 1927 – † 10. Okt. 2012)

Alex Schneider, St. Gallen, Schweiz, Physiker, zunächst in der Industrie tätig, dann durch Jahrzehnte Professor an der Kantonsschule St. Gallen, durch Jahre hindurch Präsident der Schweizer Parapsychologischen Gesellschaft (SPG) in Zürich sowie Mitbegründer und Präsident des Publikumskongresses "Basler Psi-Tage", hatte zwar nach Herzproblemen vor einem halben Jahr und mehreren Operationen nie mehr zu alter Frische gefunden, dennoch ist sein Tod plötzlich erfolgt.

Schon früh hatten ihn "die geheimnisvollen Seiten der Natur seltsam angesprochen". Angeregt durch die Autobiographie von Paramhansa Yogananda (1953) vertiefte er sich daraufhin in die unterschiedlichsten Grenzgebiete der Forschung. Die Begegnung mit dem Tonbandstimmenforscher Konstantin Raudive (1967) veranlaßte ihn, Parapsychologie systematisch zu untersuchen. Seit den siebziger Jahren führte er regelmäßig Kurse und Vorlesungen über Parapsychologie an Gymnasien, Universitäten und Volkshochschulen durch – im Bestreben, "die breite Öffentlichkeit mit einer bisher zuwenig beachteten Seite der Wirklichkeit bekannt zu machen". Denn für ihn war "die Existenz des Paranormalen eine Herausforderung an unser Alltagsdenken und die Wissenschaften. Man muß sich mit diesen unbequemen Phänomenen, an denen sich unsere Weltsicht als schief und eng erweist, energisch und interdisziplinär breit auseinandersetzen – mit der von den etablierten Wissenschaften gelernten Sorgfalt. Ihre Integration wird mehr Probleme mit sich bringen, als man heute, angesichts des großen Publikumserfolgs der Parapsychologie, denken möchte. Sie ist jedoch eine dringlich anzustrebende, wesentliche Ergänzung unseres Weltbildes."

Als Präsident des "Schweizerischen Verbands für Natürliche Heilweisen" (SVNH) aber auch als Forscher, Versuchsperson und Patient hat er Hunderte von Geistheilern aus aller Welt persönlich kennengelernt und unvoreingenommen studiert, darunter auch die philippinischen "Psychochirurgen".
Alex Schneider war innerhalb der Parapsychologie die wohl einflußreichste Persönlichkeit in der Schweiz während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Im Umgang war er außerordentlich freundlich und auch sehr humorvoll. Seine liebenswürdige und gutmütige Art brachte es mit sich, daß er sich mit der auf unserem Gebiet oft notwendigen Kritik eher schwer getan hat. – Für mich war er einer meiner ältesten Freunde auf dem Gebiet der Parapsychologie und darüber hinaus, den ich nie vergessen werde.

(Unter teilweiser Verwendung eines Textes von Lucius Werthmüller aus dem Rundbrief des Basler Psi-Vereins).


3.3 Paul KURTZ (* 21. Dez. 1925 – † 20. Okt. 2012)

Paul Kurtz, ein prominenter Vertreter jenes Lagers, das sich selbst als "skeptisch" bezeichnet, von Hans Bender aber sehr treffend als "negativ-gläubig" charakterisiert worden ist, Philosophieprofessor, Gründer der Skeptikervereinigung
CSICOP (Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal) die mittlerweile auf Committee for Skeptical Inquiry (CSI) umbenannt worden ist, und des einschlägigen Verlags "Prometheus Books".

<http://www.nytimes.com/2012/10/24/nyregion/paul-kurtz-humanist-and-philosopher-dead-at-86.html?hpw&_r=0>


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4. „AUSZEICHNUNG“ FÜR HARALD WALACH
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Am 19. Oktober 2012 wurde wiederum das "Goldene Brett vorm Hirn" vergeben, das 2011 von Peter-Arthur Straubinger für seinen Film "Am Anfang war das Licht" verliehen worden war. Diesmal gewann Harald Walach diese begehrte (?) Trophäe, die seit vorigem Jahr alljährlich von der "Gesellschaft für kritisches Denken" (GdK) dem regionalen Ableger der (deutschen) "Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung der Paraphänomene" (GWUP), verliehen wird, einer "Skeptiker"-Vereinigung, die in gewisser Selbstironie neben der Bezeichnung "Skeptiker" auch die Bezeichnungen "Wissenschafts-Stasi", "Wissenschaftsayatollahs" oder "Wissenschaftstaliban", welche ihr von Gesinnungsgegnern verliehen worden sind, mit einem bestimmten Maß an Selbstgefälligkeit nicht gerade ungern hört.

DDr. Harald Walach ist Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt a/d Oder. Was viel Staub aufgewirbelt hat, ist eine von ihm approbierte Masterarbeit zum Thema Kozyrev-Spiegel, wozu Walach selbst einen Kommentar abgibt, der unter diesem Link erreichbar ist. Da Walach bei der Preisverleihung selbst nicht anwesend sein hat können, ließ er durch die Wiener Psychiaterin und Psychoanalytikerin Bettina Reiter seine etwas sarkastische Dankesrede verlesen; Frau Reiter berichtet über den Event auch in der Zeitung "Der Standard".

Zweit- und Drittplazierte waren die österreichische Ärztekammer (wegen ihres Engagements für Komplementärmedizin, namentlich Homöopathie und Anthroposophische Medizin) sowie der Schriftsteller Dieter Boers wegen seiner Publikationen zum Weltuntergang 2012. Erich von Daeniken wurde mit einem rosa Leiberl (T-Shirt) für sein Lebenswerk "ausgezeichnet".


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5. PHONE CALLS FROM THE DEAD
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(Zitat aus einer mailing list:) Awful pop style presentation but the young parapsychologist from England seems switched on:
<http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nreVozprNBo>
Die ersten zweieinhalb Minuten kann man getrost überspringen …


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6. SAISONALES
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Wie immer um diese Jahreszeit darf ich im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Mitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft, allen Interessenten am Thema, und allen Lesern und Leserinnen dieses Newsletters schöne Feiertage wünschen: ein FROHES WEIHNACHTSFEST und ein glückliches Jahr 2013.


Prof. Peter Mulacz

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Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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c/o Institut für Kultur- und Sozial-
anthropologie der Universität Wien
Neues Institutsgebäude
Universitätsstraße 7
1010 WIEN
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http://parapsychologie.ac.at/
office@parapsychologie.ac.at
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Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregel-
mäßiger Folge und wird an derzeit ca. 850
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Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Ortho-
graphie sowie das "generische Maskulinum".
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen:
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des Newsletters erfolgt unter den Auflagen
des TKG 2003 idF BGBl I Nr. 102/2011.
Weiters finden die Richtlinien der ARGE Daten Beachtung.
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind unter
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Newsletter N° 48 – Wien, 10. 10. 2012
 
 
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INHALT:
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         1. Vortragsprogramm
         2. Stanislav Grof in Europa
         3. Apps für Smartphones
         4. Exorzismus-Boom in Polen
         5. Ritman Library wieder im Aufwind
         6. Literaturbesprechungen
         7. Speziell für User von chello.at
 
 
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1. Vortragsprogramm
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Unser Vortragsprogramm ist mittlerweile versandt und – wie immer – auf <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> on-line gestellt; dort kann das Programm auch als PDF heruntergeladen werden (entspricht dem gedruckten Programm).
 
15. Oktober 2012
         Richard Picker
         Warum ist Parapsychologie so wichtig?
         Was ist so interessant an der Parapsychologie?
         (Podiumsgespräch)
 
29. Oktober 2012
         Peter Mulacz
         Den Bildekräften des Organischen auf der Spur
         Zum 150. Geburtstag von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing
 
12. November 2012
         Karl und Fritzi Lukan
         Mystisch-magische Plätze
         Geheimnisvolle Orte rund um Wien – und anderswo
 
3. Dezember 2012
         Ronald Weigl
         Sind Geister wirklich auch „nur“ Menschen?
         Ein persönlicher Einblick in die Arbeit von Europas prominentestem Spukforscher
 
21. Jänner 2013
         Thomas Ludwig
         Paranormale Mensch-Maschine-Interaktion
         Die Ergebnisse eines aktuellen Experiments am Technikum Wien.
 
Schon nächste Woche eröffnen wir unseren Veranstaltungszyklus mit einem Podiumsgespräch mit dem bekannten Psychotherapeuten Richard Picker zur Frage der Bedeutung der Parapsychologie, wobei angesichts der vielfältigen Aspekte der Parapsychologie ganz verschiedene Facetten zur Sprache kommen werden.
 
Zum meinem Vortrag über Schrenck-Notzing bzw. zu dessen Bedeutung verweise ich bloß auf den untenstehenden Pkt. 6.1.
 
Das Ehepaar Lukan, Autoren zahlreicher Bücher zum Thema, setzt sich in ihrem mit zahlreichen Lichtbildern illustrierten Vortrag mit bemerkenswerten Örtlichkeiten auseinander, vorzugsweise in der Umgebung von Wien, damit man sich auch selbst ein Bild davon machen kann, aber garniert mit Analogien aus anderen Regionen. Es ist zwar sehr modern, in diesem Kontext von „Kraftplätzen“ oder „Orten der Kraft“ zu sprechen, ob das jedoch sinnvoll ist, mag Gegenstand der Diskussion sein.
 
Ronald Weigl, der seit dem heurigen März den Vorstand unserer Gesellschaft verstärkt und der uns bereits vor zehn Jahren, damals noch als Student, mit einem Vortrag über seine Teilnahme an der „Summer School“ des Rhine Research Center erfreut hat (siehe <http://parapsychologie.ac.at/programm/ws200203/weigl/rrc.htm>), berichtet diesmal über sein Praktikum an der von Walter von Lucadou geleiteten Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg i. Br.
 
Das Semester schließt mit dem Bericht über eine experimentelle Studie zur mikro-PK, die Thomas Ludwig an der Fachhochschule Technikum Wien durchgeführt hat. Es handelt sich um eine konzeptuelle Replikation eines Experiments, das von der PEAR-Group eingeführt worden war, in Wien jedoch mit einem fortschrittlicheren RNG und einem verfeinerten Versuchsdesign versehen worden ist. Eine praktische Demonstration am Computer verdeutlicht den Versuchsablauf.
 
Somit schlägt unser Vortragsprogramm wieder den großen Bogen von der empirischen Basis bis zur Spiritualität, beinhaltet kulturhistorische und fachspezifisch-historische Aspekte und, last not least, die Psychohygiene.
 
 
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2. Stanislav Grof in Europa
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2. Der bekannte US-amerikanische Bewußtseinsforscher Stanislav Grof hält im Oktober in dem sehr rührigen Basler Psi-Verein drei Veranstaltungen ab. Grof, der aus Prag stammt, ist einer der Väter der Transpersonalen Psychologie und der Technik des holotropen Atmens (worüber H. P. Weidinger im April 2009 in unserer Gesellschaft vorgetragen hat <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2009/holotrop.pdf>).
         26. Okt. - Vortrag: Die Psychologie der Zukunft –
         Lehren aus der modernen Bewusstseinsforschung
         27. Okt. - Tagesseminar: Unsere tiefsten Wunden heilen
         28. Okt. - Tagesseminar: Die Todeserfahrung und das Sterben
Details unter: <http://www.bpv.ch/content/referenten/grofstan.html>
 
 
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3. Apps für Smartphones
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Innerhalb der zahllosen Apps, die für Smartphones angeboten werden, gibt es auch einige, welche sich mehr oder minder ernsthaft auf den Forschungsgegenstand der Parapsychologie beziehen.
Auf diesem Sektor ist eine neue – und nota bene in Österreich entwickelte – App zu nennen, die allerdings erst in einer Beta-Version vorliegt, aber mehr zu leisten verspricht als das bisherige Angebot. Insbesondere soll dieser „PSI-Trainer“ sowohl auf einem Smartphone (derzeit nur Android; für iPhone in Vorbereitung) laufen wie auch auf einem Windows-PC, wobei der User von beiden Geräten aus Zugriff auf seine Daten hat. Es kann die Modalität „Hellsehen“ oder – mit einem Partner – die Modalität „Telepathie“ ausgewählt werden. Die App ist gratis, vorgesehen ist später auch eine kostenpflichtige Version mit erweiterten Funktionen. Derzeit macht die Android-Version zugegebenermaßen noch Probleme, aber schließlich ist eine Beta-Version „work in progress“ und das Programm wird laufend verbessert – jeder, der es ausprobiert, kann dazu beitragen. Siehe die Website des Entwicklers <http://www.psionos.com/PSI-Trainer/> (Groß-/Kleinschreibung beachten!).
 
 
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4. Exorzismus-Boom in Polen
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Die „katholischen Länder“ Italien und Polen sind die Länder mit den meisten Exorzisten; in Polen ist deren Zahl gemäß Pressemeldungen innerhalb der letzten 15 Jahre von vier auf nunmehr 120 angestiegen. Jetzt gibt es sogar eine eigene Zeitschrift, mit dem Titel „Miesiecznik Egzorcysta“ (Der monatliche Exorzist), die sich selbst als „modernes Werkzeug für die Evangelisierung und Verteidigung gegen die aggressive Förderung der Magie, Okkultismus und Esoterik“ sieht.
 
 
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5. Ritman Library wieder im Aufwind
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Die Bibliotheca Philosophica Hermetica (BHP) – bzw. nach ihrem Gründer Ritman Library genannt – in Amsterdam hat in den letzten Jahren starke Turbulenzen durchmachen müssen, war eine Zeit lang gesperrt und überhaupt in ihrer Existenz bedroht. Nunmehr ist diese einmalige Bibliothek seit Dezember 2011 nicht nur wieder zugänglich, sondern entfaltet neue Aktivitäten.
Siehe deren Webpräsenz, insbesondere <http://www.ritmanlibrary.com/2012/09/a-word-of-gratitude-to-the-living-future/>.
Vgl. in diesem Kontext auch <http://www.amsterdamhermetica.nl/>.
 
 
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6. Literaturbesprechungen
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6.1
Albert von Schrenck-Notzing – die beiden ersten zu besprechenden Werke tragen diesen Namen in ihrem Titel und haben demgemäß auch viele thematische Überschneidungen. Baron Schrenck (1862–1929) war, wie Sünner, der Schriftleiter der damaligen „Zeitschrift für Parapsychologie“ es ausgedrückt hat, „der Mann, der unser Führer war“ – ein damals noch sehr unschuldiges Vokabel, das aber die absolut dominierende Position Schrencks in der deutschsprachigen Parapsychologie dieser Epoche deutlich zum Ausdruck bringt. Schrenck verdient es wie kein anderer, daß man sich mit seinem Werk und in diesem Kontext natürlich auch mit seinem Leben auseinandersetzt. Übrigens sind beide Werke im selben Verlag erschienen; es ist wohl auch kein Zufall, daß die Biographie gerade jetzt publiziert worden ist, jährt sich doch Schrencks Geburt heuer zum 150. Male. Schrenck-Notzing ist nicht nur eine zentrale Persönlichkeit der Parapsychologiegeschichte, er hat mich auch persönlich immer sehr interessiert – man verzeihe mir also, wenn die Rezension des biographischen Bandes sehr ausführlich und damit recht lang ausgefallen ist.
Nun die beiden Bücher im einzelnen:
 
 
6.2
Manfred Dierks: Thomas Manns Geisterbaron. Leben und Werk des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
 
Wie in einem spannenden Roman läßt der Autor in dieser biographischen Erzählung die Persönlichkeit Schrenck-Notzing vor dem Leser entstehen und sein Leben und seine Aktivitäten an ihm vorüberziehen, eingebettet in ein breit angelegtes Zeitgemälde: Kindheit, Jugend und Familienangelegenheiten, Medizinstudium (Korpsstudent), Begegnungen mit den frühen französischen Hypnotiseuren Bernheim und Liébault, aber auch mit Charcot und mit Sigmund Freud, mit Myers und (dem späteren Nobelpreisträger) Richet, der ihm ein lebenslanger Freund werden sollte, der Einfluß von du Prel und Schrencks spätere Abwendung von ihm, die Begründung der Sexualwissenschaft in Deutschland, das Studium von – wie wir heute sagen würden – veränderten Bewußtseinszuständen (Stichworte: Leistungen in Hypnose, wie die berühmte „Traumtänzerin“, und das Unbewußte der menschlichen Persönlichkeit), schließlich die Hinwendung zur Parapsychologie, Experimente mit Eusapia Pal(l)adino, Eva C., den Brüdern Schneider und vielen anderen, damit verwoben die zahllosen Kämpfe um die Anerkennung der Echtheit der Phänomene, die damals in einer Schärfe geführt worden sind, welche heute nicht mehr vorstellbar ist. Dabei beschränkt sich der Autor offenbar sehr bewußt darauf, zu berichten und nicht zu bewerten, insbesondere, was die Frage der Realität des physikalischen Mediumismus betrifft, über den bekanntlich die Meinungen geteilt sind. (Ein Rezensent drückt das so aus: „Dass sich Dierks auch da nicht vorschnell über ‚Thomas Manns Geisterbaron’ lustig macht, wo Schrenck-Notzing zum Opfer seiner pseudowissenschaftlichen Phantasmen wurde, macht die kenntnisreiche und mit dem Einfühlungsvermögen und Rüstzeug eines Romanciers geschriebene Darstellung sympathisch.“) Verschränkt mit dieser intellektuellen Lebensgeschichte ist die des äußeren Lebens, die Heirat mit Gabriele, der reichen Erbin der Siegle’schen Familienunternehmen, der Aufstieg auf der sozialen Stufenleiter, der Schwenk vom ärztlichen Beruf zum Industriekapitän, der seine diversen Betriebe in den schweren Jahren nach dem Weltkrieg und in der Weimarer Republik sehr erfolgreich führt, alles detailreich und aus vielen Quellen, insbesondere auch aus diversen Archiven, schöpfend dargestellt (was nicht ausschließt, daß für viele Einzelheiten leider keine Quellenangaben angeführt sind). Ich habe so manches aus diesem Buch gelernt, was mir bisher nicht bekannt war, so die Details zu einem schwarzen Punkt in der Familiengeschichte (eine Analogie zu den Schiebereien der Verwandten Freuds), was auf Wikipedia nur kurz erwähnt wird, Schrencks Beziehung zu Alfred Schuler (ich hatte mich aufgrund des damaligen geistigen Zentrums in München oft gefragt, wie weit Schrenck mit den Münchner Kosmikern in Kontakt war, über die Tatsache hinaus, daß manche von ihnen gelegentlich an Sitzungen teilnahmen) und zu dem Arzt und Literaten Oskar Panizza, sodann die Tatsache, daß Schrenck auch einmal unter einem Pseudonym publiziert hat, weiters, daß Max Dessoir (bekanntlich der Mann, der das Kunstwort „Parapsychologie“ geprägt hat) Schrencks Trauzeuge war, daß Gabriele von Schrenck sich zur Aviatrice hat ausbilden lassen (auch dieser Sachverhalt ist aus der Wikipedia zwar bekannt, dort aber ohne jegliche Details festgehalten), und viele weitere Einzelheiten, interessantere und banale, z. B. daß Schrencks (erstes) Auto ein Horch war (über spätere erfährt man nichts – zuletzt fuhr er einen schweren Mercedes), und schließlich die Chronique scandaleuse, daß es außer den beiden bekannten legitimen Söhnen auch einen außerehelichen gegeben hat, und dazu noch ein pikantes Detail zu der ohnehin pikanten Gräfin Reventlow. Gerade hier tun sich Fragezeichen auf; den Horch glaube ich dem Autor ungeschaut, aber bei Geschichten im Zwielicht stellt sich immer die Frage, was phantasievolle Interpretation der Quellen ist und was nachweisbare Realität.
 
Und damit bin ich auch schon bei der Kritik an diesem Buch, das ich – ich betone dies nochmals – mit Gewinn und mit Vergnügen gelesen habe und für sehr empfehlenswert erachte. Da ist zunächst einmal der Titel, von dem ich nicht weiß, ob Autor oder Verlag dafür verantwortlich ist, der mir aber – frei heraus gesagt – unsympathisch ist. Nicht nur, daß das Wort „Geisterbaron“ als ein Pejorativ geprägt worden ist und es merkwürdig berührt, dieses für den Protagonisten der Erzählung weiter zu perseverieren, ist es auch insofern unangebracht, als Schrenck eindeutig ein Vertreter der animistischen (psychodynamischen) Hypothese war und mit dem Geisterglauben der Spiritisten nichts gemein hatte. Weiters verstehe ich ja durchaus, daß der Literaturnobelpreisträger Mann in der Öffentlichkeit bekannter (und dadurch werbewirksamer) ist als Schrenck-Notzing, dennoch, die zentrale Gestalt des Buches in den Untertitel zu verbannen und sie in einem genetivischen Ausdruck Mann unterzuordnen, will mir nicht gefallen, noch dazu, wo Mann nur sehr wenige Sitzungen bei Schrenck mitgemacht hat und die Beziehung der beiden Herren zueinander keine sonderlich enge war (Mann hatte vielmehr gute Beziehungen zum Zoologieprofessor Gruber, der, sein Nachbar in München, damals engster Mitarbeiter Schrencks war). Festzuhalten ist jedoch, daß Mann energisch für die Realität der von ihm selbst in Schrencks Laboratorium beobachteten Phänomene eingetreten ist. Dennoch scheint mir in diesem Buch der Bezug zu Mann eher künstlich zu sein, Kapitel über Mann wirken aufgepfropft und sind wohl nur zur Rechtfertigung des Titels eingeschoben. Freilich wird das verständlich, wenn man weiß, daß der Autor ein emeritierter Professor für Neuere deutsche Literatur ist, der insbesondere über Thomas Mann gearbeitet hat, der auch szt. stellvertretender Vorsitzender der Thomas-Mann-Gesellschaft war und dem naturgemäß Mann näher steht als Schrenck. Umso mehr wundert es mich, daß Dierks neuere Publikationen zum Thema nicht rezipiert hat (zumindest findet sich der von W. Müller-Funk und Ch. Tuczay herausgegebene Band „Faszination des Okkulten. Diskurse zum Übersinnlichen“, der ein Kapitel über Thomas Mann und die Parapsychologie enthält nicht, nicht im Literaturverzeichnis). Überhaupt, das Literaturverzeichnis: so reichhaltig es ist, so verwundert manchmal die Auswahl: so findet sich zwar Tischners „Geschichte der Homöopathie“ (wohl wegen Schüssler), es fehlt aber z. B. seine „Geschichte der Parapsychologie“, welche von Eberhard Bauer (in v. Lucadou, „Psyche und Chaos“) immerhin als „unübertroffen“ apostrophiert wird.
 
Es gibt so manche Details, die verunsichern. Schrenck-Notzing hatte, so erfahren wir von Dierks, das Gardemaß von 1,90 m. Hingegen schreibt Schrenck von sich selbst, „ich messe 1,85 m“. Eine Quelle für Dierks von der Selbstbezeugung Schrencks abweichende Angabe wäre wünschenswert – oder handelt es sich um Phantasieprodukt des Erzählers, der die Beschreibung „sehr groß und schlank“ in eine Zentimeterangabe umgesetzt hat, dabei aber bedauerlicherweise um fünf Zentimeter über’s Ziel geschossen hat? Damit ich nicht mißverstanden werde: es ist dem seit lange toten Protagonisten des Buch wohl ebenso gleichgültig wie mir, ob er fünf Zentimeter größer oder kleiner war – was aber nicht gleichgültig ist, ist, ob die Angaben in diesem Buch detailgenau und verläßlich sind, und darauf kommt es ja wohl an. So manches erzeugt vermutlich im Leser, der mit dem Gegenstand nicht vertraut ist, ein schiefes Bild. So werden z.B. für eine dramatisch ausgeführte Szene aus Schrencks Jugend (erste Erfolge als Hypnotiseur) als Quellen General Peter und Gerda Walther angeführt. Der mit den Personen minder vertraute Leser könnte leicht annehmen, daß es sich um Augenzeugen der geschilderten Begebenheit handle, was aber keineswegs der Fall war; General Peter stand Schrenck zwar altersgemäß näher als Gerda Walther, ist aber erst in späteren Lebensjahren zu ihm gestoßen, und Gerda Walther war überhaupt nur während der letzten Lebensjahre Schrencks bei ihm, nicht einmal zwei Jahre lang. Beide können also nur als Zeugen für Schrencks eigene Erzählung über die Begebenheit aus seiner Jugend dienen, nicht aber als Zeugen für deren objektiven Sachverhalt. Ähnlich potentiell irreführend ist es, wenn – als ein weiteres Beispiel – in einem kleinen Appendix, über die Lebenszeit Schrenck-Notzings hinausgreifend, zunächst vom Weiterbestand der „Zeitschrift für Parapsychologie“, des von Schrenck finanziell gestützten Publikationsorgans, über seinen Tod hinaus berichtet wird und dann sehr bald darauf die „Okkultistenhetze“ des Jahres 1941 erwähnt wird, die durch den Englandflug des „Stellvertreters des Führers“, Rudolf Hess, ausgelöst worden ist. Der unbefangene Leser könnte daraus schließen, daß diese Zeitschrift (wie andere auch) bis 1941 bestanden hätte, während sie in Wirklichkeit bereits Mitte 1934 eingestellt werden mußte, weil die Witwe, Gabriele von Schrenck, ihren Zuschuß zu dieser Publikation gestrichen hat.
 
F. W. H. Myers wird als „Dichter und Mitbegründer der SPR“ eingeführt und hinsichtlich seiner Arbeiten zum Unterbewußtsein und zur Telepathie gewürdigt; daß er eigentlich Altphilologe war – was im weiteren Kontext der Parapsychologiegeschichte durchaus relevant ist (Kreuzkorrespondenzen) – erfährt man leider nicht.
 
Die Idee der Materialisation soll Schrenck-Notzing von du Prel haben – erst viele Seiten später liest man dann, daß schon ein Vierteljahrhundert zuvor William Crookes Materialisationen in den von ihm veranstalteten Experimentalsitzungen erzielen hat können. (Ganz ähnlich wundert man sich im Kapitel über die frühe Sexualforschung, daß ausgerechnet Magnus Hirschfeld nicht erwähnt wird, und dann – wiederum viele Seiten später – wird er sozusagen nachgetragen.)
 
Und nochmals die Gräfin Reventlow: Schrenck sei gekränkt gewesen, zu erfahren, daß die Gräfin ihn nur „Schnotzing“ nannte – mag sein (oder auch nicht), daß er als ungebührlich empfand, wenn eine dritte Person davon Gebrauch machte, aber immerhin unterzeichnete er Poststücke vielfach selbst mit „SchNotzing“. Eine Quellenangabe zu Schrencks angeblicher Kränkung wäre wünschenswert.
 
Damit gleich weiter zu anderen Trägerinnen des Vornamens „Fanny“: daß es sich bei den beiden Damen mit dem Namen „Fanny Moser“ um Mutter (die Patientin Freuds) und Tochter (die spätere Parapsychologin) handelt, erfährt man nur aus dem Personenregister, und nur durch Rückgriff auf das Literaturverzeichnis kann die Brücke zur parapsychologischen Aktivität von Fanny Moser jun. geschlagen werden.
 
Kapitän Kogelnik, nach dem Zusammenbruch der Monarchie zum Zoll versetzt – so weit, so gut – habe nunmehr, so Dierks, als „Major“ angesprochen zu werden. Das ist mir aus der zeitgenössischen Literatur nicht bekannt; hingegen ist mir der Major Kalifius (ein tatsächlicher Major a.D.) bekannt, der ebenfalls in der Braunauer Frühzeit eine Rolle spielt, allerdings in dem vorliegenden Buch nicht erwähnt wird. Werden hier die Herren Kogelnik und Kalifius zu einer, nicht realen, sondern nur romanhaften Person amalgamiert? Und daß Kapitän Kogelnik bei Kriegsende sein Schiff einem serbischen Kapitän habe übergeben müssen, nehme ich dem Autor bis zum Vorliegen eines Beweises auch nicht ab: zwar ist die Schenkung der k.u.k. Kriegsmarine durch Kaiser Karl I. an den neu gegründeten südslawischen Nationalrat („Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“) erfolgt, bevor die Flotte später auf die Siegermächte aufgeteilt worden ist, jedoch war (und ist) Serbien (nota bene ein Feindstaat im Ersten Weltkrieg) ein Binnenstaat ohne Kriegsmarine, während hingegen zahlreiche Kroaten in der k.u.k. Kriegsmarine gedient haben und teilweise bis in die höchsten Ränge emporgestiegen sind (z. B. Admiral Njegovan oder Linienschiffskapitän Janko Vukovic-Podkapelski, nach dem Zusammenbruch für einen Tag Kommandant der vormaligen SMS Viribus Unitis und als Konteradmiral neuer Flottenkommandant). Die Übergabe des Schiffes ausgerechnet an einen Serben stellt sich demnach als überaus unwahrscheinlich dar … So etwas stimmt wieder etwas nachdenklich, wenn das Buch den Anspruch erhebt, eine Darstellung „strikt nach den Quellen“ zu liefern.
 
Willy Schneider wird nicht nur des Zahngoldschmuggels verdächtigt (in der Tat eine recht undurchsichtige Geschichte), sondern auch des Diebstahls eines Koffers bezichtigt – daß der Koffer retourniert worden ist, bleibt leider unerwähnt, wie überhaupt die Gegendarstellung der ganzen Affäre in den „Psychischen Studien“ (1925).
 
Was die von Dierks nicht ganz zu Unrecht so genannten „Vasallen“ Schrencks betrifft, und ihre gut dargestellten Versuche, sich dem übermächtigen Einfluß Schrencks zu entziehen, so wäre vielleicht auch der Hinweis angebracht gewesen, wie Schrenck – bekanntlich vergebens – versucht hat, sich in das Herausgeberkollegium der „Zeitschrift für kritischen Okkultismus“ hineinzudrängen.
 
Wie weit Gabriele Freifrau von Schrenck-Notzings an den parapsychologischen Arbeiten ihres Mannes aktiven Anteil nahm oder wie weit sie stille Begleiterin war, scheint mir offen zu sein. Eine diesbezügliche Episode bei Dierks scheint mir eher dichterisch gestaltet zu sein, denn in Schrencks Werk findet seine Frau keinerlei Erwähnung.
 
Schrenck-Notzings Persönlichkeit scheint mir, alles in allem, gut getroffen zu sein; dennoch bleiben gewisse Defizite, z. B. Schrenck als Jäger: zwar wird die Jagd als gesellschaftliches Phänomen gewisser Kreise dargestellt – Schrenck war ein Grandseigneur, der nur in den ersten Hotels abstieg (in Wien im Grand Hotel), der seinen Schneider in Paris hatte und eben eine Eigenjagd in the Karpaten –, was aber nicht zur Darstellung kommt, ist der Wesenszugs des Jägers, den Gerda Walther an Schrenck beschrieben hat: „Wie der Jäger immer wieder voller Spannung dem scheuen Tritt des Wildes auflauert, so wartete er immer wieder mit ungeduldiger Erwartung auf das Sich-Erheben der telekinetisch bewegten Gegenstände, auf das flüchtige Auftauchen einer materialisierten Hand u. dgl.“, auf die (übrigens immer gleichen) Phänomene, um diese in seinem Laboratorium quasi zu „erlegen“ – in diesem Laboratorium, das, nebstbei erwähnt, an den Wänden mit Geweihen und anderen Jagdtrophäen geschmückt ist.
 
Und erst recht gibt es Defizite, was Schrenck als Parapsychologen betrifft. „Der Spuk in Hopfgarten“ ist eine (im Literaturverzeichnis signifikanterweise fehlende) Publikation Schrencks, die ich exemplarisch für den Aspekt herausstelle, daß Schrenck sich auch für spontane Phänomene, vor allem das, was man heute RSPK nennt, sehr interessiert hat, derartige Forschung (z. B. im Fall Zugun) auch subventioniert hat und – was hier das wichtigste ist – in seinem psychodynamischen Ansatz ein Kontinuum von den spukhaften Entladungen bis zu den Laboratoriumssitzungen erblickt hat, weshalb es auch seine Maxime war, die erratisch auftretenden Phänomene von Spuk-Agenten in eine geordnete Sitzungsmedialität überzuführen.
 
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Schrenck als Parapsychologe in diesem Buch weit weniger gewürdigt wird als Schrenck in seiner Eigenschaft als Sexualkundler oder als Vorkämpfer der Hypnose. Im Gegensatz zur gründlichen, kenntnis- und detailreichen Ausgestaltung der Aspekte der Parallelen und späteren Divergenzen von Freud und Schrenck hinsichtlich der Konzeption des Unbewußten (vgl. du Prel, Myers, Dessoir u. a.) sowie der Frage des Einflusses von Binet und vor allem von Janet auf die beiden erfährt das Buch, je weiter man in den späteren Kapiteln liest, gleichsam eine gewisse Beschleunigung, über deren Ursachen man nur spekulieren kann (Fühlt sich der Verfasser beim Thema Parapsychologie – das „Thomas Mann’sche Phänomen“ ausgenommen – weniger wohl? Gab es Termindruck zur Manuskriptabgabe? Oder eine Beschränkung des Umfangs?). Das führt dazu, daß z. B. die Episode mit Kraus/Weber recht skizzenhaft ausgeführt ist. Daß Schrenck die durch die Wiener Universitätskommission erfolgte Entlarvung des Mediums (Gräfin Wassilko war imstande, die „Phänomene“ nachzumachen) nicht „anerkannte“, wie Dierks schreibt, kann so nicht gesagt werden: Schrenck hielt Kraus vielmehr für „gemischt“ und argumentierte, daß es die mangelnde Erfahrung Prof. Thirrings als Neuling im parapsychologischen Experiment gewesen sei, die Kraus überhaupt die Möglichkeit zum Betrug gegeben habe – eine Diskussion, die eine gewisse Verstimmung zwischen „Wien“ und „München“ zur Folge hatte. Gräfin Wassilko hat Schrenck auch brieflich gewarnt („ich bin besorgt um Sie, Baron Schrenck“), aber davon hat er nichts hören wollen. Daß es Schrenck aber gelungen war, durch die Vermittlung einer ihm freundschaftlich verbundene Dame in Wien sich in Kenntnis des Manuskripts des Kraus zu setzen und er sich daher gegen Klinckowstroems Angriffe wappnen konnte, sucht man bei Dierks vergebens – es nimmt wunder, daß sich der Autor gerade eine solche „saftige“ Episode hat entgehen lassen. Daß Schrenck schließlich beim Kongreß an der Sorbonne (1927) das Medium „beschimpft“ hätte, ist eine sehr fragwürdige Darstellung (und Formulierung). Er hat ihn nicht be-schimpft (schon weil er gar nicht anwesend war), und er hat auch nicht über ihn geschimpft, sondern er hat ein – freilich abgünstiges – Bild seines Charakters geliefert, welches aber in keiner Weise überraschend war, da man eine ähnliche Charakterisierung verschiedener Medien vielfach in Schrencks Werk vorfindet.
 
Sehr fragmentarisch dargestellt finde ich auch das konstante Bestreben Schrencks, durch methodische Verbesserungen die Schraube „zwingender“ Versuchsbedingungen immer weiter anzuziehen. Der doppelte Boden im Kabinett findet sich zwar, aber Amerellers elektrische Medienkontrolle – die nicht nur das Medium, sondern auch die Kontrollore einschloß – fehlt, und gerade dieser Kontrollapparat hat Furore gemacht und wurde später international nachgebaut.
 
Letzteres erfolgt nach Schrencks Tod, und auch der Autor Dierks führt sein Buch über das Lebensende Schrencks hinaus. Das bezieht sich sowohl auf Schrencks Söhne und Enkel (am bekanntesten Caspar mit seinem [nicht erwähnten Hauptwerk] „Lexikon des Konservatismus“), aber auch auf die Schrenck’schen Medien. Aber zuvor wird Gräfin Wassilko mit einer beiläufigen Bemerkung in einem Nachruf auf Schrenck erwähnt, die im Kontext der Evolution der Parapsychologie und im Ansatz zu einer ergebnisoffenen Wissenschaft zu sehen ist, aber hier – isoliert – die Gräfin als eine Spiritistin erscheinen lassen mag, was sie beileibe nicht war.
 
Über Rudi Schneider erfahren wir folgendes: „Setzte noch einige Jahre seine erfolgreiche Medienkarriere fort, wurde von Kommissionen in Paris und London geprüft und zum Gegenstand mehrerer Bücher. …“ Diese sehr armselige Zusammenfassung wird der Sache nicht gerecht, denn die Experimente mit Rudi am Institut Métapsychique International in den Jahren 1930 und 1931 bedeuten einen Meilenstein der Forschung insofern, als nun die Phänomene im Gegensatz zur bloß visuellen Beobachtung und Photographie nunmehr automatisch apparativ registriert und mit dem physiologischen Zustand korreliert werden konnten. Dies summarisch im Wort „Paris“ zu verstecken, wie es bei einer bloßen Fortschreibung der bisherigen Versuchstechnik zulässig gewesen wäre, ist aufgrund des erzielten Durchbruchs nicht angebracht. (Was nicht bedeutet, daß ich an dieser Stelle eine Apologie Schrencks oder eine Diskussion über die Realität der Phänomene für angebracht hielte.)
 
Die angewandte parapsychologische Terminologie läßt zu wünschen übrig. Von Ektoplasma ist die Rede, ganz vereinzelt von Teleplasma, aber nirgends erfährt der Uninitiierte, daß es sich dabei um dieselbe hypothetische Substanz handelt, daß zu Schrencks Zeiten im deutschen Sprachraum die Verwendung des Wortes „Teleplasma“ vorherrschte – auch Schrenck selbst benutzt es passim –, während das von Richet eingeführte „Ektoplasma“ erst Jahrzehnte später über das englische „ectoplasm“ Dominanz erlangt hat. Auch „ektoplastisch“ ist nicht „ektoplasmatisch“, und „Paraphysik“ ist nicht „Parapsychophysik“, wie Richet dies Gebiet mit guten Gründen bezeichnet hat. „Paraphysik“ weckt andere Assoziationen (z. B. Schauberger, Meyl, sehr überzogen auch Tesla), die jedenfalls mit Parapsychologie nichts zu tun haben. Die Scheu vor vielsilbigen Komposita – Dierks würde sie wohl als „raumgreifend“ bezeichnen -- ist unangebracht, solche Wortbildungen sind auch sonst in der Wissenschaft nicht unüblich, man denke z. B. an die neue Disziplin der Psychoneuroimmunologie, und schließlich wendet sich das gegenständliche Buch an ein intellektuelles Lesepublikum und nicht an die Konsumenten von Kolportageromanen.
 
Ein persönliches Desideratum ist unerfüllt geblieben. Von Schrenck-Notzing gibt es ein Broschürchen „Handlesekunst und Wissenschaft“, das 1920 in der Reihe „Die Okkulte Welt“ im Johannes Baum Verlag in Berlin erschienen ist. Zumindest thematisch, vielleicht auch in Bezug auf die Wahl des Verlegers, stellt dieses kleine Werk ein völlig disparates Element in der literarischen Produktion Schrencks dar – ich hätte mir erhofft, darüber nähere Aufklärung zu erhalten.
 
Buchstäblich in den letzten Zeilen des Textes schmückt mich der Autor mit Federn, die mir nicht zukommen – es handelt sich dabei um geradezu groteskes Mißverständnis, dessen Zustandekommen ich mir nicht erklären kann, wenn ich daran denke, wie sorgfältig der Autor z. B. in seiner Auswertung der Archive vorgegangen ist. Es mag Mitte oder Ende der 1970er-Jahre gewesen sein, als ich Hans Bender im damaligen Eichhalde-Institut ersuchte, ein gewisses Archivstück (ein Fläschchen mit einer Ektoplasma-Probe) sehen zu dürfen. Bender interpellierte mich zunächst, woher von davon wüßte, und beschied mir dann, daß das Objekt „derzeit nicht auffindbar“ sei. Ich will mich jetzt gar nicht in Spekulationen ergehen, ob es tatsächlich in den Beständen verschollen war oder mein Ersuchen damit bloß abgewimmelt werden sollte. Einige Jahre nach Benders Tod (1991) ist das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) im Zuge seiner Umstrukturierung von der in Freiburgs Grüngürtel gelegenen Eichhalde ins Universitätsviertel in der Innenstadt übersiedelt. Als im Jahr 2000 die Jahrestagung der Parapsychological Association wieder in Freiburg stattfand, benutzte ich die Gelegenheit eines Besuchs der neuen Räumlichkeiten auch zu einer Besichtigung des Archivs. Natürlich ließ ich die Gelegenheit nicht vorbeigehen, nach dem bewußten Fläschchen zu fragen. Bereitwillig zeigte mir ein freundlicher Mitarbeiter das Stück, welches erwartungsgemäß im Zuge der Neuordnung aufgetaucht war. Daraus macht Dierks: „Im Jahre 2000 aber entdeckte es ein Forscher im badischen Freiburg …“ bzw. in einer Fußnote dazu: „… der Finder ist W. Peter Mulacz …“ Gar nichts habe ich selber gefunden – ich habe gefragt und man hat mir gezeigt, das war alles.
 
Das reichhaltige Literaturverzeichnis und ein Personenregister runden den Band ab; ein Sachregister wäre wünschenswert gewesen. Es ist zwar ökonomisch verständlich, aber dennoch bedauerlich, daß ein Buch von dieser Qualität nicht in gebundener Form vorliegt.
 
Abschließend möchte ich betonen, daß ich, ins Detail gehend, zwar viele jedoch eher marginale Punkte von Kritik aufgelistet habe, und daß der Gesamteindruck von Dierks’ Buch ein überaus positiver ist. Meine kritischen Anmerkung mögen nicht die Tatsache überschatten, daß das dieses Buch sehr umfassend über Leben und Werk eines Mannes orientiert, den sein Freund Richet in seinem Nachruf mit den Worten würdigt: „Keiner von uns, weder in England, noch in Italien, noch gar in Deutschland wird das Recht haben zu vergessen, daß Schrenck-Notzing der kühne und ruhmreiche Bahnbrecher unserer neuen Wissenschaft gewesen ist.“
 
Der Autor Dierks ist übrigens auch auf zwei Videos zum Thema zu sehen:
<http://www.youtube.com/watch?v=6dBfy5GxMKE> und <http://www.youtube.com/watch?v=eQtcFUYtAFI>.
 
         Manfred Dierks:
         Thomas Manns Geisterbaron: Leben und Werk
         des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
         Paperback
         366 Seiten, einige Illustrationen
         Psychosozial-Verlag, Gießen, 2012
         ISBN 978-3898068116
 
 
6.3
Timon L. Kuff: Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
 
Im selben Verlag wie Dierks’ oben besprochene Biographie Schrenck-Notzings ist, bereits 2011, auch diese bildwissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem ¼uvre erschienen. Auch der Gegenstand ist weitgehend derselbe, da viele Aspekte von Schrencks Biographie zur Sprache kommen. Jedoch sind sowohl Zielsetzung wie Ausgangspunkt deutlich andere. „Die vorliegende Arbeit untersuchte die Wechselwirkung von ästhetischer Theorie, Kunst und unmittelbarer psychischer Forschung gerade im Hinblick auf ihre versteckten, eben okkulten, Zusammenhänge.“ Während Dierks sich des Urteils enthält, findet man bei Kuff schon im Vorwort und ohne nähere Begründung Sätze wie: „Der Arzt, der angetreten war, die Rede vom Übersinnlichen tilgen zu wollen, schaffte eine fiktive Phänomenologie, die für spätere Künstler eine reizvolle Fundgrube darstellte“ und „Der Versuch, den Fiktionen des Freiherrn von Schrenck-Notzing auf der Fährte zu bleiben, …“, wobei das zweimalige „Fiktional“ zeigt, daß er den Realitätsanspruch Schrencks schlichtweg negiert. Das möge aber für diejenigen Leser, die selbst auf anderem Standpunkt stehen mögen, kein Grund sein, das Buch gleich aus der Hand zu legen. Nicht nur, daß der Autor aufzeigt, wie viele Ideen Schrencks aus seiner Zeit als junger Arzt entscheidenden Einfluß auf seine späteren Experimente mit Medien hatten, es geht ihm auch und vor allem darum, aufzuzeigen, wie sich die Erwartungen Schrencks als parapsychologischer Experimentator bildhaft in den Produktionen seiner Medien (insbesondere bei Eva C.) niedergeschlagen haben – eine Spielart dessen, was man in der empirischen Wissenschaft „Versuchsleitereffekt“ nennt.
 
Auch Kuff setzt sich mit der Frühzeit Schrencks als Hypnotiseur und, mehr noch, als Suggestionstherapeut sowie als Sexualforscher auseinander. Gerade in letzterem Bereich zeigt Kuff die sehr traditionellen Wertvorstellungen Schrencks auf, denen dieser aber in seinem Privatleben nicht folgte, wofür u. a. ein Kapitel über die Gräfin Reventlow – eine quellenmäßig weit besser erschlossene Darstellung als die holzschnittartige Vergröberung bei Dierks – Zeugnis ablegt. Als Kind seiner Zeit war auch Schrenck ein Vertreter der damals üblichen „Doppelmoral“, die auch heute noch keineswegs überwunden ist. In dem Kapitel über den Prozeß Czynski zeigt Kuff auf, wie sehr der Gutachter Schrenck in dem Angeklagten gewisse Züge seines eigenen Charakters widergespiegelt gesehen haben mag. Alles in allem kommt Schrenck als Persönlichkeit bei Kuff nicht allzu gut weg; immer wieder wird er mit mehr oder minder pejorativen Attributen versehen (z. B. „ein geschickter Manipulator“, „durchaus eigennützig“, „Halsstarrigkeit“, „Unaufrichtigkeit“, „Verblendung“ usw.); wenig ist von einer „kritischen Distanz“, dafür mehr von purer Kritik zu sehen.
 
Die Münchner Kosmiker werden – weiterführend als bei Dierks – erwähnt, und besonderen Raum nimmt natürlich zunächst die „Traumtänzerin“ ein. Außer den im Wortsinn bildhaften Bezügen werden viele literarische abgehandelt: hier gleich anschließend der gleichnamige Roman des Kriminologen Erich Wulffen, später der Roman von Robert Müller, „Tropen“ und schließlich noch ein weiterer Roman: Paul Madsack „Die metaphysische Wachsfigur“ – alles literarische Werke, über die sich mehr oder minder der Schleier des Vergessen gebreitet hat.
 
Eva C. ist natürlich die ergiebigste Versuchsperson für die Argumentation des Verfassers, deren Richtung schon aus manchen Kapitelüberschriften erhellt: „die Wunschfiguren und Traumbilder im physikalische Mediumismus“, „die Materialisationsphänomene als Collagen und Karikaturen“, „die Innere Performance der Eva C. als Vorläufer der Körperkunst“ und „die Materialisationsphänomene: eine fiktive Schöpfungsgeschichte“. All dies ist durchaus interessant zu lesen und er öffnet neue Aspekte, hat aber mit den genuin parapsychologischen Aspekten wenig zu tun, während hingegen die permanente Polemik gegen Schrenck sich auf der argumentativen Ebene der 1920- und 30-iger Jahre bewegt („Dreimännerbuch“, Mosers „Okkultismus“, Bruhn „Gelehrte in Hypnose“). Im übrigen wählt Kuff sehr selektiv aus und behandelt nur einen Teil der von Schrenck untersuchten Medien und analog dazu nur einen Teil von Schrencks parapsychologischem Lebenswerk, im wesentlichen arbeitet er sich an den „Materialisationsphänomenen“ ab. Physikalische Phänomene des Mediumismus, die bildhaft/ästhetisch weniger „hergeben“, aber eher für die Realität der Phänomene sprechen mögen, fallen unter den Tisch: das ist zwar angesichts des Titels und der generellen Fragestellung verständlich, beeinflußt aber in wenig fairer Weise Kuffs Darstellung von Schrencks Werk in negativer Richtung.
 
Objektiv falsch ist die Etymologie, die Kuff für Reichenbachs „Od“ anbietet: er leitet dieses Wort ganz frank und frei vom griechischen „Odos“ ab, während Reichenbach selbst, der Schöpfer dieses Wortes, sich auf den germanischen Gott Odin bezieht. Es scheint, daß Kuff nur die Sekundärliteratur, nicht aber die Originale studiert hat.
 
Ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Bildnachweis runden den Band ab; leider fehlen sowohl Personen- wie Stichwortverzeichnis.
 
         Timon L. Kuff
         Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten
         im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
         (zgl. Dissertation Universität Lüneburg 2012)
         Paperback
         545 Seiten, zahlreiche Illustrationen
         Psychosozial-Verlag, Gießen, 2011
         ISBN 978-3837921366
 
 
6.4
Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.): Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
 
Ein Dezennium Forschungsarbeit der Abteilung „Empirische Kultur- und Sozialforschung“ am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., hat in diesem Band seinen Niederschlag gefunden. Es handelt sich um einen Sammelband; die Liste der Titel und Autoren ist umfangreich und gibt eine gute Vorstellung von dem großen Spektrum der behandelten Themen:
 
Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel: Zur Einleitung: Krisen der Wirklichkeit
Michael Schetsche, René Gründer, Gerhard Mayer, Ina Schmied-Knittel: Der Maximal Fremde. Überlegung zu einer transhumanen Handlungstheorie
Michael Schetsche, Ina Schmied-Knittel: Zwischen Pragmatismus und Transzendenz – Außergewöhnliche Erfahrungen in der Gegenwart
Ina Schmied-Knittel: Nahtod-Erfahrungen
Michael Schetsche: Entführt! Von Irdischen Opfern und außerirdischen Tätern
Gerhard Mayer: Die Figur des Schamanen. Zur Attraktivität des Schamanismus in Modernen Gesellschaften
Gerhard Mayer: Magier des 21. Jahrhunderts. Ein Versuch der Dimensionierung der Persönlichkeit des Magiers
René Gründer: Asatru in Deutschland. Strömungen einer alternativ-religiösen Bewegung
Gerhard Mayer, René Gründer: Coming Home or Drifting away? Wege zur Übernahme heterodoxer Glaubensvorstellungen und alternativer religiöser Weltanschauungen
Liane Hofmann: Nun sag, wie hältst Du’s mit Spiritualität und Religion? Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter psychologischen Psychotherapeuten
Gerhard Mayer: Über Grenzen schreiben. Presseberichterstattung zu Themen aus dem Bereich der Anomalistik und der Grenzgebiete der Psychologie
Ina Schmied-Knittel: Satanisch-ritueller Mißbrauch als Soziales Problem
Michael Schetsche: Soziale Kontrolle durch Pathologisierung? Konstruktion und Dekonstruktionen ‚Außergewöhnlicher Erfahrungen’ in der Psychologie.
 
So verschieden die einzelnen Beiträge auch sind, jeder von ihnen ist interessant und ich wüßte nicht, sollte ich eine Reihung vornehmen, welchem ich die Palme reichen sollte.
 
Bemerkenswert ist auch das Verzeichnis der Quellen, wo die in diesem Band vereinigten Beiträge zuerst veröffentlicht worden waren, spiegelt dieses doch die speziellen Orte in der deutschen Forschungslandschaft wider, wo Aufsätze über Probleme der „Grenzgebiete“ willkommen sind – und das sind erfreulicherweise gar nicht so wenige!
 
         Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.)
         Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu
         außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
         Paperback
         350 Seiten
         Logos Berlin, 2012
         ISBN 978-3832531546
 
 
6.5
In englischer Sprache:
Erlendur Haraldsson: The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters
 
Im Jahre 1886 ist die erste größere Publikation der „Founder fathers“ der vier Jahre zuvor gegründeten Society for Psychical Research (SPR) erschienen: „Phantasms of the Living“ von Edmund Gurney, Frederic William Henry Myers und Frank Podmore, der 1896 die von Fritz besorgte verkürzte deutsche Übersetzung unter dem Titel „Gespenster lebender Personen und andere telepathische Erscheinungen“ folgte – die erste umfassende Sammlung von Spontanphänomenen, die sich auf Erscheinungen Verstorbener bezog. Während die deutsche Fassung auf ca. 100 Fälle zusammengekürzt worden war, beinhaltete das englische Original nicht weniger als 700 Fallberichte. Jetzt hat der isländische Forscher Erlendur Haraldsson, der auch bereits mehrfach in unserer Gesellschaft vorgetragen hat, in seinem Buch eine neuere Fallsammlung zusammen getragen, die durchaus dem Klassiker des 19. Jahrhunderts an die Seite gestellt werden kann und die das nachweist, was der „Altmeister“ Hans Bender nie müde geworden ist, zu betonen: die überraschende Gleichförmigkeit paranormaler Erscheinungen durch die Jahrhunderte hindurch. Haraldssons Buch wird auch von internationalen Kollegen entsprechend gewürdigt: „… one of the most important books of its kind since the classic 1886 survey Phantasms of the Living“ oder „You will, to put it mildly, be fascinated by what he presents in this book – and perhaps the plan of your life will be changed“ (Ch. Tart).
 
Umfrageuntersuchungen ergaben, daß rund ein Viertel der Europäer und rund ein Drittel der US-Amerikaner Begegnungen mit Verstorbenen erlebt haben. Auf dieser Basis hat der Verfasser in seiner Heimat eine Umfrage gemacht, auf die über 900 Personen positiv geantwortet haben; mit 450 dieser Personen wurden weiterführende Interviews gemacht, welche das Material für dieses Buch darstellen. Die Berichte wurden kategorisiert, z. B. visuelle Erfahrungen, akustische Erfahrungen, aber auch Erfahrungen, die an eine bestimmte Örtlichkeit gebunden zu sein scheinen oder Erfahrungen, die den Charakter einer Warnung haben. So stellt der Autor rund 30 Kategorien zusammen, innerhalb welcher ein knapp formulierter, auf das Wesentliche beschränkter Bericht dem anderen folgt – eine faszinierende Lektüre. In weiteren Kapiteln setzt Haraldsson sich mit grundsätzlichen Fragen auseinander, z. B. was für und was gegen die Hypothese eines Fortlebens spricht, während die verwendete Fragebögen als Annex angehängt sind.
 
Einerseits wissenschaftlich sauber, andererseits spannend zu lesen – somit uneingeschränkt empfehlenswert!
 
         Erlendur Haraldsson
         The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters
         Paperback
         264 Seiten
         White Crow Books, Guildford, Surrey, UK, 2012
         ISBN 978-1908733290
 
 
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7. Speziell für User von chello.at
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Immer wieder erhalte ich von Beziehern dieses Newsletters, die ihren e-mail-Account bei chello.at haben, Unzustellbarkeitsmeldungen. Proteste beim chello-Support helfen, aber teils nur kurzfristig. Um dem abzuhelfen, empfehle ich den Betroffenen, die Absender-Adresse <newsletter@parapsychologie.ac.at> in die „Whitelist“ ihres e-mail-Progamms einzutragen.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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anthropologie der Universität Wien
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1010 WIEN
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Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregel-
mäßiger Folge und wird an derzeit über 800
Abonnenten versandt.
Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
Dieser Newsletter verwendet die traditionelle Ortho-
graphie sowie das "generische Maskulinum".
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen:
E-mail-Adressen werden selbstverständlich
nicht an Dritte weitergegeben. Der Versand
des Newsletters erfolgt unter den Auflagen
des TKG 2003 idF BGBl I Nr. 133/2005.
Weiters finden die Richtlinien der ARGE Daten Beachtung.
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind unter
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Kommentare und Anregungen (oder auch
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Newsletter N° 47 – Wien, 10. 09. 2012


Wie die schönen Tage von Aranjuez, so ist auch die Urlaubssaison vorbei und es ist Zeit für einen Ausblick auf das kommende Semester wie auch für einen Rückblick, was sich seit dem letzten Newsletter in unserem Fach getan hat.

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INHALT:
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     1. Remote Viewing Kurs in Wien
     2. Vortragsprogramm für das Wintersemester in Vorbereitung
     3. Forschungsgelder
     4. Hypnose-Symposium
     5. William G. Braud (1945–2012)
     6. Todesnähe-Forscher unter schwerem Verdacht
     7. Literaturhinweise
     8. ÖGPP jetzt auch auf Facebook


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1. REMOTE VIEWING KURS IN WIEN
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Im April hat Alexis Champion von „IRIS Intuition Consulting“ <http://www.iris-ic.com/index.php?option=com_content&view=article&id=185%3Aenglish-version&catid=58&Itemid=285> gemeinsam mit Hélène Pau einen RV-Workshop in Wien abgehalten, den wir außerhalb unseres normalen Vortragsprogramms organisiert hatten und der, gleichsam ein „Schnupperkurs“, großen Anklang gefunden hat. (Vgl. den Bericht auf
<http://parapsychologie.ac.at/RV/RV-Veran.htm>.)
Aufgrund des großen Interesses hat Alexis Champion angeboten, in Wien einen regulären RV-Kurs („Basic Controlled Remote Viewing Course“) abzuhalten, wenn sich genügend Interessenten melden. Der Kurs beinhaltet vier Kurstage, allerdings ist zwischen Tag 3 und Tag 4 ein Ruhetag vorgesehen – ein Format, das sich bewährt hat. Um (für Berufstätige) nicht allzu viele Urlaubstage zu verbrauchen, bietet es sich an, den Kurs an einem Samstag zu starten, somit fallen nur Montag und Mittwoch als Werktage an; der Dienstag ist kursfrei.
Der Preis beträgt ¤ 550,– (plus den aliquoten Anteil der Raumkosten) und beinhaltet vier Kurstage à 6,5 Unterrichtseinheiten sowie, nach Kursende, zehn Telephondiskussionen à 30 Minuten.
Als Termine bieten sich an:
- A. 22.-26. September (25. frei)
- B. 01.-05. Dezember (04. frei)
Bei Interesse bitte umgehend e-mail an <office@parapsychologie.ac.at> unter der Angabe der Terminpräferenz, A, B, oder egal.


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2. VORTRAGSPROGRAMM FÜR DAS WINTERSEMESTER IN VORBEREITUNG
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Aller Voraussicht nach beginnen wir unsere Vorträge im Wintersemester am 15. Oktober. Sobald das Programm finalisiert ist, wird es in der üblichen Weise (Website <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> und Aussendung an Mitglieder sowie eingetragene Interessenten) bekannt gemacht werden; überdies erscheint rechtzeitig auch die nächste Folge dieses Newsletters.


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3. FORSCHUNGSGELDER
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3.1
Die schwedische Organisation „Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death, HRF” lobt wieder Forschungsgelder für kleinere bis mittlere Projekte zur Frage des Lebens nach dem Tode aus. Auskünfte sowie Bewerbungen (in Englisch) an Herrn Edgar E. Müller per e-mail <edg.muller@comhem.se>; Einreichungsfrist ist der 15. Oktober 2012.

3.2
Die Templeton Foundation finanziert mit 2,5 Millionen US-Dollar das „Unsterblichkeitsprojekt“, wobei Forschungsprojekte nur von Angehörigen von Universitäten und Colleges einzureichen sind. Drei thematische Kategorien wurden definiert:
- empirische Studien zur Frage eines Fortlebens nach dem Tod (z.B. Out-of-Body Experiences, Erinnerungen an „frühere Leben“ etc.)
- empirische Studien in Hinblick auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod und die kognitiven Grundlagen dieser Überzeugung
- empirische Forschung zur Verlängerung des physischen Lebens
Außerdem sind Preise für populäre Essays zum Thema ausgelobt.
<http://www.sptimmortalityproject.com/>


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4. HYPNOSE-SYMPOSIUM
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Am 2. Oktober findet in Stockholm ein eintägiges Symposium „The cognitive and neural mechanisms of hypnosis“ statt. Siehe
<http://kva.se/sv/Kalendariumlista/Event/?eventId=422>


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5. WILLIAM G. BRAUD (1945–2012)
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Am 13. Mai 2012 ist der sehr bedeutende US-amerikanische Parapsychologe William G. Braud seinem Krebsleiden erlegen. (Achtung: Braud ohne -e, nicht zu verwechseln mit Stephen Braude, der erfreulicherweise noch unter uns weilt.)
William Braud mag dem deutschsprachigen Publikum leider wenig bekannt sein, dennoch ist sein Lebenswerk überaus beeindruckend. Er hat über 250 Artikel in Fachzeitschriften publiziert und zahllose Buchbeiträge verfaßt; recht bekannt ist die von ihm als Buch mit dem Titel „Distant Mental Influence: Its Contributions to Science, Healing, and Human Interactions (Studies in Consciousness)“ publizierte Aufsatzsammlung. Jim Carpenter bezeichnet William Braud in einem kurzen Nachruf als einen „giant in the field of parapsychology“ und das ist – auch wenn man die bekannte Überschwänglichkeit der US-Amerikaner in Abzug bringt – eine durchaus zutreffende Charakterisierung. Braud war der Leiter des Instituts für Transpersonale Psychologie (Sofia University) <http://www.sofia.edu/academics/faculty/braud.php>.
Die Adresse seiner eigenen Webpage lautet: <http://inclusivepsychology.com/>, wobei dort auch zahlreiche seiner Artikel als PDF heruntergeladen werden können.
Persönlich war William Braud ein ruhiger und bescheidener Mensch, der auch von seinem Tod kein Aufhebens machen wollte und sich daher jegliche Trauerfeier verbeten hat. Es scheint, er wollte so still aus dieser Welt gehen, wie er einst in sie getreten war …


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6. TODESNÄHE-FORSCHER UNTER SCHWEREM VERDACHT
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Der US-amerikanische Kinderarzt Melvin Morse hat sich vor allem mit der Erforschung von „Near Death Experiences“ bei Kindern, worüber er auch mehrere Bücher verfaßt hat, einen Namen gemacht. Mehr Information gibt es auf seiner Website <http://spiritualscientific.com/>, ferner Videos auf youtube, z.B.
<http://www.youtube.com/watch?v=jwwOFCwD6AU>
Nun wurde er von seiner Stieftochter der Anwendung von CIA-Foltermethoden beschuldigt, was auch in mehreren Artikeln in der deutschen Presse reflektiert worden ist; ein paar Beispiele:
<http://www.welt.de/vermischtes/article108637491/Die-brutalen-Experimente-des-Dr-Morse.html>
<http://www.stern.de/panorama/arzt-unter-waterboarding-verdacht-das-unheilvolle-familienleben-des-dr-seltsam-1876015.html>
<http://www.n-tv.de/panorama/Kind-mit-Waterboarding-gequaelt-article6938111.html>
<http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/usa-kinderarzt-soll-stieftochter-mit-waterboarding-gequaelt-haben/7003908.html>
„Es gilt die Unschuldsvermutung“.


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7. LITERATURHINWEISE
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7.1
Eine Reihe von einschlägigen Neuerscheinungen liegt auf meinem Schreibtisch, teils bereits gelesen, teils noch nicht. Ich plane, sie alle im nächsten Newsletter mehr oder minder ausführlich zu besprechen. Jetzt beschränke ich mich darauf, Titel und Autoren aufzuzählen, damit Sie jetzt schon wissen, was Sie demnächst erwartet:

- Manfred Dierks: Thomas Manns Geisterbaron. Leben und Werk des Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing
- Timon L. Kuff: Okkulte Ästhetik. Wunschfiguren des Unbewussten im Werk von Albert von Schrenck-Notzing
- Michael Schetsche, Kirsten Krebber (Hrsg.): Grenzpatrouillen. Sozialwissenschaftliche Forschung zu außergewöhnlichen Erfahrungen und Phänomenen
In englischer Sprache:
- Erlendur Haraldsson: The Departed among the Living. An Investigative Study of Afterlife Encounters

7.2
Ferner ist der aktuelle Arbeitsbericht des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg i.Br., erschienen; Interessenten können bei Herrn Dipl.-Psych. Eberhard Bauer über die Adresse <bauer@igpp.de> Exemplare kostenlos anfordern.

7.3
Und schließlich hat auch der unverwüstliche Walter von Lucadou gemeinsam mit einem Co-Autor ein neues Buch (mit dem Titel „Die Geister, die mich riefen: Deutschlands bekanntester Spukforscher erzählt“) publiziert, das mir aber derzeit (noch?) nicht vorliegt.


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8. ÖGPP JETZT AUCH AUF FACEBOOK
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Dem Zug der Zeit zu den sozialen Netzwerken folgend, und in der Absicht, dadurch neue – insbesondere jüngere – Kreise für das Gebiet der Parapsychologie ansprechen zu können, habe ich vor kurzem einen facebook-Account eingerichtet, der natürlich in keiner Weise unsere Website <http://parapsychologie.ac.at/> ersetzt, sondern vielmehr auf diese hinweist. Sie finden unsere Gesellschaft unter der Adresse
<http://facebook.com/Parapsychologische.Gesellschaft> – statten Sie uns auch dort einen virtuellen Besuch ab! Sie sind herzlichst dazu eingeladen.


Prof. Peter Mulacz
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Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
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Newsletter N° 46 – Wien, 18. 04. 2012

 
 
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INHALT:
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     1.         Generalversammlung 2012
     2.         RV-Workshop (Erinnerung)
     3.         Symposium II im Stift Vorau
     4.         Ausstellung „Wunder“ in Krems
     5.         Neues zur „Primärwahrnehmung“ (Cl. Backster)
     6.         Literaturhinweise
     7.         „Social Media“ (Facebook)
     8.         Mitglieder- und Sponsoren-Werbung


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1.         GENERALVERSAMMLUNG 2012
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Bei der am 20.03.2012 statutengemäß abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Mitglieder als Funktionäre in den Vorstand gewählt bzw. wiedergewählt:
     a.o. Univ.-Prof. Dr. Manfred KREMSER (Präsident)
     Prof. Peter MULACZ (Vizepräsident und Generalsekretär)
     Mag. Gerhard HOLISCHKA (Kassier)
     Mag. Dr. Elisabeth MAZAL-KREMSER (Bibliothekarin)
     HR Dr. Günther FLECK
     Dipl.-Ing. Dieter SCHORNBÖCK
     Mag. Ronald WEIGL

Bei den beiden Rechnungsrevisoren hat sich keine Änderung ergeben:
     Mag. Heidemarie UNTERREINER
     Dipl.-Ing. Heinz BREITENBACH
 
Außer der Neufestsetzung des Mitgliedsbeitrags (¤ 30,–) sind insbesondere die Aspekte Mitgliederbewegung, Raumproblem und die Frage von Sponsoren behandelt worden, wichtig genug, ihnen in diesem Newsletter einen eigenen Punkt zu widmen – den letzten, damit er den Lesern im Gedächtnis bleibt …
 
 
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2.         RV-WORKSHOP
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Diesen Samstag, am 21. April, findet der bereits angekündigte „Remote Viewing“ Workshop statt; es sind für schnell Entschlossene noch einige wenige Plätze frei.  Es geht dabei um Training von Sensibilität und Intuition, um Methoden, innere Bilder ins Bewußtsein steigen zu lassen, die sich auf Realitäten der Außenwelt beziehen.  (Es geht nicht um einen Selbstfindungstrip und Bilder der „Innenwelt“, und nicht um das Lösen persönlicher Probleme!)
 
Weitere Information: <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss2012/RVwkshop.pdf>
 
 
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3.         SYMPOSIUM II IM STIFT VORAU
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Unter dem gleichlautenden Titel „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ findet -- nach dem großen Erfolg des ersten Symposiums in Vorjahr -- bereits die zweite derartige Veranstaltung im Rahmen der Österreichischen Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie <http://www.organismicsystems.org/> mit der wir bereits öfters Kooperationsveranstaltungen durchgeführt haben, statt.
 
Ich werde bei diesem Symposium über das Thema „’Wunder’ kritisch hinterfragt: Stigmatisation – Träger der „Wundmale Christi“?“ referieren, ein Thema, bei dem die Parapsychologie ein gewichtiges Wort mitzureden hat.
 
Auch bei dieser Veranstaltung sind gerade noch ein paar Plätze frei.
 
Weitere Information: <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/vorau.htm>
Programm-Download: <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/VorauII-aussen.pdf> und <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/2012/VorauII-aussen.pdf>
 
 
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4.       AUSSTELLUNG „WUNDER“ IN KREMS
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Die Ausstellung „Wunder“, die in den Deichtorhallen im Hamburg zu sehen gewesen ist (bereits im letzten Newsletter unter Pkt. 5.4.2  erwähnt), ist nun überraschenderweise (d.h. zumindest für mich überraschend) auch nach Österreich gekommen und jetzt bis 01. Juli 2012 in der Kunsthalle Krems < <http://kunsthalle.at/> zu sehen.  Die Aspekte der Parapsychologie stehen dabei eher am Rande, aber zumindest ist das Gebiet dort auch präsent.
 
Immerhin ist für das Plakat ein parapsychologisches Sujet gewählt worden (Schrenck-Notzing, Ektoplasma bei dem Medium Stanislawa Popielska, 1913).  Dieses Bild ist u.a. in diesen Rezensionen zu sehen:
<http://isatrends.at/uncategorized/32003/warten-auf-ein-wunder-ausstellung-wunder-in-der-kunsthalle-krems/> sowie  <http://www.wieninternational.at/de/content/kleines-einmaleins-des-wunderns-de> (dort auch ein Bild der Gipsausgüsse von Paraffinhandschuhen, die Gustave Geley dem Medium Franek Kluski erzielt hat).
 
Links zur Ausstellung:  <http://www.wunder-ausstellung.de/> bzw.
<http://www.kunsthalle.at/kunsthalle-krems/ausstellungen/wunder.-kunst-wissenschaft-und-religion>
 
 
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5.         NEUES ZUR „PRIMÄRWAHRNEHMUNG“ (Cleve Backster)
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Cleve Backster, seinerzeit der Leiter Schulungsabteilung für „Lügendetektoren“ im amerikanischen Geheimdienst CIA, ist mit seiner Behauptung weltberühmt geworden, daß elektrische Ableitungen von Pflanzen Rückschlüsse auf eine „primäre Wahrnehmungsfähigkeit“ erlauben würden, indem sie zeigen, daß Pflanzen auf das reagieren, was in ihrer Nähe passiert. Die Ableitung elektrischer Potentiale von Pflanzen ist nun nicht gerade einfach, von anderen Problemen ganz abgesehen, und seine Methoden waren gewiß nicht sauber genug – aber er hat wenigstens diesen Forschungsbereich initiiert. (Freilich hatte auch Backster schon Vorläufer; z.B. den indischen Physikers und Pflanzenphysiologen Sir Jagadis Chandra Bose.) Trotz mancher populärer Bücher zum Thema ist Backster viel gescholten worden; mittlerweile ist es still um diese Forschung geworden.
 
Nun hat, wie ich von der letzten Tucson-Konferenz erfahren habe, ein gewisser Ben W. Bendig von UCLA eine konzeptuelle Replikation der Backster-Experimente begonnen und, seinen Angaben zufolge, insbesondere bei emotionsgeladenen Gesprächen von Menschen in der Nähe von Pflanzen sehr eindeutige Ergebnisse hinsichtlich einer Reaktion der Pflanzen auf die Emotionen der Menschen gefunden; folgerichtig spricht er auch von „Plant Sensitivity to Spontaneous Human Emotion“.  Man darf gespannt darauf sein, was die weitere Forschung auf diesem Gebiet noch bringen mag.
 
Link:  <http://sbs.arizona.edu/project/consciousness/report_poster_detail.php?abs=1533>
 
 
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6.         LITERATURHINWEISE
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6.1
„Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“
 
In wenigen Tagen erscheint dieser Band, der die Referate des ersten gleichnamigen Symposiums im Stift Vorau (April 2011) beinhaltet und den ich jetzt im Verlag <ERASMUSWien http://erasmuswien.at> herausgegeben habe. (Vgl. auch oben Pkt. 2). Mein eigener Beitrag darin trägt den Titel „Esoterik kritisch hinterfragt: von Parapsychologie und Okkultismus, von Wissen(schaft) und Glauben“ und analysiert kritisch den Denkrahmen der Esoterik (im Gegensatz zur Parapsychologie, wobei es mir um die Kontraposition der Esoterik gegenüber wissenschaftlicher Methodik geht, ohne dabei Näheres über Parapsychologie
auszuführen).
 
Bisher war interimistisch eine .pdf-Version meiner Vortragsfolien auf die Website hochgeladen (vgl. Newsletter N° 43, Pkt. 4); diese habe ich jetzt, da die ausführlichere Darstellung im Buch erscheint, wieder gelöscht, sodaß der szt. Hinweis nunmehr obsolet ist. (Die anderen Beiträge – aus den Gebieten Philosophie, Kosmologie, Biologie und Physik – haben keine Relevanz für die Parapsychologie.)
 
Weitere Information: <http://www.organismicsystems.org/files/publikat/Flyer.pdf>

     Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen
     Herausgeber: Peter Mulacz
     163 Seiten, mit s/w Abb.
     Broschur, Format 24 x 17 cm
     ¤ 18,–
     Verlag ERASMUSWien   <http://erasmuswien.at/>
     ISBN 978-3-9502954-2-9
 
6.2
„Esoterisches Wien“
 
Vermutlich ist dies Buch das einzige Wien-Buch, in dem unserer Gesellschaft ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Freilich ist in dem Buch nur ein kleiner Teil dem Bereich der Parapsychologie bzw. der Grenzgebiete vorbehalten – leider nicht immer ganz verläßlich, was bei einer allfälligen zweiten Auflage verbessert werden sollte –, während der größte Teil des Buches sich mit Plätzen, Baulichkeiten und auch Persönlichkeiten beschäftigt, die keinen Bezug zu den Grenzgebieten haben; insofern ist der Titel etwas irreführend, wurde aber offensichtlich als ein Gegenstück zu dem im gleichen Verlag erschienen Band „Esoterisches Prag“
gewählt. Aufgrund der Biographie des Verfassers sind die zahlreichen Bezüge, die sich in Wien aufgrund der jahrhundertelangen Zugehörigkeit der Länder der böhmischen Krone zum Habsburgerreich manifestiert haben, besonders liebevoll dargestellt und ich habe da so manches gelernt, was mir bisher unbekannt gewesen war.
 
     Esoterisches Wien
     Eine Stadt die viel bietet aber noch mehr verbirgt
     Ferdinand Smikmator
     geb.
     551 Seiten, reich farbig illustriert
     Verlag Eminent, Prag, 2011
     ISBN 978-80-7281-420-6
 
 
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7.         „SOCIAL MEDIA“ (Facebook)
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Dem Trend der Zeit kann sich auch unsere Gesellschaft nicht entziehen – und wir wollen dies auch nicht, zumindest dort, wo dieser Trend als sinnvoll erscheint. Vielleicht lassen sich durch Präsenz unserer Gesellschaft auf den „Social Media“ neue Kreise für die Parapsychologie interessieren, allenfalls auch Mitglieder gewinnen. Wie auf der Generalversammlung besprochen, richten wir für unsere Gesellschaft zunächst eine Seite auf „Facebook“ ein. Der Inhalt wird zwar im Vergleich zu unserer Website eher bescheiden sein, es geht jedoch eher darum, auch auf diesem Medium „Flagge zu zeigen“ und Facebook-Usern die Möglichkeit zu bieten, uns auf deren beliebtestem Medium zu finden.
 
 
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8.         MITGLIEDER- UND SPONSOREN-WERBUNG
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8.1
Wie auf der Generalversammlung besprochen, sehen wir uns, ähnlich der großen Politik, mit der Schere sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben konfrontiert. Die Zahl der Mitglieder ist in den letzten Jahren relativ stark gesunken, teils durch Austritte und Todesfälle, vor allem aber durch Bereinigung von „Karteileichen“, d.h., von Personen, die mehr als drei Jahr mit ihrem Mitgliedsbeitrag im Rückstand waren.
 
Eine gelinde Anhebung des Mitgliedsbeitrags ist die eine Maßnahme, die andere muß sein, neue Mitglieder zu gewinnen.
 
Daher meine Einladung an alle Leser dieses Newsletters, sofern Sie nicht bereits Mitglied unserer Gesellschaft sind, diese durch einen Beitritt als Mitglied zu unterstützen.Weiters ersuchen wir Sie höflich, unsere Gesellschaft nach Kräften in Ihrem Umfeld bekannt zu machen bzw. für die Mitgliedschaft zu werben.
 
8.2
Wie bereits im Newsletter N° 42 avisiert, werden wir mit Semesterende des Raumes im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien, in dem bisher unsere Bibliothek untergebracht war, verlustig gehen.
 
Daher suchen wir dringend eine neue Bleibe.
 
Da dies mit erheblichen Ausgaben verbunden sein wird, die unsere finanziellen Möglichkeiten deutlich übersteigen, suchen wir primär entsprechende Sponsoren. Sachdienliche Ideen und Hinweise zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Sponsoren werden an unsere Adresse <office@parapsychologie.ac.at>erbeten.
 
 
Prof. Peter Mulacz

--
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Newsletter N° 45 – Wien, 14. 03. 2012



INHALT:
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1. Vortragsprogramm für das Sommersemester
2. Teilnehmer(innen) für Experiment gesucht
3. Konferenzen und internationale Tagungen
4. Personalia
5. Literaturhinweise
6. James Randi und die Chronique Scandaleuse
7. Programmversand


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1. VORTRAGSPROGRAMM
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20. März 2012
Alfons Steiner
Parapsychologie und Religion

21. April 2012
Alexis Champion und Hélène Pau
Remote Viewing
Workshop

23. April 2012
Alexis Champion und Hélène Pau
Remote Viewing
Historic developments, theoretical foundations, various applications, findings and results

08. Mai 2012
Peter Mulacz
Weltuntergang
Apokalyptische Prophezeiungen vom Mühlhiasl bis zum Maya-Kalender

22. Mai 2012
Günther Fleck
Mythos und Wirklichkeit der Nutzung paranormaler Fähigkeiten
im zivilen und militärischen Bereich

19. Juni 2012
Christa A. Tuczay
Werwolfsgeschichten

Unser Vortragsprogramm für das Sommersemester 2012 ist, wie immer, auf unserer Internetpräsenz <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar; an unsere Mitgliedern sowie registrierte Interessenten ist es auch bereits per Post unterwegs.

Dem ersten Vortrag vorgestaffelt ist die – nur Mitgliedern zugängliche – Generalversammlung, zu deren Abhaltung wir aufgrund der Statuten bzw. des Vereinsgesetzes verpflichtet sind.

Wenn Alfons Steiner über „Parapsychologie und Religion“ sprechen wird, so hat er im wesentlichen die christliche Religion, noch genauer gesagt, die römisch-katholische Konfession im Auge.

Alexis Champion und Hélène Pau kommen aus Paris zu uns und führen zwei Veranstaltungen, beide in englischer Sprache, ab:ein Ganztags-Workshop, bei dem das Remote Viewing Protocol in der Weise vorgestellt wird, daß praktische Vorführungen und insbesondere eigene Übungen zur Hervorrufung bzw. Steigerung von Sensitivität und Intuition im Vordergrund stehen. Bei dem darauf folgenden Vortrag stehen hingegen eher die theoretischen Gesichtspunkte wie das theoretische Modell sowie Fallstudien im Vordergrund. Alexis Champion war einer der Direktoren des Institut Métapsychique International (IMI) und betreibt mittlerweile ein eigenes Unternehmen, in dem RV sowohl Interessierten gelehrt wird wie auch für bestimmte Aufträge praktisch zur Anwendung kommt.

Was den prophezeiten oder befürchteten Weltuntergang betrifft, so ist nun – nach der Sonnenfinsternis von August 1999 und der Jahrtausendwende 2000/2001 – mit dem ominösen Datum des Maya-Kalenders der dritte Termin im Kommen, der Veranlassung bietet, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen; im wesentlichen geht es bei meinem Vortrag um den Unterschied zwischen der „Prophezeiungsliteratur“ einerseits und andererseits dem Phänomen der Präkognition im Kontext parapsychologischer Forschung.
Vgl. auch <http://parapsychologie.info/endzeit/millenni.htm>.

Günther Fleck nimmt das Thema, wie weit paranormale Fähigkeit praktisch genutzt werden können, wieder auf und stellt schönfärbende, übertriebene Darstellungen der Realität gegenüber.
Vgl. zu diesem Thema auch meinen szt. Vortrag über die „verlorene Unschuld“ der Parapsychologie (RV und CIA)
<http://parapsychologie.ac.at/programm/ws199900/mulacz/cia.htm> mit weiterführenden Links.

Den Abschluß des Semesters bildet wieder einmal ein kulturhistorisches Thema, und zwar die Ausführungen der Altgermanistin Christa A. Tuczay über (angebliche) Tierverwandlungen im historischen Kontext, insbesondere Werwolfsgeschichten.


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2. EXPERIMENT – TEILNEHMER(INNEN) GESUCHT
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In Kooperation mit unserer Gesellschaft ist an der Fachhochschule Technikum Wien unter der Leitung unseres Mitglieds Robert Pucher eine Replikation eines Experiments der bekannten seinerzeitigen PEAR-Gruppe (Princeton Engineering Anomalies Research) angelaufen. Es geht dabei um mikro-PK, konkret um die mentale Beeinflussung eines zufallsgemäßen Datenstroms, vgl. <http://www.princeton.edu/~pear/experiments.html>. Das Experiment wird von Thomas Ludwig durchgeführt, der auch die Software für die Bildschirmdarstellung – ganz ähnlich den PEAR-Versuchen, vgl. <http://www.princeton.edu/~pear/images/hm-reg.jpg> und <http://www.princeton.edu/~pear/images/single-operator-graph.jpg> – entwickelt hat. Allerdings beruht das Generieren der Zufallsfolge auf einem anderen Prinzip als dem in Princeton angewandten, nämlich auf dem Gerät „Quantis“ der Firma ID Quantique (IDQ), das auf optischer Basis arbeitet und eine erhöhte Sicherheit hinsichtlich nachhaltiger Zufälligkeit des Datenstroms gewährleistet.
Interessent(inn)en an der Teilnahme an diesem Experiment setzen sich zwecks Terminvereinbarung am besten direkt mit Herrn Ludwig ins Einvernehmen, der dazu die e-mail-Adresse <quantenzufall@gmx.at> eingerichtet hat; ein CC an die Adresse <zufallsexperiment@parapsychologie.ac.at> ist erbeten.


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3. KONFERENZEN UND INTERNATIONALE TAGUNGEN
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3.1 Bial-Symposium:

Das 9. Symposium "Behindand Beyond the Brain" der BIAL-FoundationistdemThema "Sleep and Dreams" gewidmet. Wie immer bei Bial werden höchstqualifizierte internationale Experten referieren.
28.-31. März 2012
<http://www.bial.com/en/bial_foundation.11/symposium.19/9th_symposium_.83/%C2%93behind_and_beyond_the_brain%C2%94.a186.html>
(Vorsicht mit Zeilenumbruch innerhalb des Links!)

3.2
Zwei Wiederverlautbarungen (vgl. Newsletter 44, Pkt. 7):

3.2.1
Body, Soul, Spirits and Supernatural Communication
18.-20. Mai 2012, Pecs, Ungarn
<http://ccwe.wordpress.com/2011/10/19/body-soul-spirits-supernatural-communication/>

3.2.2
PA Convention 2012
Die 55. Jahrestagung der Parapsychological Association wird vom 9.-12. August 2012 in Durham, NC stattfinden, in einem
Konferenzhotel nahe dem Rhine Research Center, das gemeinsam mit der Atlantic University
als Organisator fungiert.
<http://parapsych.org/articles/37/119/announcing_the_2012_pa_convention.aspx>



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4. PERSONALIA
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4.1 Bill ROLL

William George Roll II. (3. Juli 1926–9. Januar 2012). Sein Vater war US-amerikanischer Vizekonsul in Bremen, seine Mutter eine Dänin. Seit früher Jugend hatte er persönliche Erfahrungen von OBE (Außerkörperliche Erfahrung), was sein Leben prägte. Während des Zweiten Weltkriegs war Roll in der dänischen Widerstandsbewegung aktiv und nahm auch die dänische Staatsbürgerschaft an – er fühlte sich als „dänischer Junge“. Studiert hat er dann in Berkeley und Oxford; seinen PhD machte er viel später an der Universität von Lund (Schweden) bei Martin Johnson mit einer Arbeit zum Problem des „Überleben des physischen Todes“. Er war zwei Mal verheiratet und hinterläßt eine Witwe, Lydia, drei Kinder und sieben Enkelkinder.
Von 1957 bis 1964 (Rhine’s Emeritierung) war Roll am Parapsychology Laboratory an der Duke University, anschließend war er bis 1985 als Direktor der Psychical Research Foundation tätig, wo er insbesondere in den Bereichen ESP (Außersinnliche Erfahrung), OBE– und zwar OBE Tests mit Keith Harary und EEG-ESP Experimente mit Sean Harribance, unter Mitarbeit von Bob Morris, dem späteren Koestler-Professor in Edinburgh – und Psychokinese (PK) geforscht hat, vor allem aber – seit 1958 – im Bereich von Poltergeistfällen bzw. RSPK, wo er u.a. Wert auf die Messung physikalischer Parameter (geomagnetisches Feld etc.) legte. In diesem Bereich ergab sich insbesondere die Kooperation mit Hans Bender (Freiburg) und Dean Radin. Als theoretisches Modell für RSPK und verwandte Phänomene hat er mit dem „long body“sympathisiert, einer Chiffre für Wirkungen außerhalb der Körpersphäre.
Roll war „Professor of Psychology and Psychical Research“ an der University of West Georgia, verfaßte mehr als hundert wissenschaftliche Abhandlungen und Artikel in Sammelbänden, hat elf Bände der Reihe „Research in Parapsychology“ herausgegeben und vier Bücher publiziert, darunter zuletzt „Unleashed: Of Poltergeister und Murder: The Curious Story of Tina Resch“. Deutschsprachigen Lesern ist er durch sein Kapitel in dem von John Beloff herausgegebenen Band „Neue Wege der Parapsychologie“ (Walter-Verlag 1980) bekannt.
Die letzten Jahre seines Lebens war von fortschreitendem physischem Verfall gekennzeichnet; nun ist er nach langem Leiden erlöst worden.
Video von Bill Rolls Rede an der PRF 2007 <http://www.psychicalresearchfoundation.com/media2.html ab Minute 03:15>.
Einige seiner Aufsätze können von der Seite <http://www.psychicalresearchfoundation.com/papers.html> heruntergeladen werden.


4.2 Jeanne ACHTERBERG

Jeanne Achterberg, mit einigen Büchern über Imagination und Heilung auch deutschsprachigen Lesern bekannt, ehemals Mitarbeiterin von O. Carl Simonton, war eine Vertreterin der transpersonalen Psychologie mit besonderem Interesse an Komplementärmedizin; aufgrund der vielfachen Beziehungen zwischen der transpersonalen Psychologie und der Parapsychologie wie auch des Problems „geistiger Heilung“ sei ihr Ableben auch hier kurz erwähnt. Ich bin Jeanne Achterberg nur ein einziges Mal begegnet, bei der Konferenz Utrecht II; nun ist sie am 07.03.2012 – angesichts ihres Engagements für die Simonton-Methode muß man sagen: tragischerweise – ihrem Krebsleiden erlegen.


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5.     LITERATURHINWEISE
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5.1 Clinical Parapsychology

Lang erwartet, ist dieser Tagungsband der ersten internationalen Konferenz von Experten in „Klinischer Parapsychologie“, die 2007 in Amsterdam stattgefunden hat, nun endlich erschienen, herausgegeben von Wim Kramer (der auch sowohl in unserer Gesellschaft wie auch an der SFU zu diesem Thema referiert hat) und Kollegen; der Band umfaßt 320 Seiten.
Das Thema ist ein sehr spezieller Ausschnitt aus dem gesamten Spektrum der Parapsychologie, aber ein durchaus wichtiger, mit engem Bezug zu Psychotherapie und Psychohygiene. Der Band enthält auch eine überaus umfassende Bibliographie.
Perspectives of Clinical Parapsychology.An Introductory Reader.

Edited by Wim H. Kramer, Eberhard Bauer, Gerd H. Hövelmann.
320 Seiten
Verlag Stichting Het Johan Borgman Fonds (2012)
ISBN 9789081835701
(Inhalt und Bestelldetails: <http://parapsychologie.ac.at/Flyer_ClinicalParapsychology.pdf>)


5.2
Sodann zwei Bücher aus dem Bereich der Thanatologie, wobei es scheint, daß sich das Un-Wort „Nahtod“ nicht mehr ausrotten läßt; es handelt sich um eine schlechte deutsche Übersetzung des englischen „Near Death“ was besser mit Todesnähe wiederzugeben wäre (Near Death Experience, NDE = Todesnähe-Erfahrung). Überdies ist es, insbesondere akustisch, leicht mit „Nachtod“ zu verwechseln, z.B. Nachtod-Kontakte, NTK (After Death Communication, ADC), der anscheinende Begegnung mit Verstorbenen in verschiedenen Modalitäten.
Vom Sprachlichen einmal abgesehen – beide Bücher setzten sich, jeweils verschiedene Aspekte beleuchtend, mit dem Leib-Seele-Problem (oder Gehirn-Seele-Problem) auseinander, was impliziert, daß sie über den einzelwissenschaftlichen Bereich der Parapsychologie hinaus weisen.


5.2.1
Bei dem Titel „Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen“ von Günter Ewald hat mich der Untertitel neugierig gemacht, er stellt nämlich die Frage „Gibt es eine unsterbliche Seele?“. Nun ist die „unsterbliche Seele“ ein Begriff, den man heute selten hört, auch nicht in Kreisen der (röm.-kath.) Theologie. Das Buch ist, wie gleich beim ersten Aufschlagen deutlich wird, von einem pointiert christlichen Standpunkt aus verfaßt. Es resümiert zunächst durchaus Bekanntes, wie Berichte über Tunnelvision, Lichtwesen, Lebenspanorama etc., hat aber in diesem Teil besonderen Wert darin, daß eine ganze Reihe von Erlebnisberichten abgedruckt sind, die dem Autor von Lesern früherer Werke oder Hörern seiner Vorträge zugesandt worden sind. Wertvoll sind dabei so manche Details, wie die Aussage „[…] ich schwebte immer weiter von mir weg […] und jemanden hörte ich nach Sauerstoff schreien. Und in dem Moment, als ich beatmet wurde, musste ich in meinen Körper zurück“ oder die Tatsache, daß eine Person, die ein solches Erlebnis hatte, angibt, später mehrere Selbstmordversuche gemacht zu haben. Leider diskutiert der Autor beides nicht, obgleich er die Hypothese, außerkörperliche Erfahrung durch den Sauerstoffmangel im Gehirn zu erklären, klar ablehnt; allgemein wird ein derartiges Erlebnis als suizidpräventiv angesehen, was offenbar zu revidieren ist. Hingewiesen wird auf die Bedeutung von NDE in Fällen von Herzstillstand, allerdings läßt der Autor die noch interessanteren Fälle, wo eine Null-Linie des EEG geschrieben worden ist, unerwähnt. Interessant sind auch Fälle, die er (vielleicht nicht ganz glücklich) als „gemeinsame Nahtoderlebnisse“ bezeichnet. Einem kurzen Psi-Kapitel folgt eine populäre Darstellung der Quantenphysik, später auch folgerichtig der Hinweis auf Forschungen Dean Radin’s unter dem Gesichtspunkt der Verschränkung. Die Entstehung bzw. Funktion von Bewußtsein wird unter den Gesichtspunkten von Quantenphysik und Chaostheorie diskutiert. Die Seele wird als Ganzheit verstanden, welche alle für die Individualität eines Menschen mit charakteristischen, vom Körper trennbaren Eigenschaften umfaßt. Originellerweise hat für den Autor nun jeder Teil des Bewußtseins einen „Zwillingsbruder“ in der Seele, mit dem er durch eine nicht kausale Korrelation verbunden oder kurz „verschränkt“ ist. (Man fragt sich, wie weit diese Verdopplung mit dem Prinzip der Denkökonomie vereinbar ist.) Im Schlußkapitel „Unsterbliche Seele und christlicher Auferstehungsglaube“ diskutiert der Autor seine Seelenvorstellung gegenüber verschiedenen theologischen Positionen, wobei er insbesondere die Position von Gisbert Greshake einer „Auferstehung im Tod“ als hilfreich bezeichnet. Das geht freilich weit über jegliche Problemstellung der Parapsychologie hinaus, eigentlich könnte ich daher hier jetzt abbrechen. Trotzdem darf ich kurz anmerken, daß mir Greshakes Ausspruch, dessen ich Zeuge geworden bin, „wenn ich etwas von der ‚unsterblichen Seele’ höre, dann habe ich schon genug“ aus seiner Zeit, als er in Wien Professor war, noch sehr gut erinnerlich ist. Insofern erscheint der Untertitel etwas befremdlich, wenn auch durch das Fragezeichen gemildert.

Günter Ewald:
Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen: Gibt es eine unsterbliche Seele?
176 Seiten
Verlag Butzon & Bercker (2011)
ISBN 9783766615442


5.2.2
Ein sehr interessantes und wichtiges Werk mit dem Titel „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet“ hat Michael Nahm vorgelegt, der sich in den letzten Jahren mit zahlreichen Aufsätzen zu verschiedenen Themen der Parapsychologie sehr profiliert hat und auf dessen früheres Buch „Evolution und Parapsychologie: als Grundlagen für eine neue Biologie und die Wiederbelebung des Vitalismus“ bereits im Newsletter N° 31 (Pkt. 4) hingewiesen worden ist.
Der Hauptteil dieses neuen Buches beschäftigt sich mit Fällen von „terminaler Geistesklarheit“, also mit dem merkwürdigen Phänomen, daß manche Patienten (Alzheimer-Patienten, Geisteskranke, Koma-Patienten) mehr oder minder kurz vor ihrem Tod wieder zu auffallender, wenn auch nur kurz anhaltender Geistesklarheit gelangen, was hirnphysiologisch kaum erklärbar ist. Der Autor hat das Verdienst, derartige Fälle, die sich in der einschlägigen, vor allem älteren Literatur weit verstreut finden, gesammelt und zusammengefaßt dargestellt zu haben.
Auch hinsichtlich eines weiteren, merkwürdigen Befundes – der Anencephalie bzw. Hydranecephalie – gilt, daß die vorgefunden Fakten mit dem gegenwärtigen theoretischen Erklärungshorizont kaum vereinbar sind, weshalb sie auch relativ unbekannt geblieben sind, bis der US-amerikanische Neurologe John Lorber sie ins Bewußtsein weiterer Kreise gerückt hat: Menschen, bei denen große Areale des Gehirns zerstört sind, die aber dennoch keine oder kaum Defizite aufweisen.
Der Autor stellt weiters Fälle von Inselbegabungen („Savants“) vor, häufig vergesellschaftet mit Autismus, und stellt (wiederum) die Frage, ob das Gehirn nicht am besten als ein „Filter“ zu betrachten ist, eine Idee, die sich ebenfalls bereits in der älteren Literatur findet.
Ein Kapitel über außerordentliche körperliche Phänomene faßt Erscheinungen wie die Heilungen von Lourdes, Spontanheilungen, insbesondere die wenig bekannten Spontanheilung im Kontext von Todesnäheerfahrungen, sowie religiöse Stigmatisation und suggestive Effekte, insbesondere in Hypnose, zusammen, bis hin zu Fällen von „psychogenem Tod“. Besonders interessant ist dabei der Zeitfaktor – Heilungen scheinen nicht prozeßhaft abzulaufen, sondern instantan zu erfolgen.
Außerkörperliche Erfahrungen (außerhalb von NDE) und diverse Sterbebettphänomene – Abholer, Musikwahrnehmung, Lichterscheinungen – sind weitere Kapitel.
Durchgängig ist es dem Autor ein Anliegen, die starre Korrelation zwischen Gehirn und psychischem Leben in Frage zu stellen; immer wieder greift er auf die Medizin und Psychologie der Romantik (insbesondere Justinus Kerner und Gotthilf Heinrich von Schubert) zurück, nicht nur, weil sich im medizinischen Schrifttum jener Zeit einschlägige Berichte häufiger fanden als heutzutage, wo das rein deskriptive Element des Geschehens rund um das Krankenbett oder Sterbelager in den Hintergrund getreten ist, sondern auch, weil der Autor auch im damaligen theoretischen Konzept (Lebenskraft, Nervengeist etc.) einen in nuce adäquateren Ansatz erkennt als im heutigen wissenschaftlichen d.h. weitestgehend materialistischen Weltbild. Das mag durchaus so sein, aber dennoch gilt festzuhalten, daß mit einer bloßen Zuordnung der Phänomene zu einer „Seele“ statt, wie heute, zur Physiologie des Zentralnervensystems noch nichts hinsichtlich ihres Zustandekommens erklärt ist. In der Tat war die Romantik – das „magnetische Zeitalter“ im Nachhang von Franz Anton Mesmer – die Blütezeit der Beschäftigung mit jenem Gebiet, das heute als Grenzgebiete der Psychologie bezeichnet wird. Man muß sich jedoch davor hüten – nicht, daß ich dies dem Autor unterstellen würde, sondern ganz allgemein gesagt –, deswegen in eine romantisierende Verklärung der Romantik zu verfallen. Jede Epoche, auch die Gegenwart, steht vor der Aufgabe, die Welt und ihre Phänomene mit dem Begriffsystem und der Terminologe des jeweiligen Standes der wissenschaftlichen Erkenntnis zu erklären; Rückgriffe sind zwar interessant, aber jedenfalls müssen alternative Erklärungsmodelle auf ihre argumentative Tragfähigkeit hin untersucht und gegeneinander abgewogen werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, daß Michael Nahm hier eine überaus wichtige Kompilation empirischer Daten vorgelegt hat, die in zweifacher Hinsicht interessant sind: sowohl, was Desiderata auf der einzelwissenschaftlichen Ebene (mögliche neue Forschungsprojekte) betrifft, wie auch, was die Bedeutung einer Gesamtschau der Phänomene für das individuelle Weltbild betrifft.

Michael Nahm:
Wenn die Dunkelheit ein Ende findet: Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe
288 Seiten
Verlag Crotona (2012)
ISBN 9783861910244


5.3
Bücher zur „historischen Parapsychologie“

5.3.1
Über den berühmten und gut dokumentierten Spukfall des Melchior Joller aus der Mitte des 19. Jhdts. und das (leider mittlerweile abgerissene) Spukhaus in Stans (Schweiz):

Lukas Vogel:
Schreckliche Gesellschaft: Das Spukhaus zu Stans und das Leben von Melchior Joller
Verlag Hier+Jetzt (2011)
ISBN 9783039192373

5.3.2
Über die Parapsychologie in Frankreich während der sehr interessanten Periode von der Mitte des 19. Jhdts. bis in die Dreißiger-Jahre des 20. Jhdts. bzw. von Kardec bis Osty, also die Zeit der „großen Medien“ umfassend (in englischer Sprache):

Sofie Lachapelle:
Investigating the Supernatural: From Spiritism and Occultism to Psychical Research and Metapsychics in France, 1853-1931
198 Seiten
Verlag Johns Hopkins University Press (2011)
ISBN 9781421400136


5.4
Parapsychologie und Kunst / Ausstellungskataloge

5.4.1
Ausstellungskatalog „Gespenster, Magie und Zauber in der Kunst“ der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung im Staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg „neues museum“:
Der für die Parapsychologie relevante Anteil ist eher bescheiden; immerhin gibt es ein paar „Geisterphotographien“ sowie ein Kapitel über Gabriel Max und den Spiritismus.

Melitta Kliege
Gespenster, Magie und Zauber in der Kunst: Konstruktionen des Irrationalen von Füssli bis heute
160 Seiten
Verlag für moderne Kunst (2012)
ISBN 9783869842929

5.4.2
Ausstellungskatalog „Wunder“ zur kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung in Hamburg, Deichtorhallen <http://deichtorhallen.de/index.php?id=213> bzw. <http://www.wunder-ausstellung.de/>:
Die Ausstellung beinhaltete eine Reihe von parapsychologisch relevanten Objekten, z.B. die bekannten Gipsabgüsse von Paraffinhohlformen, die in den Sitzungen mit dem Medium Franek Kluski erhalten wurden und im Institut Métapsychique International <http://metapsychique.org/>, Paris, aufbewahrt werden, Bilder von den Forschungen von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing und dergleichen. Leider ist jedoch der parapsychologische Anteil im Vergleich mit der Gesamtheit der Objekte eher bescheiden.

Daniel Tyradellis, Beate Henschel, Dirk Luckow (Hrsg.):
Wunder. Ausstellung: Deichtorhallen Hamburg299 Seiten
Verlag Snoeck (September 2011)
ISBN 9783940953902



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6. JAMES RANDI UND DIE CHRONIQUE SCANDALEUSE
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James Randi <http://randi.org/>, bekanntlich die Galionsfigur der Skeptikerbewegung, sieht sich vor dem Problem (zu dem er, wie die gesamte Skeptiker-Gemeinschaft, vorderhand schweigt), daß laut Presseberichten sein Partner wegen des Verbrechens des Identitätsdiebstahls festgenommen und angezeigt worden ist.
Siehe <http://www.dailygrail.com/blogs/Steve-Volk/2012/3/top-10-developments-fringe-ology-5> (mit weiterführenden Links).


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7. PROGRAMMVERSAND
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Wenn Sie den elektronischen Versand unseres Vortragsprogramms (statt des traditionellen gedruckten Programms auf Papier) bevorzugen, senden Sie bitte eine mail an die Adresse <programmversand@parapsychologie.ac.at> (leere mail genügt).


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 44 – Wien, 17.12. 2011

 
 
INHALT:
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  1. Neues online-Experiment
  2. Literaturhinweise
  3. Gesellschaft für Anomalistik – „Studie des Monats“
  4. UFO-Informationen
  5. Personalia
  6. Vorträge und Veranstaltungen
  7. Konferenzen und internationale Tagungen
  8. Ausstellungen
  9. Stellenausschreibung
  10. Smartphone-Apps
  11. Trauminhalte gemessen
  12. Feiertagswünsche

 
1.    NEUES ON-LINE-EXPERIMENT:
 
Dean Radin, Senior Scientist am Institute of Noetic Sciences, das 1973 vom Apollo 14 Astronauten Edgar D. Mitchell gegründet worden ist, hat ein neues online-Experiment ins Web gestellt (derzeit noch in der beta-Version, in Kürze final). Die Forschungsfrage ist die Interaktion zwischen Bewußtsein und Quantensystemen, wofür interessanterweise eine optische Doppelspalt-Anordnung verwendet wird.
Zum Experiment (in englischer Sprache) ==> http://www.ionsresearch.com/.
 
 
2.     LITERATURHINWEISE:
 
2.1
Dieter HASSLER:
… früher da war ich mal groß. Und … – Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt
Shaker Media, Aachen, 2011
ISBN 978-3868586466
 
Das Buch unternimmt es, auf nahezu 500 Seiten alle Aspekte anscheinender Reinkarnation zu beleuchten; außer zahlreichen bereits aus Stevensons Standardwerken bekannten Fällen werden auch zwei neue Fallstudien aus Deutschland dokumentiert. Außer den immer wieder vorkommenden intellektuellen Leistungen („Erinnerungen“ an Namen, Orte; „Wiedererkennen“ von Personen) sind besonders „birthmarks“ von Interesse, welche eine Entsprechung zu Todeswunden der (postulierten) Vorexistenz aufweisen. Besonders merkwürdig sind „Erinnerungen“ an die Zeit zwischen dem Tod der „Vorexistenz“ und der Geburt. Der Verfasser, selbst auf dem Boden der Reinkarnationshypothese stehend, setzt sich sehr eingehend mit diversen Alternativhypothesen auseinander. Das Buch weist ein ausführliches Literaturverzeichnis auf und ist durch mehrere Indizes aufgeschlossen. Erlendur Haraldsson - den regelmäßigen Besuchern unserer Vorträge wohlbekannt - hat dem Buch ein Vorwort mitgegeben, das ein profundes Kompendium für diesen Fragenkomplex darstellt. (Ein weiterer Band ist in Planung.)
 
2.2
Gerhard MAYER und Michael SCHETSCHE:
N gleich 1: Methodologie und Methodik anomalistischer Einzelfallstudien. Mit einem Beitrag von Wolfgang Fach.
Gesellschaft für Anomalistik, 2011
ISBN 978-3937361116
 
Der Titel sagt alles (egal, ob man nun von Anomalistik oder von Parapsychologie sprechen möchte): es stellt sich die Frage nach dem methodischen Umgang mit spontan auftretenden Fällen außergewöhnlicher Erfahrung (AgE), die massiv genug erscheinen, daß man sie nicht unberücksichtigt lassen kann; weiters erinnert die Problemstellung an die „klinische Studie“ bzw. Fallbeschreibung und mag überdies zu einer grundsätzlichen Reflexion idiographischer vs. nomothetischer Ansätze innerhalb einer Disziplinen führen. Mehrere Fallberichte runden als praktische Beispiele den Band ab.
 
2.3
Lucius WERTHMÜLLER und Dieter HAGENBACH:
Albert Hofmann und sein LSD: Ein bewegtes Leben und eine bedeutende Entdeckung
AT Verlag, Baden, 2011
ISBN 978-3038005308
 
Das LSD des im Alter von über 100 Jahren verstorbenen Chemikers Hofmann ruft bekanntlich veränderte Bewußtseinszustände hervor; veränderte Bewußtseinszustände sind für das Auftreten paranormaler Phänomene von Bedeutung – auf diesem Umweg hat somit dies Buch über den Entdecker des LSD auch für uns eine gewisse Relevanz. Der Autor Werthmüller war mit Hofmann befreundet; Stan Grof hat das Vorwort verfaßt. Das reich illustrierte Buch ist ganz neu – ich habe es soeben erhalten und bin noch nicht zur Lektüre gekommen.
 
Bücher eignen sich bekanntlich besonders für Feiertagslektüre, ebenso auch als Weihnachtsgeschenke in letzter Minute …
À propos Buchgeschenke: von dem Buch unseres szt. Ehrenpräsidenten, Prof. Hofmann, PSI - die „andere Wirklichkeit“, sind noch Restexemplare verfügbar.
 
Noch zwei Hinweise auf englischsprachige Bücher:
 
2.4
Remo F. ROTH:
Return of the World Soul: Wolfgang Pauli, C.G. Jung and the Challenge of Psychophysical Reality
Pari Publishing, 2011
ISBN 978-8895604121
 
Der Jung zwar nahestehende, aber über ihn hinausgehende Schweizer Autor setzt sich in recht anspruchvoller Weise nicht nur mit Jungianischen Begriffen wie dem kollektiven Unbewußten oder den Archetypen auseinander, sondern auch mit dem Physiker Pauli und den von den beiden Denkern erarbeiteten Modellen wie der Synchronizität, wodurch der Bezug zur Parapsychologie gegeben ist. Ein noch tieferes Eingehen darauf, insbesondere, was man scherzhaft als Pauli-Effekt bezeichnet hat, ist für den Folgeband vorgesehen, der nächstes Jahr erscheinen soll.

2.5
Filippo BOTTAZZI:
Mediumistic Phenomena: Observed in a Series of Sessions with Eusapia Palladino
ICRL Press, 2011
ISBN 978-1936033058
 
Eine Beschreibung der berühmten, mehr als einhundert Jahre zurück liegenden Sitzungen, die von einem Untersucherkollegium mit Eusapia in Neapel abgehalten worden sind – auch heute noch von Bedeutung. Obwohl Eusapia eines von vielen physikalischen Medien war, waren manche ihrer Phänomene derart herausragend, sodaß sie als ein einmaliger Fall aufgefaßt werden kann (was sich mit der Fragestellung von Pkt. 2.2 berührt). Interessant auch der Verlag: ICRL Press - Consciousness Books gehört zu den ICRL - International Consciousness Laboratories, die ihrerseits die Nachfolge von PEAR (Princeton Engineering Anomalies Research) angetreten haben.
ICRL: <http://www.icrl.org/>
PEAR: <http://www.princeton.edu/~pear/>
 
 
3.    GESELLSCHAFT FÜR ANOMALISTIK – „STUDIE DES MONATS“:
 
Die deutsche „Gesellschaft für Anomalistik e.V.“ pflegt jeweils eine „Studie des Monats“ vorzustellen, die im Web verfügbar ist (open access).
Derzeit sind über die Links auf der Seite <http://www.anomalistik.de/aktuell/sdm/> die aktuelle Studie „Sonderbares Tierverhalten im Vorfeld von Erdbeben“ sowie 14 weitere Studien zu verschiedenen Themen abrufbar, mit Themen wie „Haben spiritistische Medien eine Neigung zur dissoziativen Persönlichkeitsstörung?“, „Die Esoterik in der gegenwärtigen Forschung: Überblick und Positionsbestimmung“ oder „‚Pseudowissenschaft’ als Kampfbegriff – Reflexionen zum Demarkationsproblem“.
 
 
4.    KRITISCHE DARSTELLUNG DES UFO-PHÄNOMENS:
 
Die neue Website <http://ufo-information.de/> ist ins Leben gerufen worden, um eine zusammenfassende kritische Darstellung der UFO-Problematik zu erlauben.
 
 
5.     PERSONALIA:
 
Viktor Farkas (30. 05. 1945 - 01. 11. 2011)
 
Der bekannte Sachbuchautor Viktor Farkas, der in den 1990er-Jahren auch in unserer Gesellschaft (damals noch an der Technischen Universität) einen Vortrag gehalten hat, ist kürzlich verstorben. Farkas, primär international im PR-Bereich tätig, hat mit seinen Büchern verschiedene Themenkomplexe abgedeckt, außer den für uns relevanten Werken wie „Unerklärliche Phänomene jenseits des Vorstellbaren“, „Jenseits des Vorstellbaren. Ein Reiseführer durch unsere phantastische Wirklichkeit“, „Rätselhafte Wirklichkeit. Aus den Archiven des Unerklärlichen“ und „Neue unerklärliche Phänomene“, die sämtlich interessant zu lesende Kompilationen darstellen, auch Bücher über Science Fiction und, last not least, über konkrete gesellschaftliche und politische Entwicklungen. In diesem Genre hat er als einer der Erfolgsautoren des Kopp-Verlags Standpunkte vertreten, die man üblicherweise – ob zu Recht oder zu Unrecht sei hier dahingestellt – als „Verschwörungstheorien“ bezeichnet; darauf angesprochen pflegte er zu replizieren, er sei kein Verschwörungstheoretiker, sondern ein Verschwörungspraktiker. Farkas, äußerst belesen und auch an Zeitgeschichte interessiert, war ein höchst origineller, humorvoller Mensch, der nie mit dem Zeitgeist geschwommen ist und keiner Diskussion aus dem Weg ging. Er war auch ein führendes Mitglied der „Mensa“, der Vereinigung der Super-Intelligenten, und überdies war er auch graphisch sehr begabt.
Siehe auch die Gedenkseite der Wiener Science Fiction-Runde.
 
 
6.    AUSBLICK AUF VORTRÄGE UND VERANSTALTUNGEN:
 
6.1
Unser nächster Vortrag – der erste im Jahr 2012 – findet plangemäß am 16. Jänner statt.
 
6.2
Vortrag „Zweieinhalb Jahrhunderte Forschung auf Grenzgebieten – Parapsychologie in Österreich“ am 26. Jänner 2012 in der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte mit der wir schon mehrfach Kooperationsveranstaltungen durchgeführt haben (z. B. 2006 das Mesmer-Symposium).
 
6.3
Veranstaltungen im Sommersemester 2012 und darüber hinaus:
 
unter anderem ist diesmal auch ein Workshop geplant (Samstag, 21. April), mit Alexis Champion (von IRIS I.C.) in englischer Sprache. Thema: Remote Viewing.
Darüber hinaus wird Alexis Champion am 23. 04. 2012 einen Vortrag zu demselben Thema halten; während beim Workshop die praktischen Elemente im Vordergrund stehen, wird sich der Vortrag mit der Theorie, den Resultaten von Remote Viewing und der geschichtlichen Entwicklung beschäftigen.
Vgl. dazu auch die Informationsbroschüre (pdf-Dokument in französischer Sprache).
 
Für voraussichtlich Juni 2012 ist ein Vortrag von Shulamit Kreitler (Universität Tel Aviv) geplant, deren letzter Vortrag bei uns schon lange zurück liegt.
 
In weiterer Folge möchten wir auch Dieter Hassler (vgl. Pkt. 2.1) zu einem (Doppel-)Vortrag (Mo/Di) über die Reinkarnationsproblematik einladen, aber das wird frühestens im Wintersemester 2012/13 möglich sein, und zwar aus Kostengründen.
 
Überhaupt gibt unsere finanzielle Situation – durchaus parallel zur gesamteuropäischen Entwicklung – Anlaß zu Besorgnis; wir suchen daher Sponsoren und freuen uns über jede Spende (heuer noch steuerlich absetzbar, ab 01. 01. 2012 aufgrund einer Gesetzesänderung nicht mehr, vgl. Hinweis auf unserer Website).
 
Eine aufwärts weisende Mitgliederentwicklung wäre auch finanziell positiv – daher unsere Bitte, potentielle Interessenten auf unsere Gesellschaft hinzuweisen bzw. neue Mitglieder für unsere Gesellschaft zu werben.
Und zwar „shortly – shortly, without von delay“ (copyright: Maria Fekter) ;-)
 
 
7.    KONFERENZEN UND INTERNATIONALE TAGUNGEN:
 
7.1
Body, Soul, Spirits and Supernatural Communication:
 
A three day international conference at the headquarters of the Regional Committee of the Hungarian Academy of Sciences, Pécs, Hungary
18th-20th May 2012, Friday to Sunday
Organised by
the Department of Ethnology and Cultural Anthropology of Pécs University
the Folklore Department of the Hungarian Ethnographic Society
and the ISFNR Belief Narrative Research Network
 
7.2
PA Convention 2012
Die 55. Jahrestagung der Parapsychological Association wird vom 9.-12. August 2012 in Durham, NC stattfinden, in einem Konferenzhotel nahe dem Rhine Research Center, das gemeinsam mit der (relativ neuen) Atlantic University als Organisator fungiert.
 
 
8.     AUSSTELLUNGEN:
    
8.1
Gespenster, Magie und Zauber. Konstruktionen des Irrationalen in der Kunst von Füssli bis heute
Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg
(bis 26. Feb. 2012)
 
8.2
Geisterstunde – eine Ausstellung
Mühlerama – Mühle Tiefenbrunnen, Zürich
(nur noch bis Jahresende)
Kleiner Flyer zur Ausstellung

8.3
Die Geister Europas oder die Faszination für das Okkulte
Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Strassburg
(bis 12. Feb. 2012)
Illustrierte Informationsbroschüre
Besonders interessant ist, daß das weltweit einzige erhaltene Mesmersche Bacquet ausgestellt ist.
 
 
9.    STELLENAUSSCHREIBUNG:
 
Doktorandenstelle an der Universität Fribourg / Schweiz, am Lehrstuhl für Vergleichende Religionsgeschichte und Interreligiösen Dialog
 
Im Rahmen eines DFG-Forschungsverbundes; Thema „Der Spiritismus und die modernen Medien (1770-1850)“, Inhalt: Die Geschichte der (technischen) Medien des 20. Jahrhunderts ist ohne den Spiritismus nicht zu verstehen, weil dessen ‚Geisterkommunikation‘ Strukturmerkmale (z.B. Fernwirkungen) besaß, die auch die technischen Medien denkmöglich machten. Dazu anthropologische Debatten, in denen psychische Wirkungen nicht mehr externen Faktoren („Geistern“), sondern internen Faktoren („Unterbewußtsein“, „übersinnliche Erkenntnis“) zugeschrieben wurden. Die Ursprünge dieser Transformation in den Jahrzehnten um 1800 sollen in der Dissertation untersucht werden.
Anforderungen: geschichtswissenschaftliche Ausbildung, Grundkenntnisse des Französischen und Lateinischen, Präsenz in Fribourg; Laufzeit drei Jahre, Beginn: ab Februar 2012.
Bewerbungen mit CV und einem Lettre de motivation bis Jahresende an: Helmut Zander.
 
 
10.    SMARTPHONE-APPS:
 
10.1
iPhone-App für EVP
<http://soundcloud.com/groups/paranormal-recordings>
Das ist ein bloßer Hinweis darauf, was es in der Szene alles gibt, keineswegs eine Empfehlung, weder für die konkrete Application noch für die Beschäftigung mit „paranormalen“ Tonbandstimmen überhaupt, die durchaus gewisse psychische Risken mit sich bringt (Abhängigkeit, Suchtverhalten etc.).
 
10.2
ESP Trainer by Russell Targ – iPhoneApp für ESP-Tests
Ein Feedback-„Trainingsprogramm“ für iPhone bzw. iPod, das jeweils 4 Ratemöglichkeiten erlaubt; eine Version für Android-Handys ist in Vorbereitung.
Auf Targs Website <http://www.espresearch.com/> gibt es übrigens eine Seite mit zahlreichen interessanten Links (nota bene: „interessant“ bedeutet aber nicht notwendigerweise „verläßlich“ oder „wissenschaftlich abgesichert“ …).
 
10.3
Ghost Hunter M2 iPhone app, Ghost Séance, Ghost Radar, iOvilus etc.
The Wall Street Journal.
Das Interesse an der nicht unproblematische Tätigkeit der „Ghostbusters“ scheint zu boomen, sowohl bei Amateuren wie auch bei professionellen „medialen Dienstleistern“.
 
 
11.    TRÄUME – TRAUMINHALTE:
 
„Wissenschaftler messen erstmals Trauminhalte“: Bericht der Max-Planck-Gesellschaft
mit weiterführenden Links.
 
 
12.     ANLÄSSLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …
 
Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters – Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern – EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und viel Glück im Neuen Jahr!
 
 
Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 43 – Wien, 03. 10. 2011



INHALT:


1. Vortragsprogramm Wintersemester 2011/12
2. Aktuelle Diskussionen
3. Forschungsprojekte
4. Esoterik kritisch hinterfragt
5. Personalia
6. Internationale Konferenzen
7. Digitale Bibliothek
8. Höllentore
9. Korrektur



1. VORTRAGSPROGRAMM:


10. Oktober 2011
Bernd Saletu
Schlaf und Traum

21. November 2011
Marco Bischof
Feldkonzepte in Physik, Biologie, Psi- und Bewusstseinsforschung

Di, 22. November 2011
Marco Bischof
Verbundenheit

05. Dezember 2011
Felix de Mendelssohn
Erkundungen über das Unheimliche

16. Jänner 2012
Peter Mulacz
Von der Telepathie zur non-lokalen Bewusstheit


Wie immer, ist das Programm auf unserer Internetpräsenz <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar und ist bereits auch per Post an unsere Mitgliedern sowie registrierte Interessenten ausgesandt worden.

Die Beginnzeiten der Vorträge sind in diesem Semester unterschiedlich. Durch glückliche Umstände konnten wir dem Wunsch vieler Mitglieder nachkommen, bereits um 19:00h (pünktlich) zu beginnen, allerdings ist der eine Vortrag am Dienstag ein „Ausreißer“ und wir fangen erst um 20:00h mit akademischem Viertel an.

Wie üblich ein paar weiterführende Angaben zu den einzelnen Vorträgen:

Während über die Bedeutung der Träume im Rahmen der Parapsychologie bereits mehrfach vorgetragen worden ist, zuletzt von Stanley Krippner über experimentelle Traumtelepathie, wird Bernd Saletu das notwendige Hintergrundwissen dazu liefern, indem er über die Ergebnisse moderner Schlafforschung und Schlafmedizin referiert, schließlich ist der Traum ja ein Phänomen des Schlafes. Als szt. Leiter des Bereichs für Schlafforschung und Pharmakopsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien, seit 1994 auch Leiter des Schlaflabors im Rudolfinerhaus in Wien, ist er prädestiniert, den aktuellen Forschungsstand zur Physiologie des Schlafes darzustellen.

Marco Bischof ist ein Wissenschaftsautor mit einem weit gestreuten Spektrum von Interessen, wobei er die Grenzgebiete der Natur- und Geisteswissenschaften von einem interdisziplinären Standpunkt aus betrachtet, wie seine Internetpräsenz <marcobischof.com> zeigt. Wie wir das oft bei ausländischen Referenten zwecks Kostenminimierung handhaben, wird er zwei Vorträge hintereinander halten; am Montag wird er die verschiedenen Konzepte von „Feldern“ analysieren und auf ihre argumentative Tragfähigkeit befragen. Da das Feld eines Magneten, mit Eisenfeilspänen sichtbar gemacht, dem Betrachter ein eindrucksvolles optisches Bild liefert, hat es sich angeboten, vielfach weitere „Felder“ zu postulieren, von den alten Vorstellungen eines „Seelenfeldes“ über ein „Fünftes Feld“ oder „Psi-Feld“ (Ervin László) bis zu den „morphischen Feldern“ (Rupert Sheldrake).

An Dienstag spricht Marco Bischof über „Verbundenheit“. Nun ist „Allverbundenheit“ ein altes Motiv in Okkultismus und Esoterik – man muß vorsichtig sein, daß man bei derartigen Überlegungen nicht ein unwillkommenes Etikett abbekommt. Immerhin weisen jedoch die Forschungen der Quantenphysik zu den Effekten miteinander verschränkter Teilchen in dieselbe Richtung, wie man auch die emotionale Verbindung von Individuen im Fall spontaner Telepathie als „entanglement“ beschreiben könnte. Unser Referent wird dieses „partizipative Weltbild“ mit der notwendigen Differenziertheit vortragen.

Der bekannte, an der Sigmund Freud PrivatUniversität, aber auch in Berlin, lehrende Psychoanalytiker Felix de Mendelssohn wird in seinem Referat über das vordergründig Unheimliche insbesondere auf die Konvergenzen und Divergenzen zwischen Parapsychologie und Psychoanalyse zu sprechen kommen, ähnlich wie in seinem Buch (vgl. Newsletter 42, Pkt. 5.6). Während wir uns im Freud-Jahr 2006 zentral mit Freuds Beziehungen zur Parapsychologie beschäftigt haben, geht es diesmal auch um aktuelle Fallstudien.

Im letzten Vortrag des Semesters – nach dem Jahreswechsel – geht es um den Begriff der Telepathie, den ich im Kontext unterschiedlicher Erklärungskonzepte kritisch analysieren werde. Historisch spannt sich der Rahmen zumindest von der Gründung der SPR bis zur Gegenwart, wo versucht wird, Phänomene der Parapsychologie und der Quantenphysik in eine Zusammenschau zu bringen. Ich erinnere dabei an die beiden Vorträge („Synchronizitätserscheinungen“ bzw. „Geschichten“) von Hartmann Römer im Wintersemester 2009/10.


2. AKTUELLE DISKUSSION

2.1 Dem Pro und Contra hinsichtlich der Versuchsergebnisse von Daryl Bem zur Präkognition war bereits im letzten Newsletter ein Beitrag – ebenfalls Punkt 2.1 – gewidmet. Mittlerweile geht die Diskussion weiter; besonders ist auf einen Artikel von Bem gemeinsam mit der Statistikerin Jessica Utts u.a. hinzuweisen, in dem die Autoren auf die Einwände von Wagenmakers et al. antworten und insbesondere Fragen der Datenanlyse diskutieren.

2.2 The Top 5 Mad Scientists In The World

Hier firmieren Dean Radin, Daryl Bem und Rupert Sheldrake an der Spitze; man darf nicht an an der Überschrift hängen bleiben, zu lesen ist nämlich folgender Text, der mehr sein mag als bloß eine salvatorische Klausel: „We call them ‘mad scientists’ here not because they are crazy and share insane delusions, but because they pursue what most scientists would call ‘pseudosciences’“.
<http://beforeitsnews.com/story/549/799/The_Top_5_Mad_Scientists_In_The_World.html>

2.3 Ausstellung

Das Museum in der Mühle Tiefenbrunnen am Stadtrand von Zürich veranstaltet bis Jahresende die Ausstellung „Geisterstunde“.
<http://www.muehlerama.ch/index.php?id=11>


3. AKTUELLE FORSCHUNGPROJEKTE

3.1 Gesellschaftliche Innovation durch nichthegemoniale Wissensproduktion. Okkulte Phänomene zwischen Mediengeschichte, Kulturtransfer und Wissenschaft.
<http://gepris.dfg.de/gepris/OCTOPUS/;jsessionid=5BCFD52885DF7B310E1C64E8AFE1D0DC?module=gepris&task=showDetail&displayMode=print&context=projekt&id=182352275>

3.2 NDE-Umfrage:
Umfrage für Personen, die eine Todesnäheerfahrung hinter sich haben, ob sie irgendwelche Anomalien im elektromagnetischen Bereich erleben (ungewöhnliches Verhalten von Armbanduhren, von Glühlampen, von Computern …):
<https://www.surveymonkey.com/s/69QP5CM>
 


4. ESOTERIK KRITISCH HINTERFRAGT

Die Folien zu meinem Referat „Esoterik kritisch hinterfragt“ bei dem 1. Symposium „Wissenschaft kritisch hinterfragt – naturphilosophische Kontroversen“ in Vorau 2011 sind, für die Darstellung im Web als .pdf leicht modifiziert, on-line verfügbar: <http://www.organismicsystems.org/files/events/Vorau/eso-krit.pdf>.


5. PERSONALIA

5.1 Sathya Sai Baba

Sai Baba, indischer religiöser Führer („Guru“), geb. am 23. November 1926 in Puttaparthi, Andhra Pradesh, ist am 24. April 2011 verstorben.

Seine Relevanz in unserem Kontext besteht darin, daß er ein Gegenstand der Forschung von Karlis Osis und Erlendur Haraldsson gewesen ist, die sich für die Echtheit der an ihm beobachteten Phänomene ausgesprochen haben. Freilich sind auch gegen Sai Baba eine Reihe von Betrugsverdächtigungen geäußert worden, von Angriffen hinsichtlich seines Sexualverhaltens ganz abgesehen.

Dabei darf nicht vergessen werden, daß jegliche Feststellung, Phänomene seien im parapsychologischen Sinne „echt“, nur eine Momentanaufnahme ist – zu anderen Zeitpunkten mag vielleicht „nachgeholfen“ worden sein. So ist es bei den Medien, und es gibt keinen Grund, anzunehmen, daß es bei Sai Baba notwendigerweise anders gewesen sein sollte. Erlendur Haraldsson hat über Sai Baba bei uns referiert und dabei sehr überzeugende Details erwähnt; es sei auch auf sein Buch „Sai Baba, ein modernes Wunder“ hingewiesen.
 


5.2 Martin Johnson

Martin Johnson ist nach längerer Krankheit am 17. März 2011 verstorben.

Johnson, ein Schwede, war im Zuge der schwierigen Nachfolgeverhandlungen nach der Emeritierung Tenhaeffs einige Zeit Professor für Parapsychologie an der Universität Utrecht, Niederlande. Nach der Rückkehr in seine Heimat war er Professor emeritus in Lund, wo Bill Roll sein Doktorand war. Johnsons Motto war: „ich gebe niemals auf“.

Ein wichtiges Forschungsgebiet, in dem er selbst auch sehr erfolgreich war, war der Defence Mechanism Test. Seine Überzeugung von der Realität von psi beruhte teils auf eigenen präkognitiven Träumen, teils auf den paranormalen Erfahrungen der Sami, einem Volk in Lappland, wo Johnson aufgewachsen ist. Dennoch – oder vielleicht deshalb – trat er stets für größere Vorsicht beim Aufstellen von Behauptungen auf, und er hatte großes Verständnis für gewisse Skeptiker.
 


5.3 Helmut Schmidt

Helmut Schmidt, ursprünglich ein Deutscher wie sein Namensvetter, der seinerzeitige westdeutsche Bundeskanzler, ist am 21. Februar 1928 in Danzig geboren und am 18. August 2011 verstorben. 1965 in die USA ausgewandert, arbeitete er zunächst in seinem angestammten Beruf als Physiker bei Boeing, war dann ein enger Mitarbeiter von J. B. Rhine (1895 - 1980) und ab 1969 Direktor der Foundation for Research on the Nature of Man (FRNM) (bzw. ab 1995 Rhine Research Center). Weiters war er auch an der Mind Science Foundation in San Antonio, Texas, tätig.

Seine Hauptleistung war die Einführung von Zufallszahlengeneratoren in die Versuchsanordnung, womit er die Experimente zur Mensch-Maschine-Interaktion modernisiert hat.
 


5.4 Milan Rýzl

Während ich mit Martin Johnson und Helmut Schmidt nur eher oberflächlich bekannt war, kannte ich Milan Rýzl weit besser, und überdies gibt es eine Verknüpfung seiner Person zu unserer Gesellschaft. Auch Rýzl war ein Auswanderer: er ist am 22. Mai 1928 in Prag geboren, wo er auch Physik und Chemie studierte und nach seiner Promotion am Institut für Biologie der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften arbeitete. Gleichzeitig führte er sehr erfolgreiche parapsychologische Experimente durch, wobei es ihm darum ging, Hypnose als ein Vehikel für psi-Effekte zu verwenden. Aufsehen erregten seine Versuche mit dem von ihm entdeckten Sensitiven Pavel Stepanek, mit dem später auch viele andere Experimentatoren arbeiteten. Dabei fand Rýzl einen „Fokussierungseffekt“ Stepaneks. Ich danke John Palmer, daß er mir sein Manuskript für einen Nachruf im nächsten Newsletter der PA zur Verfügung gestellt hat und zitiere der Einfachheit daraus den folgenden Absatz:

Stepanek specialized in a particular type of forced-choice ESP test in which a thin card, white on one side and dark (usually green) on the other, was randomly placed white face up or down inside an opaque envelope. By touching the envelope, Stepanek could reliably guess the orientation of the card inside to a statistically significant degree. Later, it was discovered that Stepanek had a tendency to call particular envelopes green or white consistently. This “focusing effect” continued when the small envelopes were inserted in larger envelopes, making psi a viable explanation. This focusing soon supplanted the original simple effect as the focus of Stepanek’s psi. … Briefly, Stepanek was asked to repeatedly guess (50 times or trials) the orientation of the card inside each of 10 envelopes, with the orientation randomly reassigned for each trial. By calculating the “majority vote” (green or white facing up) for each envelope, and converting the votes to a numeric code, Ryzl was able to correctly identify a 3-digit target number, even though Stepanek’s hit rate on individual targets was only (a still impressive) 60%.
Freilich geriet Rýzl immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit der kommunistischen Behörden, sodaß er sich zu einer Emigration in den Westen entschloß, die er sorgsam vorbereitete. Unser damaliger Präsident und späterer Ehrenpräsident, Prof. Hofmann, hat der Familie Rýzl bei ihrer Flucht sehr geholfen, die sie 1967 über Wien in die USA geführt hat, wo er zunächst mit Rhine und dann viel mit Pratt zusammen gearbeitet hat.

Rýzl hat über 100 wissenschaftliche Aufsätze und daneben 20 zumeist eher populäre Bücher publiziert. Er war ein Vertreter der Ansicht, daß jeder Mensch psi-Fähigkeiten besäße, mehr noch, daß diese trainierbar seien und daß sie in Hypnose mobilisiert werden könnten. Er pflegte sogar zu sagen, daß in tiefer Hypnose psi gesetzmäßig auftrete. Mit diesen Aussagen zur angeblichen Trainierbarkeit und zum gesetzmäßigen Auftreten in Hypnose blieb Rýzl innerhalb der parapsychologischen Gemeinschaft der Vertreter einer Minderheitenmeinung. In den psi-Phänomenen sah Rýzl eine Brücke zwischen Naturwissenschaft und Spiritualität bzw. Religion.

In den 1970er-Jahren haben wir mit Rýzl in Wien und NÖ ein paar Vorträge und einen Workshop organisiert, woran ich nur die angenehmsten Erinnerungen habe.

Nun ist Milan Rýzl am 9. Juli 2011 in Sacramento verstorben.



5.5 Lech Emfazy Stefański

Wie erst jetzt bekannt geworden ist, ist Lech Stefański bereits Ende des vergangenen Jahres verstorben. In Warschau am 2. Juli 1928 geboren, war Stefańsky ein bekannter polnischer Schriftsteller, Essayist, Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur – und eben auch (Teilzeit-) Parapsychologe. Er war auf diesem Gebiet sehr aktiv, insbesondere im Rahmen der Polnischen Gesellschaft für Psychotronik. Ein Schwerpunkt seines Interesses war das Werk des polnischen Arztes Jakub Jodko Narkiewicz (1848 - 1905), der menschliche Ausstrahlungen („Aura“) photographiert hat und somit als ein Vorläufer der Kirlian-Photographie gehandelt wird. Am 21. Dezember 2010 ist Stefański in Załubicach verstorben.


6. INTERNATIONALE KONFERENZEN

6.1 Rückblick:

6.1.1 54th Annual Convention of the Parapsychological Association
18.-21. August 2011, Curitiba, Brasilien
<http://www.parapsych.org/section/22/2011_convention.aspx>

6.1.2 35th ANNUAL International SPR Conference
2.-4. September 2011, University of Edinburgh, Schottland
<http://www.spr.ac.uk/main/civicrm/event/info?reset=1&id=29>


6.2 Vorschau:

6.2.1 Parapsychology and Consciousness Conference
14.-16. Oktober 2011
<http://atlanticuniversity.edublogs.org/2011/06/28/parapsychology-and-consciousness-the-2011-atlantic-university-annual-conference/>

6.2.2 Superstition
Dingwelten des Irrationalen
16. -19. November 2011
Volkskundemuseum, Joanneum Graz
<http://www.museum-joanneum.at/de/volkskundemuseum/veranstaltungen_17/superstition>

6.2.3 Angewandte Bewusstseinswissenschaften
Wissenschaftliches Symposium am 2. November 2011
im „Leeren Beutel“ in Regensburg
<http://www.stiftung.heiligenfeld.de/>


7. DIGITALE BIBLIOTHEK: E-rara

Stiftung der Werke von C. G.Jung, Zürich (Alchemie-Kollektion):
die Werke sind als .pdf downloadbar
<http://www.e-rara.ch/cgj/alch/nav/classification/1133851>


8. HÖLLENTORE

Ein wenig off topic:

Es gibt einen Mythos oder eine Legende, daß sich in Wien ein Tor zur Hölle oder gar mehrere Höllentore befinden. Ein Mitglied unserer Gesellschaft versucht, diesem Mythos historisch auf den Grund zu gehen und ist für Hinweise (über unsere Kontaktadresse <office@parapsychologie.ac.at>) dankbar.


9. KORREKTUR

Mehrere Links auf unserer Website – darunter peinlicherweise solche, die im letzten Newsletter angeführt worden sind –, die aufgrund eines Serverwechsels in Leere geführt haben, sind aktualisiert worden.


Prof. Peter Mulacz

--
=================================================
Österreichische Gesellschaft für Parapsychologie
und Grenzbereiche der Wissenschaften
=================================================
c/o Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien
Neues Institutsgebäude
Universitätsstraße 7
1010 WIEN
=================================================
http://parapsychologie.ac.at/
office@parapsychologie.ac.at
=================================================
Der Newsletter der ÖGPP erscheint in unregel-
mäßiger Folge und wird an derzeit über 800
Abonnenten versandt.
Grundlegende Richtung dieses Newsletters (Blattlinie):
Berichte aus der Welt der Parapsychologie,
wobei unter "Parapsychologie" die der Wissenschaftlichkeit
verpflichtete Schule verstanden wird und Distanz sowohl
zum Skeptizismus wie auch zur "Esoterik" und Glaubens-
richtungen eingehalten wird.
Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein Anliegen:
E-mail-Adressen werden selbstverständlich
nicht an Dritte weitergegeben. Der Versand
des Newsletters erfolgt unter den Auflagen
des TKG 2003 idF BGBl I Nr. 133/2005.
Weiters finden die Richtlinien der ARGE Daten Beachtung.
Die bisherigen Ausgaben des Newsletters sind unter
<http://www.parapsychologie.ac.at/newslttr/newslttr.htm>
nachzulesen.
Kommentare und Anregungen (oder auch
Abbestellungen) bitte an
newsletter@parapsychologie.ac.at
=================================================

 

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Newsletter N° 42 – Wien, 26. Februar 2011

 
 
INHALT:
 
     1. Vortragsprogramm Sommersemester 2011
     2. Aktuelle Diskussionen
     3. Skeptiker-Bewegung
     4. Personalia
     5. Literaturhinweise
     6. eBooks
     7. Hinweise auf weitere Veranstaltungen
     8. Internet
 
 
1.      VORTRAGSPROGRAMM:

Wie immer, ist das Programm auf unserer Internetpräsenz <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar und wird unseren Mitgliedern sowie registrierten Interessenten auch per Post zugesandt. Wie bei der Aussendung für das Sommersemester üblich, wird ein Zahlschein dabei sein, für Mitglieder personalisiert (Mitgliedsbeitrag sowie allfälliger Rückstand, was wir zu begleichen bitten), und auch den Interessenten wird ein Zahlschein beigelegt, mit dem Aufdruck "Spende". Bei dieser Gelegenheit darf ich daran erinnern, daß unsere Gesellschaft als "gemeinnützig" anerkannt ist, daher können Zahlungen an die Gesellschaft gem. § 4 Abs 4 Z 5 ESTG 1988 steuerlich abgesetzt werden. (Bewahren Sie die Zahlungsbestätigung für die Einreichung anläßlich der Arbeitnehmerveranlagung bzw. Steuererklärung auf.)
 
Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß wir wegen notwendiger in Kürze fälliger Umstrukturierungen im Betrieb unserer Gesellschaft dringend potente Sponsoren oder Mäzene suchen. Während projektbezogene Förderungsmittel durchaus zur Verfügung stehen, gibt es überhaupt keine Basissubventionierung, die wir für notwendige Infrastruktur nicht zuletzt räumlicher Art dringend bräuchten.
Konkret: wir benötigen geeignete Räumlichkeiten - nach Möglichkeit zentral gelegen und zu erträglichen Kosten (!) - vor allem für die umfangreiche Bibliothek unserer Gesellschaft, weil wir bis Ende des Sommersemesters unseren bisherigen Raum an der Universität Wien aufgrund personeller Änderungen im Rahmen des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie räumen müssen. Dabei geht es nicht nur um die Aufbewahrung der Bücher, sondern auch um die Aufrechterhaltung des (in unseren Statuten verankerten) Bibliotheksbetriebs.
 
Nach diesem Exkurs zurück zum kommenden Vortragsprogramm, dazu - wie immer - ein paar weiterführende Angaben zu den einzelnen Vorträgen:
 
Robert Pucher, der schon mehrmals bei uns referiert hat, wird sich, von den bekannten PEAR-Experimenten in Princeton ausgehend, mit dem Problemkomplex der willentlichen Beeinflussung zufallsgemäßer Ereignisse auseinandersetzen und aufgrund neuerer konstruktiver Entwicklungen von Zufallsgeneratoren (auf Laser-Basis statt Diodenrauschen) eine aktuelle Versuchsplanung für die Weiterentwicklung der bisherigen Experimente diskutieren; ein besonderes Anliegen ist es ihm, zu hinterfragen, welche Relevanz diese Überlegungen für das tägliche Leben jedes einzelnen haben können.
 
Im Gegensatz zu diesem naturwissenschaftlich-experimentellen Ansatz bringt der nächste Vortrag, wie bei Christa Tuczay (ebenfalls von mehreren Vorträgen her bereits bekannt) zu erwarten, ein kulturhistorisches Thema: die (sprichwörtliche) Bersekerwut, wobei sich jenseits der kulturhistorischen Betrachtung die Frage erhebt, wie es in psychischen Ausnahmezuständen physiologisch zur Mobilisierung scheinbar unerklärlicher Körperkraft bzw. zu extremen physischen Leistungen kommt.
 
Stanley Krippner wird uns an zwei aufeinander folgenden Tagen zur Verfügung stehen und seine beiden Vorträge in englischer Sprache halten.
 
In "Dream Telepathy: Experiments in Nocturnal ESP" wird er über die klassische Versuchsreihe zur Traumtelepathie berichten, die im Maimonides Memorial Hospital von den beiden Experimentatoren Ullman und Krippner durchgeführt worden sind. Da Montague Ullman mittlerweile verstorben ist, ist Stanley Krippner sozusagen der letzte Zeitzeuge dieser Forschung.
 
Amyr Amiden, der Brasilianische Sensitive, der im Zentrum des zweiten Vortrags von Stanley Krippner steht, hat eine Reihe von Phänomenen aufgewiesen, darunter Stigmata und - höchst interessant - Apporte von Schmuckstücken und Medaillen.
 
Der letzte Vortrag des Semesters bringt wiederum ein kulturhistorisches Thema, Sigrid Vollmann wird paranormale Phänomene - und was damit zusammenhängt - in der Welt der alten Griechen und Römer darstellen: Orakelwesen und -sprüche, Hellsehen und Wahrsagerei, Liebeszauber und Mysterien. Während die Berichte über Erlebnisformen spontaner Phänomene, wie Hans Bender immer wieder betont hat, durch die Jahrhunderte hindurch ganz gleichförmig erscheinen, sind die konkreten Ausformungen der Orakel und Mysterien zeitbedingt - aber konstant ist der Versuch des Menschen, jenseits des "Normalen" Aufschluß über Zukünftiges zu erlangen oder andere Menschen bzw. das Schicksal auf eine solche Weise zu beeinflussen.
 
 
2.      AKTUELLE DISKUSSION:
 
2.1 Daryl Bem
 
Der Gegenstand aktueller Diskussion ist weiterhin Daryl Bem’s Artikel über Präkognition, der ein überaus großes Echo - pro und contra - ausgelöst hat. Die essentiellen Links zu diesem Thema wiederhole ich hier kurz aus dem letzten Newsletter:
 - Der Text von Bem's im Druck befindlicher Originalarbeit:
   <http://dl.dropbox.com/u/8290411/FeelingFuture.pdf>
 - Alcock's Kritik darauf: <http://www.csicop.org/specialarticles/show/back_from_the_future>
 - Dean Radin's Erwiderung auf Alcock: <http://deanradin.blogspot.com/>
 - Bem's eigene Replik auf Alcock: <http://dl.dropbox.com/u/8290411/ResponseToAlcock.pdf>
Über diese bekannten Artikel hinaus bringt "The World of Parapsychology" eine lange und laufend aktualisierte Link-Liste zu Publikationen aus aller Welt über Bem's Forschungen; wie nicht anders zu erwarten, werden nicht bloß unterschiedliche Positionen dazu bezogen, sondern die Darstellungen sind auch von höchst unterschiedlicher Qualität, so manche mit dem gewissen spöttischen Unterton, wie ihn die Journalisten bestimmter Blätter gerne im Zusammenhang mit Parapsychologie zu gebrauchen belieben …
Buzz of Bem’s paper: "Feeling the Future”: <http://www.thewop.org/?p=1325>
 
2.2 Luc Montagnier
 
Luc A. Montagnier ist 2008 gemeinsam mit zwei weiteren Personen mit dem Nobelpreis (für Physiologie oder Medizin) ausgezeichnet worden, der höchsten Ehre, die einem Gelehrten widerfahren kann. Nun hat Montagnier neue Forschungsergebnisse vorgelegt, die von der Zeitschrift in plakativer Manier wie folgt dargestellt worden sind: "Scorn over claim of teleported DNA". Es geht darum, daß unter bestimmten Bedingungen (schwaches elektromagnetisches Feld von 7 Hz) kurze DNS-Fragmente (einhundert Basen lang) aus einem wassergefüllten Testbehälter anscheinend im zuvor reinen Wasser eines anderen, benachbarten Behälters in Form von DNS-Spuren auftauchen. Natürlich wird mit "Teleportation" hier die Quantenteleportation (und nicht der parapsychologische Begriff) angesprochen, aber genauso natürlich darf die Garnierung mit Attributen wie "spooky" oder "ghostly" nicht fehlen. Die weiteren Assoziationen, die sich einstellen, sind die "mitogenetische Strahlung" Gurdiews und die Biophotonen von F. A. Popp, und weiters insbesondere das von Jacques Benveniste postulierte und mittlerweile von der Wissenschaft verworfene "Wassergedächtnis" (samt dessen Bezug zur Homöopathie), zumal die ursprüngliche Lösung ca. 10 x verdünnt werden mußte, um den Effekt zu erhalten.
Bezüge, wenn schon nicht zur Parapsychologie, so doch zu den Grenzbereichen der Wissenschaften sind vorhanden; man wird sehen, ob sich der Effekt reproduzieren läßt.
Sehr aufschlußreich ist vor allem die Reaktion des wissenschaftlichen "Establishments" auf die Mitteilung über Montagniers Resultate: ein Gary Schuster (Georgia Institute of Technology) sprach von "pathologischer Wissenschaft", und "The Quackometer" veräppelt Montagniers Forschung und schlägt ihn für einen "IgNoble Price" vor, ein nicht übersetzbares Wortspiel mit dem Nobel Preis (ignoble = gemein, unwürdig, schändlich).
Es geht mir derzeit, wo noch keine unabhängigen Replikationen vorliegen, nicht darum, zu fragen, ob Quantenprozesse (oder vielleicht die Verallgemeinerte Quantentheorie) eine Klammer zwischen Montagniers Effekten und den paranormalen Phänomenen darstellen könnten, sondern das tertium comparationis ist die Reaktionsweise der Kritiker, die geradezu reflexartig jene Resultate, die ihnen nicht genehm sind, a priori verwerfen, auch wenn es sich um äußerst renommierte Experimentatoren handelt.
Links dazu:
der Artikel im New Scientist <http://www.newscientist.com/article/mg20927952.900-scorn-over-claim-of-teleported-dna.html?full=true&print=true> ist leider nicht mehr im Volltext verfügbar.
Weitere Auseinandersetzung mit dem Thema: <http://www.newscientist.com/article/mg20927951.900-why-we-have-to-teleport-disbelief.html>
Montagniers Website: <http://montagnier.net/>
Montagniers Präsentation in Lindau 2010 "DNA between Physiscs and Biology" <http://montagnier.net/montagnier/index.php/download_file/view/17/>
Montagnier et al: DNA waves and water <http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1012/1012.5166v1.pdf>
"The Quackometer" (Verspottung) <http://www.quackometer.net/blog/2009/10/why-i-am-nominating-luc-montagnier-for.html>
 
2.3 "Teleportation in der Zeit" - neue Art von Verschränkung
 
Zwei Physiker der Universität Queensland melden, eine neue Art von "entanglement" gefunden zu haben, und zwar nicht räumlicher, sondern zeitlicher Natur: <http://www.technologyreview.com/blog/arxiv/26270/?p1=A5>.
Nachdem bekanntlich die Generalisierte Quantentheorie (WQT) <http://www.psychophysik.com/html/re-071-quantentheorie.html> bzw. <http://www.psychophysik.com/html/re-0711_quantentheorie.html> in der Parapsychologie diskutiert wird, wird - sofern die Resultate der beiden Forscher unabhängig bestätigt werden - zu überlegen sein, wie weit diese neuen Gesichtspunkte Relevanz für die Parapsychologie (etwa im Bereich von Modellen für Präkognition bzw. Presentiment) besitzen.
 
 
3.      ZUR SKEPTIKER-BEWEGUNG in Österreich:
 
Während die Szene der sogenannten "Skeptiker" in Österreich jahre- wenn nicht jahrzehntelang ruhig gewesen ist, wirbeln sie seit kurzem viel Staub auf. Neben Ulrich Berger, Mathematik-Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, handelt es sich vor allem das Team der "Science Busters" mit Heinz Oberhummer an der Spitze. Seit Oberhummer, vormals Professor für Theoretische Physik mit dem Spezialgebiet Astrophysik an der Technischen Universität Wien, in Pension ist, ist er in der Öffentlichkeit sehr aktiv geworden, nicht zuletzt auch als Vorsitzender des "Zentralrates der Konfessionsfreien". (Jetzt habe ich mich nochmals vergewissert, daß es "Zentralrat" heißt und nicht "Zentralkomitee".) Oberhummer, den ich nicht erst seit der etwas verunglückten Club 2-Sendung "Auf der Suche nach dem Übersinnlichen" vom 22.12.2010 kenne, vertritt einen undifferenzierten, somit "platten" Reduktionismus.
Offensichtlich besteht ein großes Engagement im Kampf gegen jegliche Religion oder Metaphysik - es handelt sich also keineswegs um ein wertfreies Vorgehen sine ira et studio, insofern ist auch die stete Berufung auf die Aufklärung verfehlt, weil bei dieser Gruppe gleichsam eine Ersatzreligion vorliegt.
Gleichzeitig ist natürlich auch das ökonomische Interesse nicht zu übersehen, die Auftritte der "Science Busters" zu bewerben.
Und schließlich fällt die verstärkte Präsenz dieser "Skeptiker" zeitlich zusammen mit dem Anlaufen des sehr erfolgreichen Films "Am Anfang war das Licht" von P. A. Straubinger. Es fehlt der Platz, und vor allem fehlt mir die Zeit, die pro- und contra-Argumente zu diesem Film hier aufzulisten und gegeneinander abzuwägen; ein wenig davon findet sich in meinem Kurzbericht über den Vortrag, den P.A. Straubinger zuletzt in unserer Gesellschaft gehalten hat (nota bene nicht über das Thema des Films, sehr wohl aber dadurch ausgelöst). Insbesondere haben Ulrich Berger und der Kabarettist Martin Puntigam Herrn Straubinger stark angegriffen; der ORF hat es zuwege gebracht, in der Sendung "Konkret" eine Psychologin gegen den eigenen ORF-Mann Straubinger auftreten zu lassen, welche den Film, um den es geht, gar nicht gesehen hatte, sondern über die Problematik der Magersucht besorgt war! (Im Bereich eines Deutsch-Aufsatzes würde man dazu "Themenverfehlung, nicht genügend!" sagen.) Vgl. <http://www.youtube.com/watch?v=7hNmwry_uGs> und Straubingers Richtigstellungen zu manchen Gegenargumenten.
Worum es mir hier geht, ist weder der Film selbst noch das Phänomen, das er zu dokumentieren unternimmt, sondern vielmehr, anhand der Diskussion um diesen Film jene Mechanismen aufzuzeigen, die seitens der sogenannten "Skeptiker" geradezu reflektorisch in Gang gesetzt werden, wenn es um Themen der "Grenzgebiete" geht, und zwar vielfach, ohne sich mit der Sache selbst auseinander gesetzt zu haben. Es zeigt sich immer wieder deutlich, daß es sich bei diesen "Skeptikern" nicht um eine zwar kritische aber ergebnisoffene Grundhaltung handelt, sondern um einen negativen Glauben. Schon vor Jahrzehnten hat Hans Bender darauf hingewiesen, daß es sich bei den "Esoterik"- oder Okkultgläubigen und bei den "Skeptikern" à la GWUP um Personen mit derselben Persönlichkeitsstruktur handelt: beide Gruppen sind rationaler Argumentation nicht zugänglich, weil sie überzeugte Gläubige sind - allerdings mit unterschiedlichen Vorzeichen.
 
 
4.      PERSONALIA:
 
4.1 Theo Locher (26. 10. 1921 - 23. 11. 2010)
 
Hochbetagt ist Ende 2010 Theo Locher verstorben. Locher war von Beruf Gymnasialprofessor für Mathematik, Geographie und Geschichte, und er war von ganzem Herzen Lehrer. Im Jahr 1966 gründete er, aus seinen Volkshochschulkursen hervorgegangen, die "Schweizerische Vereinigung für Parapsychologie" (SVPP) in Brügg bei Biel/Bienne und war ihr langjähriger Präsident (ab 1991 Ehrenpräsident). Neben der SVPP gründete er 1985 auch die "Schweiz. Stiftung für Parapsychologie" (SSPP) und war deren Stiftungsratspräsident. Spontanfälle und insbesondere Spukerscheinungen haben Locher besonders interessiert, aber auch die "Gellerini", die in 1970er-Jahren auch in der Schweiz aufgetreten sind; er war eher ein Sympathisant der spiritistischen Interpretation. Locher war überaus rührig in der Öffentlichkeitsarbeit, er hat zahlreiche Vorträge gehalten, hat namens der SVPP ein Bulletin und "Orientierungsblätter" herausgegeben und ist auch mit einigen Buchpublikationen an die Öffentlichkeit getreten:
 - Schweizer Spuk und Psychokinese. Kommentierte Fälle aus jüngster und früherer Zeit. Mit einem Geleitwort von Gerda Walther und einem Vorwort von C.A. Meier. (Gemeinsam mit Guido Lauper; Aurum 1977, Kamphausen 1983)
 - Parapsychologie in der Schweiz gestern und heute zum 20jährigen Jubiläum. Selbstverlag der SVPP, 1986.
 - Jenseitskontakte mit technischen Mitteln (gemeinsam mit Maggy Harsch), SVPP bzw. Ancient Mail, 2007. Von dem schmalen Band liegt auch eine englische Übersetzung vor.
 
Abgesehen von der Parapsychologie war Theo Locher auch humanitär stets sehr engagiert. So hat Locher in ihrem hohen Alter die Gräfin Wassilko, die eigentliche Gründerin unserer Gesellschaft, nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützt, indem er damals einen "Hilfsfonds für notleidende Parapsychologen" ins Leben gerufen hat (von dem mir allerdings später keine Aktivitäten bekannt sind, er dürfte nicht mehr existieren) und nach seiner Pensionierung hat Locher auch ein sehr bedeutendes humanitäres Hilfswerke für Afghanistan aufgebaut, das sogar in einem eigenen Buch dokumentiert ist. Vgl. auch die Würdigung Lochers durch V. J. Oehen.
 
4.2 Eckhard Etzold (14. 01. 1960 - 01. 01. 2011)
 
Am ersten Tag des neuen Jahres ist Eckhard Etzold nach langem Leiden viel zu früh verstorben. Von Beruf protestantischer Pfarrer, war auf dem Gebiet der Parapsychologie bzw. Anomalistik sehr eifrig tätig.
Ein Experiment und zahlreiche Publikationen sind on-line verfügbar, u.a. die folgenden Themen bzw. Titel:
 - Lunar-magnetotail Encounters as Modulators of Mind-Matter Interaction Effects.
 - Solar-periodic Full Moon Effect in the Fourmilab Retro-Psychokinesis Project Experiment Data: An Exploratory Study.
 - Does Psi Exist and Can we Prove It? Belief and Disbelief in Psychokinesis Research.
 - Wie zuverlässig sind die Ergebnisdaten des Global Consciousness Project?
 - Sind die Daten der Fourmilab-Experimente mit der Mondphase korreliert?
 - Solarperiodische und lunarperiodische Einflüsse in Psychokineseversuchen
 - Kann Wasser bergauf fließen? Unglaubliche Behauptungen und die Schwierigkeit, diese zu widerlegen.
 - Der heilige Atem - Physiologische und psychologische Begleiterscheinungen der Glossolalie.
Ein weiteres Interessensgebiet von ihm war Elektrotechnik, insbesondere historische Rundfunk- und Fernsehgeräte, von denen er eine beträchtliche Sammlung besaß und die er auch selbst instand gesetzt hat. Seine Websites
<http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/radio/radio.htm> und <http://bs.cyty.com/menschen/e-etzold/archiv/TV/tv.htm> unterrichten darüber.
Schließlich lag ihm auch Musik, insbesondere das Spielen der Gitarre, am Herzen.
Angesichts seiner zahlreichen und weit gestreuten Interessen und Aktivitäten kann man das bekannte Bonmot anwenden und sagen, daß er nicht dem Leben mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben gegeben hat.
Im Rahmen unserer Gesellschaft hat er am "Tag der Parapsychologie", der 2004 der 47. Convention der Parapsychological Association vorgestaffelt war, eine Referat mit dem Titel "Schafft sich der Glaube die Wirklichkeit selbst?" gehalten, ein Thema, das ihn von der Parapsychologie (wie auch von der Theologie her) interessiert hat.
Trotzdem unsere persönliche Begegnung auf die kurze Zeit dieses Kongresses beschränkt war, ist mir Eckhard Etzold als ein besonders liebenswürdiger Kollege in Erinnerung geblieben.
 
4.3 Thorwald Dethlefsen (11. 12. 1946 - 01. 12. 2010)
 
Dethlefsen, "Esoteriker" und "Reinkarnationstherapeut", hat in den 1970er-Jahren viel zur Popularisierung der Reinkarnationsidee beigetragen. Er war ein blendender Rhetoriker - blendend im Doppelsinn des Wortes - und hat dann ein eigenes Institut "für außerordentliche Psychologie" in München etabliert. Sein Zugang zur Reinkarnationsproblematik war nicht der empirische Zugang, wie ihn der verstorbene Ian Stevenson und weiters Erlendur Haraldsson, Jim Tucker, Jürgen Keil, Antonia Mills und andere Parapsychologen vertreten, sondern vielmehr, seine Klienten in Hypnose in (angebliche) frühere Leben "zurückzuführen". Ob die dabei auftretenden "Erinnerungen" sich durch historische Recherchen als wahr erweisen würden, hat ihn nicht interessiert; seine Tätigkeit war ausschließlich klientenzentriert und am Erfolg orientiert, so hat er auch nicht weiter darüber reflektiert, ob die "Erinnerungen" nicht eher als Phantasieprodukte anzusprechen wären, die freilich einen Einblick in die psychische Situation der Klienten erlauben. Weiters war Dethlefsen an den alten Arkandisziplinen interessiert und hat an den von "Frater Albertus" (d.i. Albert Riedel, 1911-1984) in der Schweiz gehaltenen Alchemie-Kursen teilgenommen. 1996/99 hat Dethlefsen dann sogar eine eigene Kirche namens "Kawwana. Die 'Kirche des Neuen Aeon'" (sic) gegründet, die man wohl besser als eine esoterische Sekte bezeichnen sollte, die aber über ein beachtliches, von einer goldfarbenen Kuppel bekröntes Gebäude, den "Tempel des Höchsten Gottes", am Gärtnerplatz in München verfügt hat. Das Bauwerk, das Dethlefsen 1998 hat errichten lassen, hat er 2009 wieder abreißen lassen: "weil seine Sekte eine höhere Bewußtseinsstufe erlangt habe, brauche sie den Tempel nicht mehr." Seine letzten Lebensjahre hat Dethlefsen zurückgezogen in Wien verbracht.
Am Beispiel von Dethlefsen, anhand der Auseinandersetzung mit der Frage der Reinkarnation, wird wieder die Bedeutung des Satzes "Wissenschaft ist Methodenfrage" deutlich. Die wissenschaftlich saubere, empirische Feldforschung ist der eine Weg, die unexakte, oft von Wunschdenken keineswegs freie Praxis der "Rückführungen" ist der andere. Dethlefsen hat als "Esoteriker" sich für den zweiten entschieden.
 
 
5. LITERATURHINWEISE:
 
5.1 European Journal of Parapsychology
 
Das European Journal of Parapsychology (EJP) stellt mit dem soeben erschienenen Heft 2 des Jahrgangs 2010 sein Erscheinen vorderhand ein. Das ist - nach 35 Jahren und 25 Bänden - eine sehr bedauerliche Entwicklung. Ob es, wie man hofft, in der Zukunft zu einem Wieder-Aufleben dieser Zeitschrift kommen wird, kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden.

5.2 Autobiographie von Stewart Alexander

Stewart Alexander ist ein britisches "physikalisches" Medium, zumeist als das "letzte europäische Materialisationsmedium" apostrophiert; er ist über 40 Jahre in dieser Art und Weise aktiv. Ich habe ihn vor einigen Jahren in der Schweiz kennengelernt und hatte auch die Gelegenheit, eine öffentliche Sitzung (allerdings keine physikalische) mit ihm zu besuchen. Ich habe in ihm bei mehreren Gesprächen einen außerordentlich liebenswürdigen Gentleman kennengelernt, der sich, was physikalische Phänomene und Mediumismus sowie Spiritismus betrifft, als historisch überaus gut informiert erwiesen hat.
Bekanntlich ist der physikalische Mediumismus, was die "Echtheit" seiner Phänomene betrifft, überaus umstritten, nicht nur bei den "Skeptikern", sondern auch innerhalb der parapsychologischen Gemeinschaft. Am ehesten noch auf dem Boden der historischen Beschäftigung können sich Befürworter, Zweifler und Gegner treffen. Ähnliches gilt für das spiritistische Weltbild, das sich wissenschaftlich natürlich nicht "beweisen" läßt, während die Auseinandersetzung damit durchaus legitim ist; es darf daran erinnert werden, daß die Parapsychologie vor mehr als einem Jahrhundert angetreten ist, um sich u.a. gerade mit diesen Problem wissenschaftlich, d.h. methodisch auseinander zu setzen.
Auch dort, wo grundsätzlich Einigkeit über die anzuwendenden Methoden sowie die Reichweite der Folgerungen besteht, gibt es immer noch Auffassungsunterschiede, inwiefern die Methodik korrekt implementiert worden ist, praktisch also in Hinblick auf die Rigorosität der angewandten Kontrollen. Der "Scole Report" von 1999 zeigt, welch ein Riß zwischen Befürwortern und Gegnern durch die SPR gegangen ist, wo es beinahe zu einer Spaltung gekommen wäre (wie in den 1920er-Jahren bei der ASPR im Kontext der Margery-Kontroverse). Nicht nur, daß der physikalische Mediumismus mit den Kontrollbedingungen steht und fällt, sondern bekanntlich lauert der Teufel im Detail und es ist demnach sehr schwer bis unmöglich, sich allein aus den literarischen Quellen ein Bild zu machen.
Zurück zu Mr. Alexander, über den bereits von dritter Seite (Katie Halliwell) publiziert worden ist und der mittlerweile keine öffentlichen Sitzungen mehr gibt, sondern nur mehr in seinem Home Circle aktiv ist. Er hat nun seine mit zahlreichen Berichten dritter Personen ergänzte Autobiographie herausgebracht: "An Extraordinary Journey: The Memoirs of a Physical Medium". Unter Beachtung der oben angeführten Caveats ist das ein interessantes Buch.
Stewart Alexander ist auch kurz in diesem Video (Vorschau) zu sehen: <http://www.veoh.com/browse/videos/category/lifestyle/watch/v18531696NnTW2aNc>.
 
5.3 Gabriel von Max und Albert von Keller
 
Albrecht Frh. v. Schrenck-Notzing, der die deutsche Parapsychologie im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus dominiert hat, war mit mehreren Künstlern befreundet, darunter die beiden Maler Albert von Keller und Gabriel von Max. Beide haben unter anderem auch Sujets aus dem Bereich des Okkulten, der Parapsychologie und der psychischen Grenzbereiche dargestellt. Gabriel von Max war sowohl Darwinist wie auch Spiritist und stand zumindest zeitweilig der Theosophie nahe; Evolutionstheorie und Spiritismus sind keineswegs unvereinbar, auch Carl du Prel war ein Anhänger beider Richtungen. Besucher meines kürzlich gehaltenen Vortrags über Stigmatisation mögen sich erinnern, daß ich ein Bild von Gabriel von Max gezeigt habe, nämlich Anna Katharina Emmerick (vulgo Emmerich). Erwähnt sei auch, daß Schrenck Albert von Keller in seinem Nekrolog als "Malerpsychologe und Metapsychiker" bezeichnet hat. Am letzten WGFP-Workshop hat Andreas Fischer über die beiden Künstler referiert.
 
Zu beider Künstler Werk gab es kürzlich bzw. gibt es derzeit Ausstellungen und dementsprechend aktuelle Publikationen.
 
5.3.1 Gabriel von Max
 
Ausstellung im Lenbach-Haus, München
Vgl. dazu auch die Berichte <http://www.br-online.de/bayern2/bayerisches-feuilleton/affenliebe-und-geistersuche-der-maler-gabriel-von-max-und-die-spiritisten-ID1288862766248.xml> sowie <http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id221199-/news_detail.html?_q=> und <http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id225156-/ausstellungen_berichtdetail.html?_q=>.
 
Karin Althaus und Helmut Friedel (Hrsg.): "Gabriel von Max: Malerstar, Darwinist, Spiritist".
Einer der Beiträge in diesem Buch - über den Spiritismus und Okkultismus seiner Zeit - stammt von Eberhard Bauer, führender Mitarbeiter am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg i.Br.
 
5.3.2 Albert von Keller
 
Jo-Anne B. Danzker und Gian C. Bott (Hrsg.): "Seance. Albert Von Keller and the Occult"
bzw. günstiger <http://www.amazon.de/Seance-Albert-Von-Keller-Occult/dp/0295990821/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1296425820&sr=1-1>.
 
5.4 Werke von Stanley Krippner
 
Aufgrund seiner kommenden Vorträge bei uns und anderen Veranstaltern sei auf seine Bücher hingewiesen; die komplette Bibliographie dieses überaus fruchtbaren Autors und Herausgebers umfaßt unglaubliche rund 1.200 Einträge.
 
5.5 PEAR
 
Im Kontext des ersten Vortrags ist (wieder einmal) von der PEAR Group die Rede. Dazu gibt es nun von Robert G Jahn und Brenda J. Dunne eine ganz neue Publikation: "Consciousness and the Source of Reality: The PEAR Odyssey".
 
5.6 Felix de Mendelssohn: "Die Gegenbewegung der Engel. Psychoanalytische Schriften zu Kunst und Gesellschaft"
 
In diesem Band legt der bekannte, u. a. an der Sigmund Freud PrivatUniversität lehrende Psychoanalytiker Aufsätze zu verschiedenen Themen vor, darunter Musik, Theater, Literatur, Buddhismus, Judentum, Leben nach der Verfolgung und Ökologiebewegung. Für uns relevant ist ein fast 50 Seiten umfassendes Kapitel über Parapsychologie unter dem Titel "Erkundungen über das Unheimliche", das sich mit Freud und seiner Stellung zur Parapsychologie bzw. mit der Frühzeit der Psychoanalyse auseinandersetzt. Dabei weist der Verfasser auch darauf hin, daß Johannes Mischo (später der Nachfolger von Hans Bender) schon 1963 aufgezeigt hat, wie tiefgehend das Interesse Freuds am Okkulten bzw. an der Parapsychologie gewesen ist.
 
5.7 Richard Wiseman: "Paranormality. Why we see what isn’t there"
 
Wiseman ist einer der prominentesten Vertreter des skeptischen Flügels der Parapsychologie, der überdies durch seine Massenexperimente eine große Popularität besitzt. Während mir das Buch selbst nicht vorliegt, gibt es zwei Auszüge im WWW, nämlich <http://www.guardian.co.uk/science/2011/feb/22/future-paranormality-richard-wiseman?commentpage=all#start-of-comments> und <http://www.guardian.co.uk/science/interactive/2011/feb/22/paranormality-extract-richard-wiseman>. Wiseman versucht, alle als parapsychologisch erfahrenen Phänomene "weg zu erklären", und beim oberflächlichen Leser wird dieser Versuch auch erfolgreich sein. Bei genauerer Betrachtung werden die Schwächen seiner Argumentation deutlich; dennoch ist es wertvoll, die in Rede stehenden Phänomene immer wieder darauf abzuklopfen, wie weit sie sich "normal" erklären lassen - oder eben nicht. Ein rationaler Zugang tut not, damit man sich nicht von Wunschdenken beeinflussen läßt, egal, in welche Richtung dieser Wunsch dann im Einzelfall tendiert.
 
 
6. E-BOOKS
 
Ein für persönliche, nicht kommerzielle Zwecke kostenloser Download umfangreichen Materials in Form von .pdf-Dateien ist möglich im Internet-Archiv (Texts), in den Google-Books sowie in der Open Library.
Insbesondere Google-Books beinhaltet insbesondere viele alte und seltene Bücher, die teilweise auch in Bibliotheken nur schwer auffindbar sind bzw. im Antiquariatsbuchhandel, wenn sie überhaupt je angeboten werden, überaus kostspielig sind. So ist z.B. der Themenkomplex Mesmerismus -  Somnambulismus - Magnetismus mit zahlreichen Werken, die als "Vollständige Ansicht" gescannt sind, vertreten; manche Bücher dieser virtuellen Bibliothek sind - wie in einer realen Bibliothek - sogar in mehreren Exemplaren vertreten und ein Vergleich lohnt sich, denn die Scans sind von unterschiedlicher Qualität. (Ein kleiner Schönheitsfehler ist, daß aufgrund des Einscannens die Suchfunktion im .pdf nicht so wie sonst funktioniert.)
Im Internet-Archiv hat man die Wahl zwischen .txt und .pdf. Zumindest bei in gebrochener Schrift (Schwabacher oder Fraktur) gesetzten Werken ist dem .pdf unbedingt der Vorzug zu geben, weil die OCR-Software weder Ligaturen erkennt noch das "lange s", welches als "f" wiedergegeben wird, sodaß insgesamt der Text nahezu unbrauchbar wird.
Daß es sich gerade um alte Bücher handelt, die hier kostenlos heruntergeladen werden können, erklärt sich aus den ausgelaufenen Urheberrechten. Jedenfalls ist die Digitalisierung der älteren Fachliteratur für die Interessenten ein großer Schritt vorwärts!
 
 
7. HINWEISE AUF WEITERE VERANSTALTUNGEN:
 
7.1 Symposium "Wissenschaft kritisch hinterfragt - naturphilosophische Kontroversen"
 
Die "Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie", mit der wir schon im Zuge des Koestler-Symposiums kooperiert hatten, veranstaltet vom 15.-17. April 2011 im Stift Vorau (Stmk.) ein Symposium mit dem Titel "Wissenschaft kritisch hinterfragt - naturphilosophische Kontroversen" wobei die Parapsychologie - unter dem Titel "Esoterik kritisch hinterfragt" - nur eines von mehreren Themen darstellt. Es geht mir darum, den Wissenschaftscharakter der Parapsychologie, die ja in der Öffentlichkeit vielfach mißinterpretiert wird, herauszuarbeiten und aufzuzeigen, daß ein rationaler Zugang auch gegenüber außergewöhnlichen Phänomenen und Erfahrungen möglich ist; damit verbunden werde ich einen kurzen Überblick über das Gesamtgebiet der Parapsychologie geben.
 
7.2 Am Mittwoch, 01. Juni 2011 wird Stanley Krippner im "Institut für Bewußtseins- und Traumforschung" ein Referat "Dreaming and Creativity" halten. (In englischer Sprache, weitere Informationen über die Website des Instituts oder 0699 10199042.)
 
7.3 Für Freitag, 03. Juni 2011 ist ein Vortrag von Stanley Krippner an der Sigmund Freud PrivatUniversität geplant, der Titel lautet: "Terror in the Night. Working with Post-Traumatic Stress Disorder Nightmares". Als Exponent der "Humanistischen Psychologie" wird der Referent möglicherweise auch einen Bezug zur Parapsychologie einbauen. (In englischer Sprache)
 
7.4 Am Samstag, 04. Juni 2011, findet, ebenfalls von der oben erwähnten Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie veranstaltet, ein Tages-Symposium zum Thema "Consciousness and Healing" mit mehreren Referenten, darunter wiederum Stanley Krippner, statt - ebenfalls in englischer Sprache. Sein Referat hat den Titel "Trance and the Trickster. Hypnotic-like Effects in Shamanic Healing Rituals". Weiters ist auch die ungarische Hypnose-Spezialistin Éva Bányai eingeladen. Das Detailprogramm liegt derzeit noch nicht vor; der Veranstaltungsort ist jedenfalls der Vortragssaal des Naturhistorischen Museums in Wien.
 
7.5 Bruno Gröning & Gröning-Film
 
Das Thema "Geistige Heilung" ist ein Dauerbrenner. In den anglophonen Ländern wird diesem Thema mehr Gewicht eingeräumt, als bei uns; so gibt es in den USA sogar Parapsychologen, die den Phänomen- bzw. Forschungsbereich der Parapsychologie in die folgenden drei Gebiete gliedern: ESP - PK - Healing. Ich kann dem nicht folgen, sondern halte Heilungseffekte, falls es sie gibt, für einen Aspekt von PK, nämlich Bio-PK. Sei dem aber wie immer, gewiß ist eines: die Forschung auf diesem Gebiet ist überaus schwierig, erstens bietet sich vom theoretischen Konzept her immer der Placebo-Aspekt als Alternative, zweitens bestehen ethische Restriktionen - Komplikationen, denen sich auch die Komplementärmedizin gegenüber sieht. Trotzdem gibt es, leider nur sehr vereinzelt, interessante Forschungsergebnisse, wie z.B. vor einigen Jahren die Studie von E. Targ und F. Sicher mit AIDS-Patienten, freilich mit nachfolgender Kontroverse (vgl. Newsletter N° 5 vom 18 03 2002).
Ein Dauerbrenner sei die Geistheilung, sagte ich; W.H.C. Tenhaeff hat darüber schon vor Jahrzehnten publiziert ("Außergewöhnliche Heilkräfte: Magnetiseure, Sensitive, Gesundbeter") und Hans Bender hat den damals, Mitte der 1950er-Jahre, sehr bekannten Heiler Dr. jur. Trampler in Kooperation mit der Universitäts-Poliklinik untersucht. Noch ein wenig weiter zurück in der Geschichte und wir begegnen dem Heiler Bruno Gröning (1906-1959). Auch heute, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, florieren die diversen "Freundeskreise" und können einen beachtlichen Anhang aufweisen, vgl. <http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno-Gröning-Freundeskreis>. Es handelt sich dabei um einen teils sektenartig strukturierten okkulten Untergrund, von dessen Ausmaß man sich, solange man ihm nicht begegnet ist, kaum eine Vorstellung machen kann, vgl. auch <http://www.agpf.de/Groening.htm>. Seit einigen Jahren wird Grönings Erbe propagandistisch auch durch einen Film "Das Phänomen Bruno Gröning: Auf den Spuren des 'Wunderheilers'" vermarktet. Dieser Film, der inklusiver zweier (durchaus notwendiger) Pausen rund fünf Stunden dauert, ist durchaus interessant, erstens zeigt er Gröning in Originalaufnahmen, hat also dokumentarischen Wert, und zweitens bildet er gut das Milieu ab, in dem die Gröning-Verehrung, kombiniert mit der Gröning-Vermarktung sich abspielt. Wer sich für die Soziologie der Esoterik- und Okkultgläubigen interessiert, wird mit diesem Film gut bedient sein; für eine Erhellung der causa prima, ob "Geistige Heilung" funktioniert, ist er freilich völlig unergiebig. Der Film läuft in aller Welt; in Wien seit Jahren (!) ca. ein Mal im Monat (an Sonntagen, im Bellaria-Kino, sonst bekannt als ein Nostalgie-Kino) und er scheint ein Stammpublikum zu besitzen, das ihn mehrfach zu konsumieren pflegt - auch dies bereits eine bemerkenswerte Tatsache.
Natürlich ist die Soziologie dieser "Gläubigen" an sich kein Gegenstand der Parapsychologie, aber als ein Epiphänomen verdient sie allemal Beachtung; nicht zuletzt kommt hier auch wieder einmal der psychohygienische Aspekt ins Spiel, durch entsprechende seriöse Aufklärung Erscheinungen wie "Wunderheilern" die ihnen zunächst inhärente Faszination zu nehmen und alle diese Fragen, wie Hans Bender es mit seiner unnachahmlichen Formulierungsgabe gefordert hat, in einen "Raum der Besonnenheit" zu stellen.
 
 
8. INTERNET
 
8.1 Parapsychological Association:
 
Die Internetpräsenz der PA ist einem Relaunch unterzogen worden: <http://parapsych.org/>. (Dort auch Information über die Jahrestagung der PA, die heuer in Brasilien stattfinden wird.)
 
8.2 Sheldrake-Vortrag
 
Ein Vortrag (Perrott-Warrick Lecture) von Rupert Sheldrake, "The Evolution of Telepathy", ist nunmehr mit unterlegten Folien verfügbar: <http://www.youtube.com/watch?v=2MOzlSF0a8M>.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 41 - Wien, 20. Dezember 2010



INHALT:

1. Aktuelles
2. Personalia
3. Neue parapsychologische Organisation
4. Zeitschriften
5. Literaturhinweise
6. Hinweis auf Fernsehsendung
7. Aviso auf zukünftige Veranstaltungen
8. Feiertagswünsche


1. AKTUELLES:

1.1 Zur Situation der "Bibliotheca Philosophica Hermetica" (Ritman Library) in Amsterdam

Diese Bibliothek ist eine überaus bedeutende, in Qualität und Umfang geradezu einzigartige Institution, deren Sammelgebiet die okkulte und esoterische Tradition darstellt - Esoterik aber nicht verstanden wie der Esoterik-Laden an der nächsten Ecke, sondern etwa im Sinne der Renaissance-Gelehrten, mit dem Schwerpunkt auf den Rosenkreuzern und Alchemisten, beinhaltend auch eine Reihe mittelalterlicher Manuskripte. Ich kenne diese für die einschlägige kulturwissenschaftliche Forschung unverzichtbare Bibliothek aus eigenem Augenschein. Der Referent unseres Vortrags vom 18. Mai 2009 <http://parapsychologie.ac.at/programm/ss-09.htm> über den "okkulten" Schriftsteller Gustav Meyrink, Theodor Harmsen, war der Bibliothekar dieser Sammlung.
Nunmehr steht diese Bibliothek, die momentan geschlossen ist, vor existentiellen Problemen, die hier darzustellen zu weit führen würde; nähere Information findet sich unter diesem Link: <http://heterodoxology.wordpress.com/2010/11/24/save-the-bibliotheca-philosophica-hermetica/>.
Dort ist auch die Möglichkeit gegeben, eine Petition zu unterschreiben, die bisher von 5730 Personen unterzeichnet worden ist. Wenn auch die Wirkung solcher Petitionen gering sein mag, so zeigt sie doch das Interesse tausender Menschen und übt dadurch vielleicht einen gewissen Druck bei den Verhandlungen aus. Da dies für den Unterzeichner weder Mühe noch Kosten bedeutet, erlaube ich mir, Sie einzuladen, sich dieser Petition anzuschließen (direkt auf <http://www.ipetitions.com/petition/ritmanlibrary/>).


1.2 Daryl BEM und seine Präkognitionsexperimente

Daryl Bem ist ein prominenter US-amerikanischer Sozialpsychologe (Cornell University), nebenbei auch ein ausgezeichneter Zauberkünstler. Seit Jahren ist er erfolgreich damit, Standardexperimente der Psychologie für parapsychologische Fragestellungen zu adaptieren, wobei er sich insbesondere mit "priming" und "habituation" befaßt. (Priming ist die Beeinflussung der Reizverarbeitung durch die Aktivierung impliziter Gedächtnisinhalte durch einen vorangegangenen Reiz; Habituation ist die Gewöhnung an einen Reiz und eine dadurch erlernte Verhaltensunterdrückung.)
Nun hat ein Bericht über Bem's aktuelle Resultate in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift "Psychology Today" unter dem Titel "Have Scientists Finally Discovered Evidence for Psychic Phenomena?" viel Staub aufgewirbelt und unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen; die Zeitschrift "New Scientist" fragt sich: "Is this evidence that we can see the future?".
Von der populärwissenschaftlichen Aufbereitung abgesehen, hier die Links zu dieser Debatte (sämtliche Teile in englischer Sprache):

Der Text von Bem's im Druck befindlicher Originalarbeit, die im "Journal of Personality and Social Psychology (JPSP)", der Zeitschrift der prestigeträchtigen "American Psychological Association" erscheinen wird:
<http://dl.dropbox.com/u/8290411/FeelingFuture.pdf>

Alcock's Kritik darauf:
<http://www.csicop.org/specialarticles/show/back_from_the_future>

Dean Radin's Erwiderung auf Alcock:
<http://deanradin.blogspot.com/>

Bem's eigene Replik auf Alcock:
<http://dl.dropbox.com/u/8290411/ResponseToAlcock.pdf>


1.3 "Psychologie in Österreich"

Diese Fachzeitschrift ist das Organ des "Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen" (BÖP). Die aktuelle Ausgabe 4 ist dem Themenschwerpunkt "Parapsychologie und Grenzwissenschaften" gewidmet. Die Abstracts der Artikel sind unter <http://www.boep.or.at/Aktuelle-Ausgabe.441.0.html> on-line abrufbar.


1.4 Voodoo-Photo-Ausstellung in Fischamend

Im (privaten, von Herrn Erwin Schwab betriebenen) Photomuseum in Fischamend, das auch sonst sehenswert ist, läuft seit Herbst eine Photoausstellung über Voodoo; einen Vorgeschmack erhält man auf der Unterseite <http://members.chello.at/wolfgang.blecha/voodoo.htm>. Dazu wird im Museum auch ein 45-minütiger Film gezeigt, der die Riten sehr anschaulich festgehalten hat. Im Moment ist zwar Winterpause, aber irgendwann wird die zu Ausflügen animierende wärmere Jahreszeit ja doch zurückkommen …


2. PERSONALIA:

Am 18. Oktober 2010 ist David Fontana im 75. Lebensjahr verstorben. Er war ein britischer Psychologe (Professor an der Universität Cardiff), von 1995-98 Präsident der 1882 gegründeten Society for Psychical Research in London und bis zu seinem Tod einer deren Vizepräsidenten. Seine zahlreichen, zum Teil auch ins Deutsche übersetzten Bücher hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen; sie haben die Themen von einerseits Meditation und Spiritualität und andererseits der Frage des Lebens nach dem Tod zum Gegenstand. David Fontana vertrat dabei den spiritistischen Standpunkt einer Fortexistenz; er war ein ausgezeichneter Anwalt seiner Sache, wenn mich auch seine Argumentation angesichts der Komplexität der Problemlage nicht hat überzeugen können.


3. NEUE ORGANISATION:

The World of Parapsychology


4. ZEITSCHRIFTEN:

4.1 neu:
Paranthropology Journal

4.2 Erinnerung:
PsyPioneer


5. LITERATURHINWEISE:

Wie bereits avisiert, ein paar Worte zu einschlägigen Büchern, die in letzter Zeit erschienen sind. Bücher eignen sich bekanntlich auch für Weihnachtsgeschenke in letzter Minute …

5.1 Bücher in deutscher Sprache:

Hartmut BINDER:
Gustav Meyrink: Ein Leben im Bann der Magie
Vitalis-Verlag, Prag, 2009
ISBN 978-3899190786

Auf nahezu 800 Seiten breitet der Verfasser, ein profilierten Literaturwissenschaftler, mit großer Liebe zum Detail die Biographie Meyrinks, mit zahlreichen Illustrationen versehen, vor dem Leser aus. Der Schwerpunkt liegt auf dem jungen Meyrink, insbesondere dem Meyrink der Prager Jahre, was auch berechtigt ist, weil dies die prägenden Jahre waren. Je mehr Meyrinks Leben voranschreitet, desto weniger hält der Autor es durch, in gleichem Maße auf Einzelheiten einzugehen - man fragt sich, ob in Meyrinks späteren Jahren die Quellenlage dünner ist oder ob der Verfasser es hat vermeiden wollen, eine 1000-Seiten-Grenze zu überschreiten. Das Werk ist interessant und spannend zu lesen und durch einen ausführlichen Index erschlossen; es stellt gleichsam ein Gegenstück zu dem ebenfalls sehr interessanten, jedoch ganz anders angelegten Werk des unter Pkt. 1.1 genannten Theodor Harmsen, "Der Magische Schriftsteller Gustav Meyrink, seine Freunde und sein Werk", Brill 2008, dar (wobei Binder auch gewisse Kritik übt). In Meyrinks Leben gab es gewisse Schlüsselerlebnisse, eines davon zwar zweifellos der Spukfall von Levico, der natürlich als parapsychologisches Phänomen für uns von besonderem Interesse sein muß, über den jedoch leider keine Details bekannt sind. Leider bringt der Autor Hartmut Binder in diese Frage, welche schon den verstorbenen Meyrink-Sammler Lambert Binder überaus interessiert hatte, auch nicht viel Licht. Trotz gewisser Desiderata hinsichtlich Meyrinks letzten Jahren (z.B. bzgl. des Todes seines Sohnes) ist dieses sorgfältig recherchierte und aufwendig gestaltete Buch das definitive Werk zum Entwicklungsgang des (okkulten) Schriftstellers Gustav Meyrink, insbesondere seiner Prager Zeit.


Melvyn WILLIN:
Geister. Unglaubliche Bilder auf dem Prüfstand. Fotografien des Übersinnlichen
Stocker Verlag, Graz, 2010
ISBN 978-3853652435

Melvyn Willin, ein qualifizierter Musikwissenschaftler mit besonderem Interesse am Hexenwesen, ist Vorstandsmitglied der SPR und als solcher für deren Archive in London und Cambridge verantwortlich. In diesem Buch beschäftigt sich der Verfasser jedoch nicht mit dem akustischen, sondern mit dem optischen Bereich: er legt eine Sammlung von 80 (angeblich) paranormalen Photos vor, die sich über die Spanne eines Jahrhunderts erstrecken - also ein Zeitraum, der teilweise vor den manipulativen Möglichkeiten, die heute mit Photoshop oder Gimp gegeben sind, gelegen ist. Das soll nicht notwendigerweise bedeuten, daß all diese Photos "echt" im Sinne eines paranormalen Phänomens (oder gar einer Bewirkung durch einen "Geist") wären oder als solche dargestellt würden, es finden sich auch berühmte "Hoaxes" wie das Bild der "Elfen" von Cottingley oder eine "Aura"-Photographie darunter. Die einzelnen Bilder sind natürlich recht ungleichwertig, zeigen damit aber gut das weite Spektrum des Themas "Photographie des (vordergründig) Paranormalen" auf - daß der Verlag vom "Übersinnlichen" spricht, mag bei einer Publikation, die sich an das breite Publikum wendet, angehen, obwohl dies Wort natürlich innerhalb der Parapsychologie Anathema ist. Ein wenig verwirrend mag es für manche sein, daß die Fokusperson des Rosenheimer Spukfalles, deren Realnamen mehrfach veröffentlicht ist, hier wieder mit einem Decknamen versehen ist. Das Buch, in einem originellen Querformat gehalten, ist ein interessantes "Photobuch der anderen Art", wobei man sich bei jedem einzelnen Bild seine eigenen Gedanken machen kann …


Heinrich und Ingrid KUSCH:
Tore zur Unterwelt: Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit.
Auf dieses, ebenfalls bei Stocker (ISBN 9783853652374) erschienene Buch sei, ohne näher darauf einzugehen, aus zwei Gründen hingewiesen: erstens ist der Verfasser ein ehemaliger Referent in unserer Gesellschaft, und zweitens wird er im Rahmenprogramm des Vorauer Symposiums (Pkt. 7.1.1) tätig sein.


5.2 Bücher in englischer Sprache:

Heather WOLFFRAM:
The Stepchildren of Science: Psychical Research and Parapsychology in Germany, c. 1870-1939

Ein flüssig zu lesendes Buch, das demjenigen, der mit den Primärquellen nicht vertraut ist (sei es aus sprachlichen Gründen, wie beim englischen Publikum, an das sich das Werk ja primär wendet, sei es überhaupt), ein Zeitgemälde der parapsychologischen Szene im Zweiten Kaiserreich, in der Weimarer Republik und in den Jahren des Dritten Reiches bis zum Kriegsausbruch bietet. Interessant ist es, Konstanten und Entwicklungen über all diese Jahrzehnte zu verfolgen und sie mit der gegenwärtigen Situation zu vergleichen - abgesehen davon, daß heute andere Forschungsfragen im Vordergrund stehen, waren jene Jahrzehnte von einer Heftigkeit der Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern geprägt, die heute nicht mehr nachvollziehbar ist. (Das kann als Indiz dafür genommen werden, daß das Paranormale mittlerweile weitgehend "normal" geworden ist, wenn ich das so ausdrücken darf, somit eine sehr positive Entwicklung.) Ein paar Details freilich sind es, denen ich nicht zustimmen kann, z.B., wenn Schrenck-Notzing in der betreffenden Kapitelüberschrift als "Geisterbaron" bezeichnet wird, was - bei allem Verständnis für griffige Formulierungen - grob irreführend ist, denn genau das war er nicht, hat er sich doch deutlich gegen die spiritistische Interpretation ausgesprochen. Natürlich perpetuiert die Autorin damit nur ein Epitheton Schrencks aus der zeitgenössischen Presse, gleichzeitig bedeutet dies aber aufgrund der Einprägsamkeit des Titels das Weiterschreiben dieser unzutreffenden Charakteristik und erscheint mir somit als kontraproduktiv. Weiters wird ein (bekanntes) Bild veröffentlicht, bei dem der nicht informierte Betrachter einen Fehler in der photographischen Platte leicht mit der abgebildeten (in Diskussion stehenden) Materialisation verwechseln könnte, ohne daß auf diese Problematik gebührend hingewiesen würde. Das tut aber dem zutreffenden Gesamtbild der Parapsychologie während der genannten Zeitspanne, das gut recherchiert ist, keinen Abbruch.


Frans W.J.J. SNEL:
Aspects of the paranormal healing phenomenon: the narrative approach, Amersfoort, 2010.

Frans Snel setzt sich in dieser Studie (Master Thesis an der University of Edinburgh) mit CAM (= "Complementary, Alternative, and Integrative Medicine") unter Einbeziehung möglicher paranormaler Effekte auseinander, wobei fünf Heiler im Vordergrund stehen, deren Aktivitäten teilweise in Form von Videostudien analysiert worden sind, was weitgehend innovativ ist. Diese detailreiche Arbeit ist, ebenso wie der Tagungsband "Utrecht II: Charting the Future of Parapsychology", aufgrund einer Schenkung des Johan Borgman Funds, der die Herausgabe auch unterstützt hat, in der Bibliothek unserer Gesellschaft vorhanden und von Mitgliedern entlehnbar.


6. FERNSEHSENDUNG

Mi, 22. Dez. 2010, 23:00h, Club 2: "Auf der Suche nach dem Übersinnlichen"
Hinweis: Club 2-Sendungen sind auch "post festum" über die ORF TVThek abrufbar.


7. AVISO VON VERANSTALTUNGEN

7.1 Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie

7.1.1 Die Österreichische Gesellschaft für organismisch-systemische Forschung und Theorie, mit der wir in der Vergangenheit bereits kooperiert haben (Symposium "Arthur Koestler - Jenseits von Reduktionismus und Zufall") führt vom 15.-17. April 2011 im Stift Vorau ein interdisziplinäres Symposium "Wissenschaft kritisch hinterfragt - naturphilosophische Kontroversen" durch, in dem auch die Parapsychologie zu Wort kommt.

7.1.2 Dieselbe Gesellschaft führt am 4. Juni ein eintägiges Symposium "Consciousness and Healing" (in englischer Sprache) durch, Ort ist voraussichtlich das Naturhistorische Museum Wien. Das Programm steht noch nicht im Detail fest, der "Stargast" der Veranstaltung wird Stanley Krippner sein, der uns auch in unserer Gesellschaft für zwei Vorträge (Mo, 30. 05. und Di, 31. 05. 2011) zur Verfügung stehen und am 03. 06. 2011 auch an der Sigmund Freud PrivatUniversität sprechen wird.


7.2 Braunauer Zeitgeschichte-Tage
Für die Braunauer Zeitgeschichte-Tage 2013 ist das Thema "'Okkulte Erlebnisse': Rudi Schneider und Willi Schneider" in Aussicht genommen, also zwei Österreicher, die unter den wichtigsten medialen Versuchspersonen aller Zeiten einzuordnen sind. (Bzgl. Rudi Schneider vgl. meinen Beitrag "Im Rotlicht erhebt sich ein Taschentuch - und 'Fragwürdigstes' geschieht im 'Zauberberg'. Thomas Mann und die Parapsychologie" in: Christa Tuczay und Wolfgang Müller-Funk (Hrsg.): Faszination des Okkulten. Tübingen: A. Francke-Verlag, 2008.)


8. ANLÄSSLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …

Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters - Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern - EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und viel Glück im Neuen Jahr!


Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 40 – Wien, 12. Oktober 2010



INHALT:

     1. Vortragsprogramm Wintersemester 2010/11
     2. Personalia
     3. BIAL-Symposium
     4. IGPP-Tätigkeitsbericht
     5. Literaturhinweise
     6. Internet
     7. Neu im Kino
 
 
1. VORTRAGSPROGRAMM:
 
•    Mo, 18. Okt. 2010
     Erich Neuwirth
     Zufall und Vorhersagbarkeit

•    Mo, 15. Nov. 2010
     Erlendur Haraldsson
     Nordische „physikalische Medien“

•    Di, 16. Nov. 2010
     Erlendur Haraldsson
     Leben nach dem Tod und Wiedergeburt

•    Mo, 13. Dez. 2010
     Peter Mulacz
     Träger der Wundmale Christi

•    Mo, 17. Jänner 2011
     P. A. Straubinger
     Aspekte der internationalen Parapsychologie

Achtung: geänderte Beginnzeit, 20 Uhr c.t.!

Das gedruckte Programm ist bereits versandt; wie immer ist das Programm unter <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> on-line abrufbar.

Der erste Vortrag (Erich Neuwirth) setzt sich mit Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie auseinander: von den Rhine’schen Kartenexperimenten bis zur aktuellen Methode der Metaanalyse, von der Schwierigkeit, Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen und, last not least, von der Problematik synchronistischer Erfahrungen.

Erlendur Haraldsson wird über verschiedene Medien aus dem skandinavischen Raum berichten, wobei der physikalische Mediumismus im Vordergrund steht. Bei Einar Nielsen hatte auch der längst verstorbene österreichische Parapsychologe P. Peter Hohenwarter Sitzungen mitgemacht; auch bei Nielsen gilt es, das pro und contra sorgfältig abzuwägen.

In seinem zweiten Vortrag, am darauffolgenden Dienstag, wird der Referent den Glauben an Leben nach dem Tod und Wiedergeburt thematisieren, und zwar auf der Basis großangelegter soziologischer Untersuchungen („European Human Values Survey“ bzw. „World Human Values Survey“).

Der Titel meines eigenen Vortrags, „Träger der Wundmale Christi“, spiegelt die populäre und unkritische Rezeption der Stigmata wider. Bei allen Stigmatisierten ist die Stigmatisation mit paranormalen Phänomenen (insbesondere außersinnlicher Erfahrung) und vielfach auch mit physiologischen Anomalien (z.B. Nahrungslosigkeit) vergesellschaftet, insofern spricht man vom „Stigmatisationssyndrom“.

Im letzten Vortrag im Semester wird P. A. Straubinger eine Reihe von Video-Clips (in englischer Originalversion) vorführen, die im Zuge der Interviews mit verschiedenen Parapsychologen rund um die Welt entstanden sind, welche er für seinen Film (vgl. Pkt. 7) befragt hat. Es handelt sich sozusagen parapsychologisch relevantes „Überschußmaterial“, das thematisch oder umfangmäßig nicht mehr in den Film hineingepaßt hat.
 
 
2.      PERSONALIA:
 
2.a     Michael Thalbourne:
 
Der australische Parapsychologe Michael Thalborne, geb. 24.03.1955, ist am 04.05.2010 verstorben. Er war der Präsident des „Australian Institute for Parapsychological Research“ und der Herausgeber des „Australian Journal of Parapsychology“. Zu seinen Büchern zählen „A Glossary of Terms used in Parapsychology“ und, gemeinsam mit Lance Storm, „Parapsychology in the Twenty-First Century: Essays on the future of Psychical Research” sowie „The survival of human consciousness: Essays on the possibility of life after death”. Interessant ist auch sein Konzept der „Transliminalität“. Ähnlich dem Pianisten Friedrich Gulda hatte auch Thalbourne bereits früher eine Falschmeldung hinsichtlich seines eigenen Todes lanciert.
Siehe auch <http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Thalbourne>, sein reiches Oevre <http://www.parapsych.org/members/m_thalbourne.html> sowie seinen Artikel über die Praktiken des sattsam bekannten Varietézauberers und Berufsentlarvers Randi <http://www.aiprinc.org/para-c05_Thalbourne_1995.pdf>.

2.b     Martin Gardner:
 
Wenige Tage nach Thalbourne, nämlich am 22.05.2010, verstarb in biblischem Alter der am 21.10.1914 geborene Martin Gardner. Als Wissenschaftsjournalist hatte er mehrere Schwerpunkte, darunter Mathematik und Pseudowissenschaften. Gardner war ein Gründungsmitglied des Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal (CSICOP), heute umbenannt in Committee for Skeptical Inquiry (CSI), und ein Exponent der „Skeptiker“-Bewegung. Siehe auch <http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Gardner> sowie Nachrufe <http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=profile-of-martin-gardner>
und <http://www.nytimes.com/2010/05/24/us/24gardner.html>.

2.c     Berthold E. Schwarz:

Mit 85 Jahren ebenfalls hoch betagt ist der Psychiater Dr. Berthold Eric Schwarz am 16.09.2010 in Vero Beach gestorben. Ein Klassiker ist sein Buch über Telepathie zwischen Kindern und Eltern: „Parent-child telepathy: five hundred and five possible episodes in a family;: A study of the telepathy of everyday life“ (1971). Was Psychokinese anlangt, stand Schwarz William E. Cox (gest. 1994) nahe, der – in der Tradition von J. G. Neidhardt bzw. SORRAT (Society for Research in Rapport and Telekinesis <http://www.metamind.net/sorrat.html>) – mit einem „Minilab“ experimentierte, einem geschlossenen Behälter, in dessen Inneren kleine Objekte psychokinetisch bewegt werden sollte, wobei diese Ortsveränderungen automatisch gefilmt worden sind. Allerdings sind diese Resultate stark in Zweifel gezogen worden, was ihre angeblich paranormale Verursachung betrifft.

De mortuis nihil nisi bene – trotzdem kann ich den Kommentar nicht unterdrücken, daß die beiden soeben Genannten zu extreme Positionen vertreten haben, Gardner einen über das Ziel schießenden Skeptizismus, während Schwarz es wohl vielfach an der nötigen kritischen Einstellung hat mangeln lassen. (Die Assoziation zu den beiden Fehlertypen liegt nahe, „false positive“ und „false negative“ bzw. Typ I und Typ II Fehler.)

2.d     Pam Reynolds:
 
Als „Pam Reynolds“ wurde die US-amerikanische Sängerin Pam Reynolds Lowery (geb. 1956) bekannt, die im Alter von 35 Jahren eine Todesnähe-Erfahrung während einer Gehirnoperation gehabt hat. Während dieser Fall von manchen Autoren etwas voreilig als „beweisend“ für eine (im weitesten Sinne) transzendentale Interpretation angesehen worden ist, zeigt eine eingehendere Analyse, daß diese Interpretation keineswegs zwingend ist und daß alternative Erklärungen möglich sind. Eine kurze tabellarische Zusammenfassung dieser NDE findet sich auf <http://en.wikipedia.org/wiki/Pam_Reynolds#Timeline>. Nun ist „Pam Reynolds“ am 22.05.2010 verstorben.
 
 
3.     BIAL-SYMPOSIUM:
 
Das gesamte 8. Bial-Symposium, das – wie immer unter dem Gesamttitel „Beyond and Behind the Brain“ – vom 07.-10.04.2010 stattgefunden hat, ist von der Universität Porto aufgezeichnet worden und über das Webportal TVU abrufbar:
<http://tv.up.pt/channels/conferencias?set_locale=en>
 
 
4.     IGPP-TÄTIGKEITSBERICHT:
 
Der Tätigkeitsbericht 2008/2009 des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i.Br. <http://igpp.de> ist erschienen. Der Bericht wird jedem Interessenten kostenlos zugesandt, eine Mail an Dipl.-Psych. Eberhard Bauer <bauer@igpp.de> mit Adreßangabe genügt.
 
 
5.     LITERATURHINWEISE:
 
5.a     Neuerwerbungen unserer Bibliothek:
 
•    Dr. Christa A. Tuczay
     „Ekstase im Kontext: Mittelalterliche und neuere Diskurse einer Entgrenzungserfahrung“
     Hrsg. Peter Dinzelbacher
     Peter Lang Verlag, Frankfurt 2009 <http://www.peterlang.com/index.cfm?event=cmp.cst.ebooks.datasheet&id=51356&concordeid=57194>
Frau Doz. Tuczay hat bei uns bekanntlich mehrere Vorträge gehalten; sie ist auch – gemeinsam mit Wolfgang Müller-Funk – die Herausgeberin der im selben Verlag 2008 erschienen Anthologie „Faszination des Okkulten: Diskurse zum Übersinnlichen“ <http://www.narr.de/details.php?catp=&p_id=38259>.

•    Editors: Chris Roe, Wim Kramer and Lisette Coly
     „Utrecht II: Charting the Future of Parapsychology“
     Utrecht, 2008
     Diesen Band habe ich bereits im Newsletter N° 38 avisiert.
     Vgl. <http://www.pflyceum.org/266.html> bzw. <http://www.pflyceum.org/451.html>.

•    Frans W.J.J. Snel
     „Aspects of the paranormal healing phenomenon: the narrative approach“
     Amersfoort, 2010 
Die beiden letztgenannten Bücher sind Schenkungen des Johan Borgman Funds an unsere Bibliothek, wofür sich unsere Gesellschaft hiermit herzlich bedankt.
 
5.b     Weitere interessante Neuerscheinungen:
 
•    Heather Wolffram
     The Stepchildren of Science: Psychical Research and Parapsychology in Germany, c. 1870-1939
     <http://www.rodopi.nl/functions/search.asp?BookId=CLIO+88>

•    Hartmut Binder
     Gustav Meyrink: Ein Leben im Bann der Magie
     <http://www.vitalis-verlag.com/prag.php#binder_meyrink>

•    Melvyn Willin
     Geister
     Unglaubliche Bilder auf dem Prüfstand
     Fotografien des Übersinnlichen
     <http://www.buecherquelle.at/Buchshop/Neuerscheinungen/Geister::2448.html>

Auf diese Werke beabsichtige ich im nächsten Newsletter näher einzugehen, der noch rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen soll.
 
5.c     „Psychologie in Österreich“: 
 
Die aktuelle Nummer der Zeitschrift „Psychologie in Österreich“ (PIÖ) hat den Themenschwerpunkt „Parapsychologie und Grenzwissenschaften“. Die Zeitschrift wird an alle Mitglieder des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) verteilt. Zum Inhaltsverzeichnis: <http://www.boep.eu/Aktuelle-Ausgabe.441.0.html>.
 
 
6.     INTERNET:
 
6.a     Diverse Wikis:
 
Die Polemik zwischen seriösen Forschern im Bereich der Grenzgebiete und der sogenannten „Skeptiker“-Bewegung geht weiter. Der Gegenstandsbereich geht dabei über die Parapsychologie weit hinaus, es geht vielfach um „Glaubenskämpfe“ (von „Nullpunkt-Energie“ bis zu den Impfgegnern), wobei medizinische Themen über den Umweg der „Germanischen Neuen Medizin“ <http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Neue_Medizin> in politische Ideologie münden, detto für umstrittene psychotherapeutische Verfahren (z.B. <http://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger>).
 
Neuerdings werden – pro und contra – Seiten ins Web gestellt, die in ihrer äußeren Aufmachung an die Web-Enzyklopädie „Wikipedia“ <http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia> erinnern.
Ein besonders pikanter Vertreter dieses Genres ist die Seite „EsoWatch“ <http://esowatch.com/ge/index.php?title=Hauptseite> bzw. (Information darüber) <http://de.wikipedia.org/wiki/Esowatch>. Das den gesetzlichen Vorgaben nicht entsprechende Impressum von EsoWatch sowie die zahlreichen Urheberrechtsverletzungen entziehen sich durch Webhosting im Ausland jeglichen Sanktionen; allerdings brandmarken diese Rechtsverletzungen die ganze Website eindeutig als unseriös, sodaß von vornherein auch bei den Inhalten Seriosität nicht erwartet werden kann.
 
Gegen EsoWatch tritt – in ähnlicher Aufmachung – „Eselwatch“ <http://eselwatch.com/index.php?title=Hauptseite> auf.
Um der Skeptiker-Vereinigung „GWUP“ – das deutschsprachige Pendant des oben unter Pkt. 2.b erwähnten CSI – entgegenzuwirken, gibt es jetzt auch „GWUP Watch“ <http://gwup-skeptiker.blogspot.com/>.
 
Weitere Seiten, die sich mit „Skeptiker“-Organisationen auseinandersetzen:
•    Skeptizimus <http://www.skeptizismus.de/>
•    Skepticalinvestigations <http://www.skepticalinvestigations.org/homepage.html>
•    Debunkingskeptics <http://www.debunkingskeptics.com/>
•    Psi v Sigh <http://sites.google.com/site/psivsigh/>
 
6.b    Charles Tart auf Youtube:
 
Von dem bedeutenden Psychologen und Bewußtseinsforscher Charles Tart sind auf dem Videoportal Youtube <http://youtube.com> zahlreiche Vorträge eingestellt, u.a. zu folgenden Themen:
•    Questions of Consciousness
     -    Altered States of Consciousness
     -    Cosmic Consciousness
     -    Consciousness and Survival
•    Reflections on Meditation
•    Science, Religion, and Spirituality
•    Evolving Science
•    The Assumptions of Western Psychology
 
 
7.    NEU IM KINO:
 
Zwei Filme sind angelaufen, die einen entfernten bzw. weit entfernten Bezug zur Parapsychologie haben; ein Konnex zu „Grenzgebieten der Wissenschaft“ ist auf jeden Fall gegeben. 
 
7.a     „Am Anfang war das Licht“
 
Die Dokumentation „Am Anfang war das Licht“ <http://amanfangwardaslicht.at/> von P.A. Straubinger setzt sich mit dem (angeblichen?) Phänomen von Nahrungslosigkeit bzw. „Lichtnahrung“ auseinander. Nahrungslosigkeit (Inedie, auch Asitie) wird von mehreren Heiligen (z.B. Nikolaus von der Flüe) bzw. betont religiösen Personen (z.B. die stigmatisierte Therese Neumann von Konnersreuth), aber auch bei anderen (z.B. die „Wassertrinkerin Maria Furtner“ aus dem 19. Jhdt. berichtet. In Amalgamierung mit fernöstlichen Ideen von „Prana“ und dem Auftreten von Jasmuheen <http://de.wikipedia.org/wiki/Jasmuheen> ist die Idee der „Lichtnahrung“ in den Vordergrund getreten, die auch bei der Namensgebung für diesen Film Pate gestanden ist. Wenn auch durchaus verständlich ist, daß ein Film einen griffigen Titel braucht, so ist doch festzuhalten, daß mit diesem Titel bereits eine Erklärungshypothese transportiert wird. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sollte zuerst die Faktizität (das „ob“) zweifelsfrei festgestellt sein, bevor man sich an die Formulierung von Hypothesen über das „wie“ macht. Auf der Basis der über Therese Neumann vorliegenden Daten hat seinerzeit der Parapsychologe und Arzt Walther Kröner hypothetisch einen Apport von Nährstoffen direkt in den Körper der Stigmatisierten postuliert, womit der oben angesprochene Konnex zur Parapsychologie definitiv gegeben ist.
Die Frage der Erklärungshypothesen hintanstellend und daher auch das Etikett „Lichtnahrung“ vermeidend, könnte man ohne Präjudiz von (angeblichen) ernährungsphysiologischen Anomalien sprechen, die in diesem Film eindruckvoll vor Augen geführt werden. Es stellt sich die Frage nach der Gewichtung der Evidenz für nahrungsloses Leben bei den im Film vorstellten Fällen. Der „Alpenyogi“ und die wohlbeleibte Russin sind ein buntes, belebendes Element, steuern aber argumentativ nichts bei. Interessant sind der Chemiker Dr. Michael Werner und der „Guru“ Prahlad Jani, die beide jeweils in einer Klinik für eine bestimmte Zeit 24 Stunden am Tag überwacht worden sind, wobei die Resultate im Film referiert werden. Die beiden Fälle liegen etwas unterschiedlich. Bei Michael Werner ist ein gewisser Gewichtsverlust und (nicht überraschend) ein physiologischer Hungerzustand des Organismus festgestellt worden; im Alltagsleben nimmt Werner gemäß Selbstbekundung keine feste Nahrung zu sich, trinkt aber (kalorien- und vitaminhaltige) Fruchtsäfte, d.h., er lebt nicht wirklich nahrungslos, sondern nahrungsreduziert. Prahlad Jani hingegen hat sich während der Untersuchungsperiode <http://www.sudhirneuro.org/files/mataji_case_study.pdf> jeglicher Nahrungs- bzw. Flüssigkeitsaufnahme enthalten; es gab auch keine Ausscheidungen, wobei die untersuchenden Ärzte auf den unterschiedlichen Füllungsgrad der Harnblase hinweisen und eine mögliche Resorption des Urins diskutieren. Nun haben Kritiker (z.B. <http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/09/am-anfang-war-das-licht.php>) darauf hingewiesen, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß Prahlad Jani während des Badens unbemerkt sowohl Flüssigkeit aufgenommen wie auch Urin abgegeben hätte. Dies müßte anhand der Videobänder nochmals überprüft werden.
Jedenfalls hat Straubinger mit diesem Film eine sehr interessante Dokumentation geschaffen und eine in der öffentlichen Diskussion, auch und insbesondere innerhalb der „scientific community“, bisher weitgehend ausgeblendete Problemstellung thematisiert. Ob die vorgelegte Evidenz gut genug ist, bewährte wissenschaftliche Grundsätze gleich über Bord zu werfen, mag mit Fug und Recht bezweifelt werden, aber ganz gewiß ist sie massiv genug, daß sich Physiologen dieses Themas intensiver annehmen sollten. Vor allem die im Film gezeigten Untersuchungen des indischen Ärzteteams an Prahlad Jani sind äußerst interessant.
Dazu noch eine Anmerkung zu Kritik und Skepsis: Kritik ist in der Parapsychologie und benachbarten Grenzgebieten durchaus willkommen (bzw. sollte es sein), weil sie Schwachstellen aufzeigt und somit ein brauchbares Regulativ ist, Forschungsresultate zu verbessern. Was hingegen durchaus verzichtbar ist, ist „Skepsis“ im Sinne einer aprioristischen Haltung, die der Dichter Christian Morgenstern so schön mit den Worten „weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf“ charakterisiert hat. Leider ist genau das die Grundhaltung der diversen negativen Stellungnahmen zu diesem Film.

7.b     „Next Exit Nirvana“
 
Dieser Film von Walter Größbauer <http://www.fortuna-media.com/portfolio/portfolio_nirvana/portfolio_nirvana.php> hat viel geringere Ansprüche: hier geht es nicht um Wissenschaft, sondern der Zuseher nimmt an der Kumbh Mela, dem größten Pilgerfest der Welt, das nur alle 12 Jahre in Indien stattfindet, teil. Es ist ein höchst farbenfrohes Bild, ein buntes Panoptikum von argem Kitsch, mit 5.000 Gurus, 200.000 Sadhus und Millionen von Pilgern und Bettlern, die sich am Ganges sammeln. Manche der in diesem Film dokumentierten Skurrilitäten sind kaum zu überbieten. Hier wird das klassische Wunderland Indien durchaus entzaubert, und auch von echter Spiritualität (die von manchen Leuten – zu recht oder zu unrecht – in die Nähe der Parapsychologie gerückt wird) kann die Rede nicht sein.
 
Von beiden Filmen gibt es Trailer auf den zitierten Internetpräsenzen.


Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 39 – Wien, 24. März 2010
 
INHALT:

  1. Programm
  2. Forschungsmittel
  3. Veranstaltungen in den nächsten Monaten (Erinnerung)
  4. Film
  5. Literaturhinweise

Wie üblich vor Beginn des Semesters bzw. der Vortragssaison ein Newsletter, der diesmal kurz ausfällt. 

1. VORTRAGSPROGRAMM:

Unser Vortragsprogramm für dieses Semester <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> hat zwei Schwerpunkte, der eine liegt auf „Klinischer Parapsychologie“ und Beratung, der andere auf Problemen des sogenannten „Physikalischen Mediumismus“ (wobei es um die Phänomene geht und nicht um den interpretativen Kontext, in welchem sie üblicherweise auftreten).
 
Alejandro Parra vom „Institute of Paranormal Psychology“ in Buenos Aires, Argentinien, wird über die zugrundeliegenden Modelle und die theoretischen Ansätze der dortigen Beratungsaktivitäten referieren, wobei er auch mehrere Fallberichte bringen wird. Der Vortrag findet ausnahmsweise an einem Freitag statt; der Referent wird englisch sprechen, die dazugehörigen PPT-Folien sind jedoch ins Deutsche übersetzt.
 
Wim Kramer aus Utrecht wird zunächst bei uns über Leben und Werk des bekannten niederländischen Paragnosten Croiset (und dabei auch über das Werk von W. H. C. Tenhaeff) sprechen und dazu ein 25-minütiges Filmdokument zeigen. Auch dieser Vortrag wird in englischer Sprache gehalten, die Diskussion mag aber auf Deutsch stattfinden.
 
Am darauffolgenden Mittwoch wird Wim Kramer, der der Gründer und jahrelanger Leiter des „Parapsychologisch Adviesbureau“ in Utrecht gewesen ist, an der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) <http://sfu.ac.at/> einen Vortrag „Paranormal Phenomena & Clinical Practice: Experiences in Counseling“ halten, der eine Kooperationsveranstaltung unserer Gesellschaft mit der SFU darstellt. (Ebenfalls Englisch/Deutsch). Details: <http://sfu.ac.at/data/Kramer_SFU.pdf>
 
Walter Meyer zu Erpen wird seine beiden Vorträge gleich auf Deutsch halten. Im ersten Vortrag diskutiert er das umstrittene Thema des „Ektoplasma“ anhand der Forschungen von Thomas Glendenning Hamilton, dessen riesiges Bildarchiv an der Universität von Manitoba kürzlich auch digital zugänglich gemacht worden ist.
 
In seinem zweiten Vortrag (am Dienstag, ausnahmsweise im Hörsaal III) fokussiert Walter Meyer zu Erpen auf das „Urphänomen“ des Physikalischen Mediumismus, das Tischrücken, das er in einen weiten historischen (von der Mitte des 19. Jhdts bis zur Gegenwart) und einen breiten thematischen Kontext (von der spiritistischen Kommunikation bis zu „Sittergroups“ à la Batcheldor <http://video.google.com/videoplay?docid=6629513578993479726#>) stellt.
 
Der letzte Vortrag im Semester, mein eigener, bleibt beim Thema des „Physikalischen Mediumismus“. Vor einigen Jahren hat der Scole-Report für Aufruhr in der Welt der Parapsychologie gesorgt; nun, wo die „Scole Group“ nicht mehr aktiv ist, liegt der Fokus des Interesses auf einer deutschen Gruppe, dem „Felix Circle“, von dem bemerkenswerte Phänomene berichtet werden und der auch mittels eines weblogs <http://felixcircle.blogspot.com/> selbst an die Öffentlichkeit geht. In dem Vortrag beabsichtige ich, über meine eigenen Beobachtungen in diesem Zirkel zu berichten und die Mitteilungen anderer Besucher des Zirkels zusammenfassend zu referieren.
 
 
2. FORSCHUNGSMITTEL:
 
Der „Helene Reeder Memorial Fund for Research into Life after Death (HRF)“, eine Stiftung in Schweden lobt Forschungsmittel für kleine oder mittlere wissenschaftliche Projekte aus, die, wie der Name der Organisation sagt, für Forschung über ein Leben nach dem Tod zweckgebunden sind. Wie ich schon vor langer Zeit in einem Aufsatz „Der sogenannte wissenschaftliche Spiritismus als parapsychologisches Problem“, erschienen in einem längst vergriffenen Band „Parapsychologie. Ein Handbuch“ (Hrsg. Oskar Schatz, Styria 1976) ausführlich dargelegt habe, halte ich derartige Forschung aus grundsätzlichen Erwägungen heraus für aussichtslos. Aber natürlich kann ich mich – errare humanum ist – in dieser meiner Beurteilung auch irren, und so komme ich gerne dem Wunsch nach, diese Information weiterzugeben. Nähere Details: HRF c/o <edgar.muller@comhem.se>
 
 
3. AUSBLICK AUF KOMMENDE VERANSTALTUNGEN:
(Wiederverlautbarung aus dem vorigen Newsletter zur Erinnerung)
 
3.1
Tagung „Klartraum – Wahrtraum“. Außergewöhnliche Traumerfahrungen in der empirischen Forschung.
26.-28. März 2010
Universität Heidelberg
Veranstalter: Gesellschaft für Anomalistik e. V.
<http://www.anomalistik.de/aktuell/veranstaltungen/tagung-2009-klartraum-wahrtraum.html>
 
3.2
8th BIAL-Symposium „Behind and Beyond the Brain“
7.-10. April 2010
Porto, Portugal
Veranstalter: BIAL-Foundation
<http://www.bial.com/en/bial_foundation.11/symposium.19/%26nbsp.a39.html>
 
3.3
53rd Annual Parapsychological Association Convention
22.-25. Juli 2010
Paris - Enclos Rey
Veranstalter: PA, siehe oben
<http://parapsych.org/breaking-news.html#9>
 
 
4. KINOFILM
 
Ein Film „Männer, die auf Ziegen starren“ ist in den Kinos angelaufen – es handelt sich dabei um einen Klamauk, den ich nur deshalb hier erwähne, weil am Rande parapsychologische Themen angesprochen werden. Darüber unterrichtet die Wikipedia: <http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nner,_die_auf_Ziegen_starren> mit einem Link zum Lemma „First Earth Battalion“ <http://en.wikipedia.org/wiki/First_Earth_Battalion> (englisch), dort in den Absätzen „The Warrior Monk Ethos“ und „New directions“ weitere Links zu den parapsychologischen relevanten Themen, z. B. dem remote viewing program am SRI. (Vgl. zu dieser Thematik auch <http://parapsychologie.ac.at/programm/ws199900/mulacz/cia.htm>.)
 
 
5. LITERATURHINWEISE:
 
5.1
Hartmut Binder: „Gustav Meyrink: Ein Leben im Bann der Magie“. Vitalis Verlag, 2009, ISBN 978-3899190786. Es handelt sich um einen gewichtigen Band von fast 800 Seiten mit ebenso gewichtigem Inhalt, der unbedingt eine ausführlichere Rezension verdient, die allerdings erst im nächsten Newsletter erscheinen wird.
 
5.2
Heather Wolffram: „The Stepchildren of Science: Psychical Research and Parapsychology in Germany, 1870-1939“ – die angekündigte Rezension muß umständehalber ebenfalls auf den nächsten Newsletter verschoben werden.
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 38 – Wien, 23. Dez. 2009

 
 
INHALT:
 
1. Parapsychological Association
2. Interessante Veranstaltungen in den nächsten Monaten
3. Rückblick auf das vergangene Semester
4. Literaturhinweise
5. Personalia
6. Feiertagswünsche
 
 
1. NEUES VON DER PARAPSYCHOLOGICAL ASSOCIATION:
 
Einladung zum Beitritt
Die Parapsychological Association (kurz: PA), 1957 in Durham gegründet, versteht sich als die Berufsvereinigung der wissenschaftlich tätigen Parapsychologen. Vor nunmehr 40 Jahren ist die PA in die prestigeträchtige American Association for the Advancement of Science (AAAS) aufgenommen worden, die wohl die weltweit wichtigste Wissenschaftsorganisation ist. Damit muß – zumindest formal – der säkulare Streit um den Wissenschaftscharakter der Parapsychologie als beendet angesehen werden.
Gegenwärtig führt die PA eine Werbeaktion durch, in deren Zug die Bedingungen für die Mitgliedschaft geändert worden sind. Während früher für einen Beitrittskandidaten u.a. Empfehlungsschreiben zweier Mitglieder nötig waren, ist diese Hürde bei der Mitgliedskategorie "Affiliate" jetzt gefallen und das einzige Kriterium für einen Beitritt stellt – wie auch in unserer Gesellschaft – das Interesse am Forschungsgebiet der Parapsychologie dar (von der Selbstverständlichkeit der Bezahlung des Mitgliedsbeitrages abgesehen).
Nähere Information unter <http://parapsych.org/breaking-news.html#10>.
 
 
2. AUSBLICK AUF KOMMENDE VERANSTALTUNGEN:
 
2.1 Tagung "Klartraum – Wahrtraum". Außergewöhnliche Traumerfahrungen in der empirischen Forschung.
26.-28. März 2010
Universität Heidelberg
Veranstalter: Gesellschaft für Anomalistik e. V.
<http://www.anomalistik.de/aktuell/veranstaltungen/tagung-2009-klartraum-wahrtraum.html>
 
2.2 8th BIAL-Symposium "Behind and Beyond the Brain"
7.-10. April 2010
Porto, Portugal
Veranstalter: BIAL-Foundation
<http://www.bial.com/en/bial_foundation.11/symposium.19/%26nbsp.a39.html>
 
2.3 53rd Annual Parapsychological Association Convention
22.-25. Juli 2010
Paris - Enclos Rey
Veranstalter: PA, siehe oben
<http://parapsych.org/breaking-news.html#9>
 
 
3. RÜCKBLICK:

3.1 Paradis-Symposium und Konzert
 
Am 2./3. Dez. 2009 fand an der Universität Mozarteum in Salzburg das Symposium "Maria Theresia Paradis" sowie ein Konzert aus Anlaß des 250. Geburtstags der Künstlerin statt:
<http://www.moz.ac.at/pdf/allgemein/paradis.pdf>
und <http://www.moz.ac.at/intern/hp/userfiles/51057/files/2_12_%20Paradis%20Symposion+Konzerte.pdf>
Während für die Musikwissenschaftler die magnetische Kur an der blinden Pianistin nur eine Episode in ihrem Leben darstellt, stellt reziprok Mesmers Behandlung dieser Prestigepatientin nur eine, wenn auch wichtige, Episode in seiner Karriere dar – und Mesmer ist schließlich in der Vorgeschichte der Parapsychologie eine ganz zentrale Persönlichkeit (vgl. <http://mesmer.parapsychologie.info/> und <http://parapsychologie.info/wirkung.htm>)
Marion Fürst, Autorin einer umfassenden Paradis-Monographie (Maria Theresia Paradis: Mozarts berühmte Zeitgenossin, Böhlau-Verlag) und ich haben bei diesem schönen Symposion über das Leben der Paradis bzw. ihre Krankheit und ihre schlußendlich erfolglose Behandlung sowie die heutige Beurteilung derselben referiert.
 
3.2 Die letzten Vorträge unserer Gesellschaft
 
Von den drei besonders interessanten Vorträgen (Hartmann Römer [2 x] und Stefan Procházka) werde ich jeweils Zusammenfassungen auf unsere Website stellen; das will ich über die Feiertage erledigen, sodaß spätestens mit dem Jahreswechsel diese Inhalte zugänglich sein werden.
 
 
4. LITERATURHINWEISE:
 
4.1 Bereits mehrfach habe ich auf die von der Parapsychological Foundation (kurz: PF) gesponserte Tagung "Utrecht II: Charting the Future of Parapsychology" <http://www.pflyceum.org/266.html> bzw. <http://www.pflyceum.org/451.html> verwiesen. Nunmehr ist der betreffende Tagungsband, der rund 600 Seiten stark ist, erschienen. Der Band ist so brandneu, daß er auf der Internetpräsenz der PF noch gar nicht aufscheint – aber wenn es so weit sein wird, findet man ihn unter den Publikationen <http://www.parapsychology.org/dynamic/070202.html> bzw. <http://www.psi-mart.com/search.php?Id=4&PreformQuery=30&PreformTitle=All+Proceedings>
(Übrigens gibt es auch den Band "Utrecht I" aus 1953: <http://www.psi-mart.com/details.php?Id=&IdArt=294>).
Selbstverständlich wird auch in der Bibliothek unserer Gesellschaft ein Exemplar dieses wichtigen Werks vorhanden sein, entlehnbar (nur für Mitglieder) ab dem Beginn des Sommersemesters 2010.

4.2 Von Annekatrin Puhle, die bereits 2005 das schöne Buch "Mit Goethe durch die Welt der Geister. Geisterbegegnungen aus vielen Jahrhunderten" vorgelegt hat, gibt es jetzt in der gleichen Ausstattung "Mit Shakespeare durch die Welt der Geister: Geisterberichte aus England, Schottland, Irland, Wales und Cornwall".
Freilich kein "wissenschaftliches" Werk, aber sehr interessant und unterhaltsam zu lesen, und ein "refresher" hinsichtlich der literarischen Bildung ;-), somit empfehlenswert (und im Gegensatz zum nächsten Buch auch durchaus erschwinglich) …
Verlag O. Reichl, St. Goar, 2009
ISBN-10: 3876672708
ISBN-13: 978-3876672700

4.3 Heather Wolffram: "The Stepchildren of Science: Psychical Research and Parapsychology in Germany, 1870-1939", ebenfalls neu erschienen, verdient, weil es sich auf die Geschichte der Parapsychologie im deutschen Sprachraum bezieht, eine eingehendere Darstellung, obwohl das Buch leider sehr teuer ist. Eine ausführliche Rezension folgt im nächsten Newsletter.
Verlag Rodopi, Amsterdam, 2009
Sprache: Englisch
ISBN-10: 9042027282
ISBN-13: 978-9042027282


5. PERSONALIA:

Univ.-Prof. Dr. Helmuth E. Grössing, Historiker an der Universität Wien, bis vor kurzem Direktor des Instituts "österreichisches Biographisches Lexikon und Biographische Dokumentation" (öBL) der österreichischen Akademie der Wissenschaften, feiert anfangs des kommenden Jahres ein "rundes" Jubiläum: seinen 70. Geburtstag. Helmuth Grössing, langjähriger Präsident der österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte (öGW) ist dem Gegenstand Parapsychologie und besonders unserer Gesellschaft sehr verbunden, war er doch durch einige Jahre hindurch unser Vizepräsident, bis er dann auf eigenem Wunsch aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Einschlägige Dissertationen, die er betreut hat, wurden z.B. von Heindl und Löcker vorgelegt (darauf beruhende Publikationen: siehe unten).
Der Verlag Erasmus-Wien beabsichtigt, eine Subskription auf eine spezielle Publikation zur Würdigung Prof. Grössings (mit einer tabula gratulatoria der Subskribenten) aufzulegen. Anfragen von Interessenten bitte direkt beim Verlag Erasmus-Wien bzw. e-mail <office@erasmuswien.at>.
Jedenfalls schließt sich unsere Gesellschaft der Schar der Gratulanten an und wünscht dem Jubilar alles Gute "ad multos annos".
[Gerhard Heindl: Die österreichische Gesellschaft für Parapsychologie und Grenzbereiche der Wissenschaften: 1927-1963 mit einem statistischen Anhang bis 1997. Frankfurt, Peter Lang Verlag, 1998.
Martina Löcker: Parapsychologie und Hexenwesen. In: "Mensch – Wissenschaft – Magie" -
Mitteilungen der österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte, Wien, Band 26, pp. 45-74.
 
 
6. ANLÄSSLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …
 
Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters – Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern – EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und viel Glück im Neuen Jahr!
 
 
Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 37 – Wien, 15. Okt. 2009



INHALT:
 

  1. Prof. H. Hofmann, unser Ehrenpräsident, kürzlich verstorben
  2. Vortragsprogramm Winteresemester 2009/10 (mit Änderung!)
  3. In memoriam Gertrude R. Schmeidler, 1912-2009
  4. Nachlaß von Montague Ullman ist an die ASPR gegangen
  5. Zwei Jubiläen im Kontext des Spiritismus: 
    1. A.R. Wallace (im Kontext des Darwin-Jahres)
    2. A. Conan Doyle
  6. Interessanter Aufsatz zur Wissenschaftstheorie und -soziologie
  7. On-line Umfragen


1. HELLMUT HOFMANN (1921-2009)

Die österreichische Gesellschaft für Parapsychologie und Grenzbereiche der Wissenschaften trauert um ihren Ehrenpräsidenten, em. o. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Hellmut Hofmann, der am 3. Oktober hochbetagt verstorben ist.
Nachruf:   <http://parapsychologie.ac.at/hofmann/nachruf.htm>
Partezettel:   <http://parapsychologie.ac.at/hofmann/partezettel.pdf>


2. PROGRAMM
 

Wie immer ist das Programm auch on-line auf <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar und bereits versandt worden. Ebenfalls wie immer bemühen wir uns, unserem Auditorium ein weit gefächertes Programm zu bieten:

Der theoretische Physiker Hartmann Römer aus Freiburg i. Br. ist durch seine – gemeinsam mit Harald Atmanspacher und Harald Walach erfolgte – Verallgemeinerung quantenphysikalischer Formalismen bekannt geworden. Er wird – in gemeinverständlicher Sprache – zunächst über diese Verallgemeinerung sprechen (WQT, Weak Quantum Theory), und in einem zweiten Vortrag am Dienstag, den ersten Vortrag exemplifizierend, über konsistente und inkonsistente Geschichten, wobei wiederum die Quantentheorie in Bezug auf diese „Geschichten“ im Mittelpunkt steht („Geschichte“ dabei im Sinne von „history“, nicht von „story“). Insbesondere erscheinen inkonsistente Geschichten als eine Verallgemeinerung des Begriffes der quantentheoretischen Komplementarität.

Stephan Procházka wird uns in eine ganz andere Welt einführen, in ein islamisches Besessenheitsritual, genannt „Zar“ (was trotz des zufälligen Gleichklangs im Deutschen nichts mit dem Titel der seinerzeitigen russischen etc. Herrscher zu tun hat), das bemerkenswerte Parallelen zu spiritistischen Vorstellungen aufweist und daher für die Parapsychologie von Relevanz ist.

Zu Semesterende, im Jänner 2010, werde ich die Ergebnisse eines größeren Telepathieexperiments vorstellen, das im Rahmen unserer Gesellschaft bereits mehrfach erwähnt worden war, mittlerweile aber abgeschlossen ist.


3.    IN MEMORIAM GERTRUDE SCHMEIDLER

Gertrude Raffel Schmeidler <http://parapsych.org/members/g_schmeidler.html>, Professor Emerita der Psychologie am City University of New York, ist am 9. März 2009 im Alter von 96 Jahren friedlich im Schlaf verstorben. Sie hat sich insbesondere dadurch einen Ehrenplatz in der Geschichte der Parapsychologie verdient, als sie den Vergleich von Persönlichkeitsvariablen mit psi-Leistungen eingeführt hat. Für den Komplex von Einstellungen gegenüber der Parapsychologie bzw. Glauben an die Realität des Paranormalen hat sie die sprechenden Bezeichnungen „sheep“ und „goats“ („Schafe“ und „Böcke“) geprägt. Wenn „Böcke“ (= „Ungläubige“) psi-begabt sind, scheinen sie das Zielobjekt besonders häufig zu vermeiden statt zu treffen („psi-missing“).

In hohem Alter hat Gertrude Schmeidler noch eine hochherzige Stiftung im Rahmen der Parapsychological Association (PA) <http://parapsychlology.org/> begründet, „Parapsychological Association Research Endowment“ (PARE)  <http://www.parapsych.org/grants.html> genannt, womit parapsychologische Forschung, von allem von Studenten, teilfinanziert werden kann.


4.    NACHLASS VON M. ULLMAN AN DIE ASPR

Wie erst kürzlich bekannt wurde, ist der wissenschaftliche Nachlaß des bereits 2008 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Psychoanalytikers und Parapsychologen Montague Ullman an die American Society for Psychical Research (ASPR) <http://www.aspr.com/> in New York gegangen und wird dort archiviert.

Ullman, <http://en.wikipedia.org/wiki/Montague_Ullman>, <http://siivola.org/monte/> und <http://dreamtalk.hypermart.net/member/files/montague_ullman.html>, ist vor allem durch seine gemeinsam mit Stanley Krippner am Maimonides Memorial Hospital durchgeführten Experimente zur Traumtelepathie berühmt geworden. Vgl. Montague Ullman, Stanley Krippner und Alan Vaughan: Traumtelepathie. Telepathische Experimente im Schlaf. Verlag J. Kamphausen, 1982 (und andere Ausgaben): <http://www.amazon.de/Traumtelepathie-Telepathische-Experimente-im-Schlaf/dp/3591080454>.


5.    ZWEI JUBILÄEN IM KONTEXT DES SPIRITISMUS

5.1    Wallace (im Kontext des Darwin-Jahres)

Alle Welt feiert heuer Charles Darwin. Dabei wird manchmal auch des Alfred Russel Wallace und dessen viel zu wenig gewürdigter Rolle in der Frühgeschichte der Evolutionstheorie gedacht. Noch viel weniger wird allgemein erwähnt – was hier hervorgehoben sei –, daß Wallace auch ein Vorkämpfer des Spiritismus gewesen ist. (Bekanntlich ist eine der historischen Wurzeln der Parapsychologie die, daß sie angetreten ist, die Behauptungen des Spiritismus zu überprüfen. Insofern haben Spiritismus und Parapsychologie ein Stück gemeinsamer Geschichte.) Immerhin wird Wallace’ Beschäftigung mit dem Spiritismus auf Wikipedia <http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Russel_Wallace> korrekt reflektiert (dort als „Spiritualismus“ bezeichnet, wie zu Wallace’ Zeiten teilweise üblich, um sich vom frankophonen Spiritismus von Alain Kardec abzugrenzen, aber mit dem Problem belastet, daß eine Verwechslung mit der philosophischen Richtung „Spiritualismus“ passiert.)

5.2    Sir Arthur Conan Doyle

Vor 150 Jahren wurde der Arzt und Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle geboren, der sich ebenfalls dem Spiritismus zuwandte – ganz im Gegensatz zu seiner scharfsinnigen Romanfigur Sherlock Holmes jedoch in eher unkritischer Weise. Insbesondere ist er der Düpierung durch zwei junge Mädchen auf den Leim gegangen, die Fotos von „Feen“ gefälscht haben (die „Feen von Cottingley“). Die Darstellung dieses Aspekts in Conan Doyle’s Leben ist in der englischsprachigen Wikipedia <http://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Conan_Doyle> weit ausführlicher als in der deutschsprachigen <http://de.wikipedia.org/wiki/Conan_Doyle >.


6.    INTERESSANTER AUFSATZ ZUR WISSENSCHAFTSTHEORIE UND -SOZIOLOGIE

Ein insbesondere für die „Grenzgebiete“ relevanter Aufsatz „How to Reject Any Scientific Manuscript“ von Prof. DDr. Dieter Gernert (TUM), im Journal of Scientific Exploration erschienen, kann jetzt heruntergeladen werden:  <http://vixra.org/pdf/0907.0020v1.pdf>.


7. NEUE UMFRAGE

Rosemarie Breen hat ein weiteres Umfrage-Projekt im WWW laufen (in englischer Sprache):
<http://www.surveymonkey.com/s.aspx?sm=9um2Ui2VCxA0pU5TKzfQ5w_3d_3d> bzw. (für paranormale Dienstleister) <http://www.surveymonkey.com/s.aspx?sm=lXOIQtz8HzMU_2bnfKob12iA_3d_3d>.

 
Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 36 – Wien, 04 05 2009

 
 
INHALT:
=======

 
1. Rupert Sheldrake in Wien – Vortrag morgen!
2. „Skeptiker“-Organisationen
3. Interessantes in der Wissenschaftssendung „Einstein“
4. Mirin Dajo-Filme aufgetaucht
5. Hans Holzer verstorben
6. Neuer Film (auf DVD) über Parapsychologie
7. Versuchsteilnehmer gesucht
 
 
1. RUPERT SHELDRAKE IN WIEN – VORTRAG MORGEN!
 
Der Biologe und Forscher auf dem Gebiet des Paranormalen – ursprünglich bekannt geworden durch seine Hypothese der „Morphogenetischen Felder“ – hält, wie leider erst sehr kurzfristig bekannt geworden ist, morgen in Wien einen Vortrag mit dem Titel „A New Science of Life: Morphic Resonance and the Memory of Nature” (ein Amalgam aus den Titeln der UK- und der US-Ausgabe seines neuen Buches).
 
Ort & Zeit: Universität für Bodenkultur Wien, HS XX, 1190 Wien, Muthgasse 18
Di, 05. Mai 09, 19:30 h
<http://www.boku.ac.at/7757.html?&tx_bokuverkal_pi2%5bid%5d=2529>
<http://www.chemie.boku.ac.at/fileadmin/_/H77/LVA/Vortraege/Sheldrake_050509.pdf>
 
Sheldrake ist einer der originellsten und innovativsten Denker auf diesem Gebiet, freilich nicht unumstritten, sowohl was seinen theoretischen Ansatz einer „morphischen Resonanz“ betrifft, wie auch, was seine experimentelle Resultate anlangt, die sich vielfach nicht haben replizieren lassen. So waren z.B. Sheldrake’s Ergebnisse hinsichtlich „Telephontelepathie“ (= beim Läuten des Telephons spontan zu wissen, wer gerade anruft) sehr beeindruckend, hatten jedoch gewisse methodische Schwächen, während dann die Freiburger Replikation, die klinisch sauber, sozusagen „aseptisch“, durchgeführt worden ist, keine signifikanten Ergebnisse geliefert hat. Damit ist freilich Sheldrake nicht gleich „widerlegt“, denn es mag durchaus sein, daß die rigiden Versuchsbedingungen in Freiburg waren, die psi-Phänomene nicht haben aufkommen lassen. Weitere Forschung ist angesagt, und es ist die Kunst des Experimentators, die Bedingungen so zu gestalten, daß eine entsprechende Kontrolle und Dokumentation gegeben ist und dennoch eine Atmosphäre herrscht, die „psi-conducive“ (psi-förderlich) ist …
Übrigens kann man auf Sheldrake’s Website auch an on-line-Experimenten teilnehmen.
 
 
2. „SKEPTIKER“-ORGANISATIONEN
 
Kürzlich war in der „Presse“, der „Wiener Zeitung“ und vielleicht auch noch anderen Printmedien, die mir entgangen sein mögen, zu lesen, daß der emeritierte Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer, bekannt als Wissenschaftskabarettist, das Präsidium einer „Gesellschaft für kritisches Denken“, der Wiener Regionalgruppe der sattsam bekannten GWUP , übernommen hat.
Aus diesem Anlaß:
mehr über die diversen „Skeptiker“-Organisationen auf „Skeptizimus.de“ (leider schon lange nicht mehr aktualisiert) sowie auf der englischen Partnerseite „Skepticalinvestigations.org“.
Erinnert sei auch an das schöne Wort von Hans Bender, der – als Gegenpol zu den „Esoterikern“ als einer Gemeinschaft von „Gläubigen“ – die Skeptiker als „Negativ-Gläubige“ bezeichnet hat; viele von ihnen erweisen sich sogar als „Fundamental-Negativ-Gläubige“.

Ein instruktives Beispiel dafür, wie „Skeptiker“ sich gegenüber andersdenkenden Wissenschaftlern benehmen, beschreibt der oben genannte Rupert Sheldrake hinsichtlich der Aufnahme einer TV-Diskussion zwischen ihm und Richard Dawkins (ebenfalls Biologe, Autor von „Der Gotteswahn“) auf seiner Website <http://www.sheldrake.org/D&C/controversies/Dawkins.html> bzw. auf deren deutscher Ausgabe <http://www.sheldrake.org/Deutsch/Dialog/dawkins.html>.
 
 
3. WISSENSCHAFTSSENDUNG „EINSTEIN“
 
Die Wissenschaftssendung „Einstein“ des Schweizer Fernsehens, deren Ausgaben auch im WWW abrufbar sowie als Podcast speicherbar sind, hat in ihrer letzten Folge (23.04.2009) zwei Berichte gebracht, die beide für den Bereich der Parapsychologie von Interesse sind, vorausgesetzt, man versteht Schweizerdeutsch …
<http://tvprogramm.sf.tv/details/12c1a82b-4f48-4992-910e-407755ef3994> (mit Kurzbeschreibungen) bzw. SF-Videoplayer <http://www.sf.tv/videoplayer/sa_player.php?videouuid=D10A7990-A86D-47BA-9580-5C04F4F86D66&skinid=popup>;  Download als Podcast <http://podcastsource.sf.tv/media/sf/podcast/einstein/2009/04/einstein_20090423_210822_526k.m4v>.

Im SF-Videoplayer könne die einzelnen Beiträge ausgewählt werden, davon relevant

 
3.1 Die kürzlich wieder aufgetauchten Filme über Mirin Dajo (mehr zu ihm gleich unter Punkt 4) waren Veranlassung für dieses knapp acht Minuten dauernde Feature, wobei es der journalistischen Übertreibung entspringt, Mirin Dajo als „Wunder“ zu klassifizieren. Interessant sind die kontroversiellen Stellungnahmen befragter Wissenschafter: für den Chirurgie-Oberarzt Gregor Szöllozy vom Waidspital Zürich sind die Darbietungen Mirin Dajos nicht nur sehr eindrücklich, erstaunlich und auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches (was ja auf der Hand liegt), sondern er glaubt, daß man bei derartigen Durchstechungen mit schweren Verletzungen rechnen (!) müßte, während der Medizinhistoriker Christoph Mörgeli, welcher den Nachlaß des Mirin Dajo-Untersuchers Prof. Brunner, Zürcher Chirurgie-Professor, studiert hat, zu dem Resultat kommt, daß alles hinreichend erklärbar sei.
 
3.2 Im fünfminütigen Beitrag über Brugger geht es darum, welche Menschen eher an das „Übersinnliche“ glauben und welche nicht – es geht hingegen nicht darum, zu hinterfragen, ob es „Übersinnliches“ (oder auch paranormale Phänomene) überhaupt gibt. Die Einstellung der Forschergruppe dazu kommt klar heraus. – Was immer man unter „Übersinnliches“ verstehen mag, das Wort ist denkbar ungeeignet, paranormale Phänomene zu kennzeichnen.
 
 
4. MIRIN DAJO FILMDOKUMENTE
Der Schweizer Journalist Luc Bürgin – auf dessen Buch über Mirin Dajo ich bereits im Newsletter N° 16 vom 01. 08. 2004 hingewiesen habe – hat die alten Filme aus den 1940er Jahren über die Schweizer Vorführungen von bzw. Untersuchungen an Mirin Dajo aufgefunden, zusammengestellt und im dankenswerterweise im Web öffentlich zugänglich gemacht. Diese gesamte Mirin Dajo-Filmdokumentation mit einer Laufzeit von 15:11 Minuten ist kostenlos auf <http://mirin-dajo.com/mirindajo.html> bzw. <http://mysteries-magazin.com/index.php?op=page&id=10> abrufbar.
Analoge Beobachtungen wie bei Mirin Dajo – keine Blutung und offenbar keine Folgeschäden – lassen sich bei den rituellen Durchstechungen beobachten, die in manchen Sufi-Schulen, also im Rahmen islamischer Mystik, durchgeführt werden, wie ich sie im Nahen Osten aus nächster Nähe sehen und dokumentieren habe können [Vgl. Mulacz, P. (1998): Deliberately Caused Bodily Damage (DCBD) Phenomena: A Different Perspective. In: Journal of the Society for Psychical Research 62: 434 – 444]. Auch wenn der Kontext der Durchstechungen bei Miri Dajo und diesen Sufis ein völlig anderer ist, ein isolierter Einzelfall ist Mirin Dajo keineswegs.
 
 
5. HANS HOLZER VERSTORBEN
 
Der bekannte Schriftsteller und Sachbuchautor auf dem Gebiet der Parapsychologie, Hans Holzer, ist am 26. April im 89. Lebensjahr verstorben. Ein gebürtiger Wiener, emigrierte er 1938 und erwarb er seinen PhD am London College of Applied Science; in den USA hat er dann eine Karriere als überaus fruchtbarer Autor (insgesamt knapp 150 Bücher) gemacht. Bekannt als „Ghost Hunter“ (auch Buchtitel, 1963), legte er eine einfache spiritistische Grundeinstellung an den Tag, glaubte auch an Reinkarnation und hat sich selbst eine gewisse Sensitivität zugeschrieben. Seine Bücher auf dem Gebiet der Parapsychologie sind spannend zu lesen, lassen jedoch jegliche kritische Distanz zum Gegenstand vermissen. Wenn man auch Holzer demnach nicht mit den seriösen Wissenschaftlern auf diesem Gebiet in einem Atemzug nennen kann, so war er doch (nicht zuletzt aufgrund seiner Kontakte mit Eileen Garrett und Lisette Coly von der Parapsychology Foundation) eine bekannte Figur in unserem Gebiet und hat sich als Popularisierer das Verdienst erworben, das Interesse für Fragen der Parapsychologie in weiten Kreise des Lese- (und auch des US-amerikanischen TV-)publikums geweckt und aufrecht erhalten zu haben.
 
Vgl. <http://en.wikipedia.org/wiki/Hans_Holzer>
Ferner: <http://www.ghostvillage.com/legends/2005/legends35_02072005.shtml>
<http://www.merrynjose.com/artman/publish/article_320.shtml>
(Holzers Tochter Alexandra: <http://www.spectralreview.com/2008/03/14/
growing-up-haunted-a-ghostly-memoir/>)

 
 
6. NEUER FILM (AUF DVD) ÜBER PARAPSYCHOLOGIE:
„Something Unknown Is Doing We Don’t Know What”

 
In diesem von dem Niederländer Renée Scheltema, der jetzt in Südafrika lebt, gestalteten Film (Laufzeit 104 Minuten) treten u. a. die folgenden Wissenschaftler auf:
Charles Tart, Dean Radin, Gary Schwartz, Roger Nelson, Rupert Sheldrake, Hal Puthoff, Larry Dossey, Edgar Mitchell, Jack Houck, sowie viele andere, die außerhalb der USA recht unbekannt sind. Ich habe die DVD, die brandneu ist, selbst noch nicht gesehen, aber ich habe angesichts dieser Liste „gemischte Gefühle“, da ich gegen einige der Genannten (Schwartz, Dossey u.a.) gewisse Vorbehalte nicht unterdrücken kann. Andererseits wird die DVD überaus gelobt … Wie auch immer das endgültige Urteil ausfallen mag, als aktuelle Aktivität auf dem Gebiet der Parapsychologie ist der Hinweis auf den Film auf jeden Fall angebracht. Die Website dazu: <http://www.somethingunknown.com/>.
 
 
7. VERSUCHSTEILNEHMER GESUCHT
 
Nach wie vor werden Versuchsteilnehmer für das laufende Telepathie-Experiment gesucht. Besonders willkommen wären Elternteil/Kind sowie Geschwister (insbesondere Zwillinge).
Näheres auf <http://experiment.parapsychologie.info/>. 

  
Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 35 – Wien, 14 03 2009


INHALT:
=======

1. Programm
2. Gemeinnützigkeitsstatus
3. Experiment – Versuchspersonen gesucht
4. Internationale Konferenzen
5. Nachruf (Otto Prokop)
6. Literaturhinweise
7. Video-Clips


1. PROGRAMM

Wie immer bieten wir unserem Auditorium ein weit gefächertes Programm.

Alfons Steiner wird über Voraussagen sprechen, wobei das Wort "Präkognition" im Titel bewußt von einem Fragezeichen gefolgt ist. Zu den "bayrischen Waldpropheten" vgl. auch den Essay "Lust an der Apokalypse – 'Die Welt steht auf kan' Fall mehr lang'" auf <http://parapsychologie.info/endzeit/millenni.htm>.

Dr. Hans Peter Weidinger <http://holotrop.at/>, Psychotherapeut und FA für Psychiatrie und Neurologie, befaßt sich mit den Auswirkungen des Atmens auf den Bewußtseinszustand und stellt dabei mit dem "Holotropen Atmen" eine Methode vor, veränderte Bewußtseinszustände zu erlangen. Diese Technik ist von dem tschechisch/US-amerikanischen Psychiater Stan Grof entwickelt worden, neben Charles Tart u.a. einem der Begründer der aus der Humanistischen Psychologie hervorgegangenen Transpersonalen Psychologie. Bekanntlich integrieren diese beiden Schulen der Psychologie auch das Paranormale. Somit spannt sich der Bogen von der Physiologie bis zur Spiritualität.

Dr. Theodor Harmsen, an der "Bibliotheca Philosophica Hermetica" in Amsterdam tätiger Kulturwissenschaftler, stellt Leben und Werk des "okkulten" Schriftstellers Gustav Meyrink dar, der – ein spirituell Suchender und parapsychologisch Forschender – durch selbsterlebte Spukphänomene in einem Haus in Levico von der Tatsächlichkeit der paranormalen Phänomenik überzeugt worden ist und auch sonst eine interessante Biographie aufweist. Neben seinem literarischen Schaffen hat Meyrink auch ein Büchlein über Parapsychologie ("An der Grenze des Jenseits") sowie eine Fallsammlung zu (angeblichen) alchemistischen Transmutationen ("Goldmachergeschichten") publiziert. Das Buch, das unser Referent über Meyrink verfaßt hat und das ich bereits im Newsletter N° 33 angekündigt habe, ist mittlerweile erschienen.

Unsere beiden weiteren Referenten, Dr. Günther Fleck und Univ.-Doz. Dr. Christa Tuczay, haben bereits mehrfach bei uns vorgetragen, wobei Günther Fleck auch unserem Vorstand angehört.

Der Begriff "Mediumistische Psychose" wurde von dem deutschen Psychiater Richard Henneberg geprägt und später von Hans Bender weitergeführt (siehe Bender, H. (1959): Mediumistische Psychosen. Ein Beitrag zur Pathologie spiritistischer Praktiken. Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie 2: 173-201; ähnlich in "Neue Wissenschaft" und in "Ärztliche Praxis"). Noch heute ist der Fall des Theologen und Professors der Experimentalchemie am kgl. Lyzeum in Freising, Ludwig Staudenmaier – Selbstversuche zur Dissoziation der Persönlichkeit, deren Kontrolle ihm entglitten ist, worüber er mehrfach publiziert hat – ist nach wie vor faszinierend und lehrreich. Der Text, ursprünglich in Ostwalds "Annalen der Naturphilosophie" (1910) erschienen, dann in zwei zeitgenössischen Auflagen als Buch, ist im Web verfügbar: <http://www.geocities.com/ariadnesrope/Staudenmaier.pdf>.

Die Figur des "Magiers" ist schillernd, wie die des Tricksters. Auch Uri Geller ist eine Persönlichkeit, die sich kaum in traditionelle Kategorien einordnen läßt, scheint er doch echte paranormale Phänomene gezeigt zu haben und dennoch greift er unverschämt in die Trickkiste, wie ich beides aus eigenem Augenschein bezeugen kann. Christa Tuczay setzt sich mit dem Bild des "Magiers" von der Antike bis heute auseinander.


2. GEMEINNÜTZIGKEITSSTATUS

Von der Generalversammlung (19. Jänner 2009) ist eine Adaptation des Wortlauts einiger Punkte unserer Statuten an die Vorgaben des Finanzamtes beschlossen worden, nota bene ohne inhaltliche Änderung mit sich zu bringen. Nach Erfüllung aller bürokratischen Erfordernisse ist unserer Gesellschaft nunmehr mit Bescheid vom 3. März 2009 der Status der Gemeinnützigkeit zuerkannt worden, d. h., Zahlungen an die Gesellschaft (Mitgliedsbeiträge ebenso wie Spenden) können gem. § 4 Abs 4 Z 5 ESTG 1988 steuerlich abgesetzt werden. Bewahren Sie daher die Zahlungsbestätigung für die Einreichung anläßlich der Arbeitnehmerveranlagung (bzw. was immer für Sie zutreffen mag) auf.


3. EXPERIMENT – VERSUCHSTEILNEHMER GESUCHT

Nochmals: Einladung zur Teilnahme an einer parapsychologischen Experimentalreihe zur Telepathie.
Als Probanden werden weiterhin laufend gesucht:
emotional miteinander verbundene Teams bzw. Paare, z.B. Ehepaare, Freund/Freundin, Elternteil/Kind (Kinder erst ab ca. 10 Jahren) oder sonstige Bezugspersonen, Geschwister (sehr gerne Zwillinge) etc., egal ob gegen- oder gleichgeschlechtlich.
Information und Anmeldung: <http://experiment.parapsychologie.info/>


4. INTERNATIONALE KONFERENZEN

4.1 Unbegreifliche Zeiten. Wunder im 20. Jahrhundert

Zur Erinnerung – wie bereits im Newsletter N° 32 avisiert, findet in Kürze diese internationale Konferenz statt, und zwar von Mittwoch, 18. März, bis Samstag, 21. März 2009, in Essen (Bildungshotel im Bfz, Karolingerstraße 92). Sie wird von Alexander C.T. Geppert und Till Kössler geleitet und in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI), der Gerda Henkel Stiftung und dem Arbeitskreis Geschichte + Theorie (AG+T) veranstaltet.
<www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltung-191.html>
<www.geschichte-und-theorie.de/Aktuelles/aktuelles.html>
Zusätzliche Teilnahme nach Anmeldung per e-Mail bei den Veranstaltern begrenzt möglich.
Alexander C.T. Geppert (Harvard University/Freie Universität Berlin)
<alexander.geppert@fu-berlin.de>
Till Kössler (Ludwig-Maximilians-Universität München)
<till.koessler@lmu.de>
(Alexander Geppert war einer der Herausgeber des Heftes "Orte des Okkulten", 14. Jg., Heft 4 (2003) der österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, vgl. Newsletter N° 16; im Newsletter N° 30 habe ich bereits darauf hingewiesen, daß dieses Heft im Volltext on-line verfügbar ist auf <http://wirtges.univie.ac.at/OeZG/oezg03-4.pdf>)

4.2 Konferenz über Albert Moll (1862-1939)

05/06.11.2009 in der Durham University, Queen's Campus, Stockton-on-Tees (UK), im Wolfson Research Institute. Albert Moll, Nervenarzt, bedeutender Hypnose- und Sexualforscher, spielt in der Geschichte der Parapsychologie eine Rolle als erbitterter Gegner von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing. Im Programm der Konferenz ist auch eine Podiumsdiskussion über Moll und die Parapsychologie unter Beteiligung von Heather Wolffram, Barbara Wolf-Braun und Andreas Sommer vorgesehen.
<http://www.dur.ac.uk/chmd/research/mollproject/>
<http://www.dur.ac.uk/chmd/news/mollconference/>
Nähere Information: <katherine.smith@durham.ac.uk>


5. NACHRUF

Am 20. Jänner 2009 ist Otto Prokop verstorben (1921 in St. Pölten geboren, einer der Brüder des bekannten Sportarztes Ludwig Prokop, Wien). Otto Prokop studierte in Bonn und habilitierte sich für Gerichtliche Medizin; er nahm eine Berufung auf den Lehrstuhl im damaligen Ost-Berlin an und wirkte durch 30 Jahre als Direktor des Institutes für Gerichtliche Medizin der Humboldt-Universität in (Ost-) Berlin. Während all dieser Zeit und auch nach seiner Emeritierung (1987) hat die Parapsychologie wie ein dunkler Schatten begleitet, wobei er gleichermaßen die Parapsychologie (unter dem Rubrum "Okkultismus") bekämpfte wie auch außerschulische Heilmethoden; insbesondere zielten seine Angriffe auf Hans Bender. Seine dabei angewandten Methoden waren keineswegs "fair" zu nennen; viele seiner Attacken auf die Parapsychologie entlarven sich selbst. Trotz des altehrwürdigen Grundsatzes "de mortuis nihil nisi bene" kann zur Charakterisierung Prokops und zum Steuer der Wahrheit das folgende nicht unterschlagen werden: Bekanntlich war 1933 der "Hellseher" Erik Jan Hanussen (recte Hermann Steinschneider) ermordet worden. Lange war der Verbleib der polizeilichen Ermittlungsakten und der sichergestellten Gegenstände unbekannt, bis endlich eine Spur zum "Institut für Gerichtliche Medizin" der Ostberliner "Humboldt-Universität" führte. Prokop selbst hat in Zeitschriftenbeiträgen auf das Asservatenbuch hingewiesen etc. Auch machte ein Journalist bekannt, daß eine Kiste mit den originalen Asservaten Hanussens im Institut vorhanden sei, u.a. der 1933 auf Nahschußzeichen untersuchte Anzug mit Einschußlöchern. Nach Auskunft von Prokops Nachfolger als Institutsdirektor, Prof. Geserick, an Wilfried Kugel (Verfasser einer wissenschaftlich fundierten Hanussen-Biographie), habe Prokop das Asservatenbuch an sich genommen und man könne es dem verehrten Emeritus nicht einfach wieder wegnehmen. Nun, nach Prokops Tod, schreibt der nunmehrige Institutsdirektor, Prof. Tsokos, in einem Brief, von dem ein Scan vorliegt, an Kugel: "Ich selbst habe vor zwei Wochen seinen gesamten Nachlaß, der von seiner Familie dem Institut … überlassen wurde, gesichtet. Leider fanden sich die von Ihnen erwähnten drei Objekte aus 1933 (Akte 'Leichensache Steinschneider', Asservatenbuch der Charité und eigentliche Asservate) nicht." Und Tsokos schließt mit der Aussage, "dass sich der Verbleib dieser Gegenstände sicher niemals mehr aufklären lassen wird." Also, kurzgefaßt: Prokop nimmt als Emeritus Archivbestände an sich, und nach seinem Tod sind diese aus dem Nachlaß verschwunden. Man beurteile dies, wie man wolle; Wilfried Kugel, dessen Darstellung des Fakten ich hier gefolgt bin, schließt die Überlegung an: "Private Sammler, von denen es viele gibt, zahlen manchmal horrende Summen für Devotionalien berühmter Zauberkünstler, insbesondere in den USA." Man beurteile dies, sagte ich, wie man wolle, und man beurteile im Lichte dessen Prokop als "Ehrenmann" und als "aufrechten Kämpfer" gegen die Parapsychologie …

6. LITERATURHINWEISE

6.1 Meyrink-Buch

Wie bereits im Kontext des Vortragsprogramms erwähnt, ist das – reich illustrierte -- Buch unseres Referenten über Meyrink bereits erschienen:
Theodor Harmsen: "Der magische Schriftsteller Gustav Meyrink, seine Freunde und sein Werk beleuchtet anhand eines Rundgangs durch die Meyrink-Sammlung der Bibliotheca Philosophica Hermetica, Amsterdam, unter Verwendung weiterer Sammlungen. Mit einer Einleitung von J. R. Ritman." Amsterdam, In de Pelikaan, 2008 <http://www.ritmanlibrary.nl/c/p/h/bel_41p.html>.

6.2 UFO-Buch

Illobrand von Ludwiger: "UFOs - die unerwünschte Wahrheit"
496 Seiten, einige Farbtafeln, umfassendes Literaturverzeichnis, Personen-, Orts- und Sachregister
KOPP-Verlag, 2009
Den einen oder anderen Leser mag befremden, hier einen Hinweis auf ein UFO-Buch zu finden, schließlich ist das UFO-Problem in der "scientific community" eher anrüchig, und manche mögen auch ob anderer Produkte dieses Verlages die Nase rümpfen. Aber allemal ist Wissenschaft nicht eine Frage des Gegenstandes, sondern eine der Methode, und wenn sich zu den UFOs Persönlichkeiten wie Carl Gustav Jung ("Von Dingen, die am Himmel gesehen werden") und Hans Bender geäußert haben, dann möchte ich nicht päpstlicher als der Papst sein.
Zwei Kapitel in diesem Buch veranlassen mich, auf es hinzuweisen: "Die wissenschaftliche Arbeitsweise und Anomalien der Wissenschaft" (103 Seiten) und "Paranormale Fähigkeiten von Menschen mit UFO-Kontakten" (30 Seiten). Zu den "eigentlichen" UFO-Kapiteln will ich aus Kompetenzgründen gar keine Stellung nehmen, aber das erstgenannte, lange Kapitel über der Herangehen der Wissenschaft an auftretende Anomalien ist auch vom Standpunkt der Parapsychologie aus relevant. Der Verfasser zitiert dabei aus älteren und neueren Arbeiten, aus solchen, die dem "mainstream" angehören und aus solchen, die sich eher kritisch verstehen, und liefert ein umfassendes Bild der Problemlage. Das soll nicht heißen, daß ich ihm in allem und jedem zustimmen würde, aber weder meine Zeit noch der Raum in diesem Newsletter erlauben es, auf Details einzugehen, obwohl dies durchaus der Mühe wert wäre.
Was das Kapitel über die paranormalen Fähigkeiten von Kontaktlern betrifft, wird man sich bei der Lektüre oft fragen, wie es um die Faktenlage steht: ist das alles, was der Verfasser hier zitiert und kompiliert, auch wahr? Die Verantwortung dafür liegt natürlich bei den Erstautoren, z.B. Berthold Schwartz, und damit ist der Ball im Lager der Parapsychologie … Angesichts dieser Probleme lobe ich mir die Tatsache, daß die Parapsychologie zu einem bedeutenden Anteil eine experimentelle Wissenschaft ist, womit wir (unter Inkaufnahme von minder spektakulären Resultaten) vieler Probleme von Zeugenaussagen (Wahrnehmungs- und Erinnerungstäuschungen etc.) überhoben sind.
Der Verfasser läßt an seinen Positionen keinen Zweifel, Positionen, die man teilen kann oder auch nicht (und ich kann nicht verhehlen, daß ich da gewisse Reserven habe). Alles in allem stellt das Buch jedoch spannende Lektüre dar, wobei aber mehr neue Fragen (nach der Faktizität ebenso wie nach der Interpretation) auftauchen, als beantwortet werden, was angesichts der schwierigen Materie auch nicht anders zu erwarten ist.

6.3 "Trancemedien und Neue Medien um 1900"
Ein anderer Blick auf die Moderne
Herausgeber: Marcus Hahn, Erhard Schüttpelz
Das im Februar 2009 erschienene und mit zahlreichen Abbildungen versehene Buch befaßt sich u.a. mit Trance, Medien, Trancemedien, Neue Medien, Spiritismus und Medientheorie. Ich leite gemäß diesen Schlagworten nur den Hinweis weiter; das Buch selbst liegt mir (noch) nicht vor.
<http://www.transcript-verlag.de/ts1098/ts1098.php>

6.4 Von Martina Löcker stammt ein Aufsatz "Parapsychologie und Hexenwesen" im soeben erschienen Band 26 der Zeitschrift "Mensch – Wissenschaft – Magie" (Mitteilungen der österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte) im Verlag Erasmus, Wien. Vermutlich erinnern sich noch viele an ihr Referat über dasselbe Thema im Rahmen unserer Gesellschaft im Oktober 2004.

7. Video-Clips auf YouTube:

7.1 Eleonore Zugun (von besonderer Relevanz für die Vorgeschichte unserer Gesellschaft)
<http://www.youtube.com/watch?v=vwcmjmaE7fs>
(www.GeisterNet.com schreibt dieses Filmmaterial Harry Price zu, das ist eindeutig falsch, in Wirklichkeit wurde der Film von der deutschen EMELKA gedreht)

7.2 Harry Price-Interview
<http://www.youtube.com/watch?v=Jdue2DqxFkw>

7.3 Houdini
<http://www.youtube.com/watch?v=QKdYxO63E58&feature=PlayList&p=61F0505E506F84B3&index=0>
(Vorsicht mit am Seitenrand umgebrochenen Links!)

Übrigens, mit dem Freeware-Programm "ClipFinder” von Ashampoo lassen sich Videos der bekannten Portale YouTube, Video Google, ClipFish, metacafe, MySpace, veoh etc. leicht finden und, was besonders praktisch ist, auch gleich auf den eigenen Rechner herunterladen. <http://www.ashampoo.com/frontend/products/php/product.php?session_langid=1&idstring=0055>


Prof. Peter Mulacz

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Newsletter N° 34 – Wien, 21 12 2008


INHALT:
=======

1. Rückblick auf die Tagung „Utrecht II“
2. Klinische Parapsychologie
3. Ausstellung „Goodbye and Hello“ in Bern
4. Neues On-line-Experiment (Rupert Sheldrake)
5. Versuchspersonen gesucht
6. IGPP-Praktika und Stellenausschreibung
7. Literaturhinweise
8. Generalversammlung
9. Sonstiges
10. Feiertagswünsche


1. RÜCKBLICK AUF DIE TAGUNG „UTRECHT II“:

Die Parapsychology Foundation hat nunmehr als ihren Blog #27 ihren zusammenfassenden Bericht über die Tagung auf <http://www.pflyceum.org/10.html> on-line gestellt (in englischer Sprache), mit vielen Bildern und zahllosen weiterführenden Links.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich zwei Korrekturen anbringen: „Utrecht II“ hat natürlich 55 Jahre nach „Utrecht I“ stattgefunden, und nicht, wie irrtümlich geschrieben, 50, und Wim Kramer hat seine sehr verdienstvolle organisatorische Tätigkeit nicht etwa als Privatmann ausgeübt, sondern namens des „Het Johann Borgman Fonds“ (HJBF), einer Organisation, deren wichtigstes Tätigkeitsfeld die Interaktion zwischen „Schulmedizin“ und „Alternativmedizin“ (einschließlich „Geistiger Heilung“) ist und die zwar mit zahlreichen Publikationen, jedoch nicht mit einer Internet-Präsenz an die öffentlichkeit getreten ist.


2. KLINISCHE PARAPSYCHOLOGIE:

Die oben erwähnte Stiftung HJBF hat 2007 eine Expertentagung zum Themenkreis Außergewöhnliche Erfahrungen/Parapsychologie und Psychohygiene/Psychotherapie veranstaltet. Der Tagungsband, „Clinical Aspects of Exeptional Human Experience. An Introductional Reader”, herausgegeben von Wim H. Kramer, Eberhard Bauer und Gerd H. Hövelmann, sollte in Kürze erscheinen.

Von Martina Belz ist gerade eine einschlägige Publikation erschienen:
<http://www.hogrefe.de/?mod=detail&ISBN=978-3-8017-1985-2>

Der hier auftretende Terminus „Klinische Parapsychologie“ scheint mir ambivalent. Einerseits assoziiert er eine Anbindung an die Klinische Psychologie und bringt somit die Parapsychologie näher an traditionelle akademische Fächer heran, was nur positiv sein kann, andererseits befürchte ich, daß er zu einer Stigmatisation der Rat- und Hilfesuchenden als „klinische Fälle“ führen kann; auch Personen, deren Anliege bloße Informationssuche ist, werden sich eher an einer „Parapsychologischen Beratungsstelle“ orientieren wollen.

Die bereits seit 2005 geplante Parapsychologische Beratungsstelle an der Ambulanz der SFU <http://sfu.ac.at/> Wien (vgl. Newsletter N° 23) ist bisher noch nicht realisiert. Das Projekt ist nach wie vor auf der Agenda für die Zukunft, aber doch ein wenig auf die „lange Bank“ geschoben.

Ein paar Links zum Thema:

Parapsychologische Beratungsstelle (mit neu gestylter Website)
 
Abteilung „Beratung und Information“ am IGPP, Website ebenfalls überarbeitet

Abstracts einschlägiger Publikationen:

<http://www.parapsych.org/papers/32.pdf>
<http://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/ppmp/doi/10.1055/s-2004-834682>

Weiters findet am IGPP am 13./14. März 2009 ein Theorie- und am 18./19. September 2009 ein Praxisseminar zum Thema „Psychotherapie und Beratung für Menschen mit außergewöhnlichen Erfahrungen“ statt, das sich an psychologische und ärztliche Psychotherapeut(inn)en und Berater(inn) in der psychosozialen Versorgung sowie Kandidat(inn)en in psychotherapeutischer Ausbildung wendet.
Info und Anmeldung unter <http://www.igpp.de/german/counsel/pdf/flyer_seminar_2009.pdf>.


3. AUSSTELLUNG „GOODBYE AND HELLO“ IN BERN:

Noch bis zum 5. Juli 2009 läuft im Museum für Kommunikation, Bern, die Ausstellung „«Goodbye & Hello» Im Dialog mit dem Jenseits“ <http://www.mfk.ch/ghwechselausstellung.html>, die von seiten der Veranstalter folgendermaßen charakterisiert wird: „Ein spannender, manchmal auch irritierender Rundgang durch die faszinierende Welt der Kommunikation mit dem Jenseits, in deren Zentrum Menschen und ihre Begegnungen mit dem Jenseits stehen.“


4. NEUES ON-LINE-EXPERIMENT VON RUPERT SHELDRAKE:
 
<http://www.sheldrake.org/experiments/jammuspic/>


5. EINLADUNG ZUR TEILNAHME AN EINEM EXPERIMENT – VERSUCHSPERSONEN GESUCHT:

Für eine Reihe von Telepathieversuchen werden in Wien ab der zweiten Jännerhälfte Versuchsteilnehmer gesucht, und zwar ausschließlich Paare, keine Einzelpersonen. „Paare“ können sein: Ehepartner, Freund/Freundin, Mutter/Kind, Geschwister (sehr gerne auch Zwillinge) – jedenfalls Personen, die miteinander emotional verbunden sind.
Nähere Details auf <http://experiment.parapsychologie.info> (Website noch in Arbeit, wird laufend aktualisiert.)


6. IGPP-PRAKTIKA UND STELLENAUSSCHREIBUNG:

Die „highlights“ der Seite <http://www.igpp.de/german/es/Aktuelles.htm>:

6.1 Versuchspersonen:
„Wir suchen immer wieder Personen, die gerne an einem psychophysiologischen Experiment teilnehmen möchten.“ Kontakt: <vp@igpp.de>

6.2 Praktikum:
„Dieses Angebot richtet sich an Psychologiestudenten/-innen mit abgeschlossenem Vordiplom (oder B.Sc.). Ein mindestens sechswöchiges Forschungspraktikum kann nach Absprache hier im Labor stattfinden; empfohlen wird eine Dauer ab 8 Wochen. Im Rahmen eines 6-Monatspraktikums ist auch die Durchführung eines eigenen Projekts möglich.“

6.3 Diplomarbeiten:
„Diplomarbeiten zu den thematischen Schwerpunkten des Psychophysiologischen Labors können in Kooperation mit der Universität Freiburg vergeben und am IGPP durchgeführt werden. Aktuell kann eine Diplomarbeit zum Thema ‚Psychophysiologie von Wahrheit und Unwahrheit’ jederzeit vergeben werden.“

6.4 HiWi – Stelle:
„Eine Stelle für eine wissenschaftliche Hilfskraft ist derzeit frei. Studierende der Psychologie mit Interesse an der psychophysiologischen Forschung können sich gerne bewerben.“


7. LITERATURHINWEISE:

7.1 Zoe Beloff, die Tochter des 2006 verstorbenen John Beloff, hat ein Buch „The Somnambulists. A Compendium of Source Material“ herausgebracht, dem auch eine DVD mit sechs Quick-Time Videoclips ihrer künstlerischer Installationen, teilweise unter Verwendung klassischen Filmmaterials, beiliegt. Das Buch von 110 Seiten reproduziert Text und viele Bilder von Janet, Myers, Breton und anderen. Der im Vordergrund stehende künstlerische Aspekt macht das Buch zu einem „artist’s book“.
Christine Burgin, New York, 2008.

7.2 Der Wissenschaftsjournalist und –autor Marco Bischof hat mit seinem neuen Buch „Der Kristallplanet. Globale Netze, platonische Körper und die Musik der Erde“ ein Buch verfaßt, daß zwar nichts mit Parapsychologie, sehr wohl aber mit Grenzbereichen der Wissenschaften zu tun hat, spannt es doch einen Bogen von den postulierten Gittersystemen der Erde, wie sie etwa aus der Radiästhesie bekannt sind, über die pythagoräische Tradition und das harmonikale Denken bis zum „Global Scaling“ und der Frage eines „universellen Hintergrundfeldes“. Obwohl viele dieser Themen traditionellerweise von der „Esoterik“ besetzt sind, legt der Autor hier eine gründliche, mit vielen Literaturangaben gestützte und gut illustrierte Recherche vor. Wenn auch nicht jeder Leser* für jeden Aspekt des reichhaltigen Buches (307 Seiten) das gleiche Interesse aufbringen wird, so mag man es doch mit Altmeister Goethe halten: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.“
Drachen-Verlag, Klein-Jasedow, 2008.

*) Selbstverständlich sind mit einem Begriff im generischen Maskulinum stets die individuellen Vertreter beider Geschlechter gemeint. (Dies gilt für jeglichen meiner Texte, auch zukünftige.)

7.3 Von eher speziellem Interesse ist der folgende Band, dessen Relevanz für die Parapsychologie darin liegt, daß er einen Aufsatz von Ulrich Gruber über seinen Onkel, den Zoologen Karl Gruber enthält, und dessen Beziehungen zu Thomas Mann. Der Beitrag, der 52 Seiten umfaßt, trägt den etwas umständlichen Titel „’Okkulte Erlebnisse’ Der Arzt, Zoologe, Skipionier und Bergsteiger sowie Parapsychologe Professor Dr. Karl Gruber als Nachbar Thomas Manns“.
Karl Gruber war seinerzeit der engste Mitarbeiter von Albert Frh. v. Schrenck-Notzing und dessen „Kronprinz“, der dereinst seine Arbeit hätte weiterführen (und aufgrund seiner akademischen Verankerung auf eine wissenschaftssoziologisch akzeptablere Basis stellen) sollen, ist aber selbst tragischerweise noch zwei Jahre vor Schrenck gestorben.
Dirk Heißerer (Hg.): Thomas Mann in München IV. Vortragsreihe Sommer 2006.
Verlag peniope, München, 2008.

7.4 In der im Auftrag des IGPP von Eberhard Bauer und Michael Schetsche herausgegebenen und im Ergon-Verlag erscheinenden Buchreihe „Grenzüberschreitungen. Beiträge zur wissenschaftlichen Erforschung außergewöhnlicher Erfahrungen und Phänomene“, von der ich einzelne Bände bereits früher vorgestellt habe, sind mittlerweile sieben Bände erschienen, auf die hier nachdrücklich hingewiesen sei:
<http://www.igpp.de/german/eks/buchreihe.htm> bzw.
<http://www.ergon-verlag.de/de/start.htm?psychologie_grenzueberschreitungen.htm>.

7.5 Ebenfalls im Zusammenhang mit dem IGPP, nämlich durch die Person von Harald Atmanspacher, dem Leiter der Abteilung Theorie und Datenanalyse, steht der folgende, 340 Seiten starke Band – gerade rechtzeitig zum 50. Todestag des österreichischen Nobelpreisträgers erschienen:
H. Atmanspacher und H. Primas (Hrsg.):
Recasting Reality: Wolfgang Pauli's Philosophical Ideas and Contemporary Science.“
Springer-Verlag.

Vgl. dazu auch eine Sendung, die kürzlich auf ö1 ausgestrahlt worden ist. 

Die beiden Herausgeber Atmanspacher und Primas haben bereits 1995, ebenfalls im Springer-Verlag, ein einschlägiges Werk miteinander herausgebracht, das 2001 neu aufgelegt worden ist:
„Der Pauli-Jung-Dialog und seine Bedeutung für die moderne Wissenschaft.“

7.6 Das Buch „Außergewöhnliche Erfahrungen“ von Martina Belz wurde bereits unter Pkt. 2 erwähnt, sei aber hier im Kontext der Literaturhinweise nochmals aufgelistet. 


8. GENERALVERSAMMLUNG:

Die Generalversammlung unserer Gesellschaft am 19. Jänner 2009 wird – außer den vereinsgesetzlich festgelegten Fixpunkten – vor allem einen Punkt zu behandeln haben: geringfügige Adaptationen des Wortlauts unserer Statuten, damit diese mit den Vorgaben des Finanzamts kompatibel sind, mit dem Ziel, daß wir in Zukunft „abgabenrechtliche Begünstigungen“, wie es im Amtsdeutsch heißt, erhalten, was sich auf finanzielle Zuwendungen, insbesondere auf die Spendenbegünstigung auswirkt:
„Spenderinnen und Spender haben bei Zuwendungen an Wissenschaftsvereine … die Möglichkeit, Spenden bis zu 10% des Vorjahresgewinnes als Betriebsausgaben bzw. darüber hinaus bis zu 10% der Vorjahreseinkünfte als Sonderausgaben abzuziehen“ (Quelle: „Vereine und Steuern. Tips für Vereine und ihre Mitglieder“ <http://www.bmf.gv.at/Publikationen/Downloads/BroschrenundRatgeber/
Vereine_u_Steuern2007__fin.pdf>)

Wenn wir die Tagesordnung abgearbeitet haben, wollen wir es natürlich nicht mit den administrativen Belangen bewenden lassen und gleich heimgehen, sondern wir wollen den Rest der im Hörsaal zur Verfügung stehenden Zeit für einen Diskussionsabend verwenden, dessen Thema jedoch nicht vorgegeben ist, sondern den Wünschen der Anwesenden entsprechen soll. Während an der Generalversammlung nur Mitglieder teilnehmen dürfen, sind beim anschließenden Diskussionsabend (von dem wir rechnen, daß er ca. um 20:30h beginnen wird) auch Gäste willkommen.


9. SONSTIGES:

Die Ausstrahlung der für rund um Allerseelen/Allerheiligen angekündigten Fernsehproduktion für die Sendereihe „Kreuz und Quer“, in der es um Tod, Sterben, Jenseits, aber – damit verbunden – auch um das Leib-Seele-Problem an sich geht, hat nicht stattgefunden und ist seither mehrfach verschoben worden. Ein neues Datum steht noch nicht fest.


10. ANLÄSSLICH DER KOMMENDEN FEIERTAGE …

Zum Schluß wünsche ich, wie jedes Jahr, im Namen des Präsidenten und des Vorstandes unserer Gesellschaft allen Lesern dieses Newsletters – Mitgliedern, Gästen, Referenten unserer Gesellschaft und Interessenten in Nah und Fern – EIN FROHES WEIHNACHTSFEST und viel Glück im Neuen Jahr!


Prof. Peter Mulacz
 

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Newsletter N° 33 – Wien, 12 10 2008


INHALT:
=======

1. Veranstaltungsprogramm für das Wintersemester
2. Symposien und Kongresse
3. Meyrink-Ausstellung
4. Personalia
5. Literaturhinweise
6. Sonstiges
 

1. VORTRÄGE und Symposium:

Unser nächster Vortrag – der erste im Wintersemester – findet am 20. Oktober statt; die Programmaussendung an unsere Mitglieder und eingetragene Interessenten ist bereits erfolgt. Wie immer ist unser Vortragsprogramm auch im Web <http://parapsychologie.ac.at/aktuell.htm> abrufbar.

Programm:

Ein paar Worte zu den einzelnen Veranstaltungen:

Der „Zauber“ der Montur
Dort, wo es um Entscheidendes geht - Sieg oder Niederlage in der Schlacht, mehr noch: Leben oder Tod – haben sich die Menschen immer schon magischer Hilfsmittel zu versichern gesucht. Daher kein Wunder, daß (in historischer Zeit, nicht in unserer nüchterneren Gegenwart) Uniformen, militärische Embleme, Waffen, Fahnen, Ehrenzeichen etc. voll sind mit „magischen“ Symbolismen, was der Referent anhand der Armeen Alt-österreichs aufzeigt. Dr. Zeinar, nicht nur Offizier i.R., sondern ausgewiesener Volkskundler (jetzt nennt man dies Fach gerne Europäische Ethnologie) und Kulturwissenschaftler, hat zum Thema ein gleichnamiges Buch publiziert und zuvor schon ein weiteres über Wiener Wallfahrten.

Das zweitägiges Symposion „Faszination des Okkulten“ wird gemeinsam mit den Herausgebern des gleichnamigen Buches veranstaltet - siehe nächster Abschnitt.

Wilfried Kugel, Berlin, wird, wie wir es bei ausländischen Referenten zur Spesenminimierung meistens machen, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu uns sprechen. Dr. Kugel, eigentlich Physiker, hat schon Mitte der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin eine studentische Forschungsgruppe für Parapsychologie geleitet. Später ist er mit einigen Buchpublikationen hervorgetreten, zunächst über den „Hellseher“ Erik Jan Hanussen (recte Hermann Steinschneider), eine Arbeit, die vom IGPP gefördert worden ist, sodann über den Reichstagsbrand (wenn man die Biographie Hanussens kennt, ist der thematische Zusammenhang klar), und zuvor schon über den Schriftsteller Hanns Heinz Ewers. Sein erster Vortrag wird über Einstein und die Parapsychologie sein (nota bene: über Einstein, nicht über Relativitätstheorie und Parapsychologie), sein zweiter über Präkognition, insbesondere im Kontext des „Zufallsgenerators“ Roulette.

Im Jänner des kommenden Jahres müssen wir aus vereinsrechtlichen Gründen die periodische Generalversammlung abhalten. Wir rechnen mit einer Dauer von einer halben Stunde; nachdem es unfair wäre, einem Referenten eine verkürzte Redezeit zuzuweisen, und nachdem es andererseits nicht sehr sinnvoll wäre, wenn man sich schon einen Abend frei genommen hat, nach einer halben Stunde wieder heimzugehen, haben wir uns – wie schon bei der letzten Generalversammlung – dazu entschlossen, den Rest der Zeit einer Diskussion über aktuelle Fragen der Parapsychologie zu widmen, ohne daß ein bestimmtes Thema vorgegeben ist.
 


2. SYMPOSIEN und Kongresse:

2.1 „Faszination des Okkulten“
Das Symposion „Faszination des Okkulten“, das einen Teil unseres Semesterprogramms darstellt, wird von unserer Gesellschaft in Kooperation mit den Herausgebern des gleichnamigen Buches veranstaltet, welche ihrerseits (Müller-Funk) im Institut für Germanistik der Universität Wien bzw. (Tuczay) darüber hinaus auch an der Akademie der Wissenschaften verankert sind. Beide Persönlichkeiten waren bereits Referenten im Rahmen unserer Veranstaltungen, Müller-Funk beim Mesmer-Symposium auf Schloß Rothmühle und Tuczay mehrmals mit verschiedenen Themen, von antiker Divination bis zu den magischen Vorstellungen der Gauner und Verbrecher zu den Zeiten der k.u.k. Monarchie.
Das unserer Aussendung beigelegte Programm des Symposions hat mittlerweile einige Detailänderungen erfahren; eine immer aktuell gehaltene Version des Programms findet sich immer unter <http://parapsychologie.ac.at/programm/faszination_d_okkulten.pdf>. Weiters können unter <http://parapsychologie.ac.at/programm/folder_faszination-1.pdf> bzw. <http://parapsychologie.ac.at/programm/folder_faszination-2.pdf> die Vorder- und Rückseite des Programm-Flugblattes heruntergeladen werden.
Der Untertitel des Buches, „Diskurse zum Übersinnlichen“, ist vom parapsychologischen Standpunkt aus wenig glücklich gewählt, sprechen wir doch vom „Außersinnlichen“, um die mit dem Begriff „übersinnlich“ einhergehende Assoziation einer ins Metaphysische weisenden Schichtenontologie zu vermeiden. Daher habe ich für das Symposium den Untertitel „Literatur und Okkultismus“ gewählt, der zumindest thematisch zutreffend ist.
Die bibliographischen Daten des dem Symposium zugrundeliegenden Sammelbandes lauten:

Faszination des Okkulten: Diskurse zum Übersinnlichen.
Hrsg. Wolfgang Müller-Funk und Christa A. Tuczay.
Francke-Verlag, 2008.

Allerdings muß angemerkt werden, daß sich das Werk mit einem Verkaufspreis von ¤ 68,– eher an Bibliotheken als an Privatinteressenden wendet.

2.2 „Utrecht II“
Im Jahr 1953 hielt die kurz zuvor (1951) gegründete Parapsychology Foundation (kurz PF) ihren ersten internationalen Kongreß in Utrecht, Niederlande, ab: „First International Utrecht Conference on Parapsychology“. Heuer, fünfzig Jahre später, findet demnach nunmehr „Utrecht II“ statt, unter dem Titel: „Parapsychology Foundation International Conferences. Utrecht II: Charting the Future of Parapsychology” (15.-18. Oktober). Die Konferenz findet aufgrund einer Anregung des rührigen niederländischen Parapsychologen Wim Kramer statt und wird von der PF unter Federführung der bewährten Carlos Alvarado und Nancy Zingrone organisiert. Weiterführende Informationen lassen erkennen, in welche Richtung sich die einzelnen Referenten die Zukunft der Parapsychologie vorstellen, auch wenn die sehr beschränkte Teilnehmerzahl (mittlerweile völlig ausgebucht) weitere Partizipierende nicht zuläßt.

2.3 Basler Psi-Tage
Die bekannten „Psi-Tage“ in Basel – an denen vielfach Mitglieder unserer Gesellschaft teilgenommen haben und über die auch neue Mitglieder zu uns gefunden haben – werden nicht mehr fortgesetzt. Das thematische Abdriften von Fragen der Parapsychologie immer mehr in Richtung „Esoterik“ macht den Abschied von Psi-Tagen leicht, auch wenn mir der Aufenthalt in der schönen Stadt Basel immer viel Freude bereitet hat.
Eine authentische Stellungnahme zu den Gründen für das endgültige Aus gibt Lucius Werthmüller hier.
 


3. MEYRINK-Ausstellung in Amsterdam

Die „Library of Hermetic Philosophy“ (Ritman-Library) in Amsterdam bereitet eine Ausstellung über Gustav Meyrink vor. Die Ausstellung läuft vom 21. Nov. 2008 bis 29. Mai 2009; die feierliche Eröffnung wird in der Westerkirche stattfinden – was die Bedeutung und den Rahmen der Ausstellung unterstreichen möge – und es werden dazu vier Vorträge stattfinden.
Als Begleitpublikation wird folgendes Buch erscheinen:

Theodor Harmsen: Der magische Schriftsteller Gustav Meyrink, seine Freunde und sein Werk beleuchtet anhand eines Rundgangs durch die Meyrink-Sammlung der Bibliotheca Philosophica Hermetica, Amsterdam, unter Verwendung weiterer Sammlungen. Mit einer Einleitung von J. R. Ritman.
Amsterdam, Verlag: In de Pelikaan, 2008.

(Der Titel zeigt, daß das Buch in deutscher Sprache verfaßt ist, es ist überaus reich illustriert.)
 


4. PERSONALIA:

4.1 Editha Hörandner
Gexi Tostmann ist der „Seitenblicke“-Gesellschaft als Designerin von Trachtenmode bekannt; weniger bekannt ist, daß sie absolvierte Volkskundlerin ist und, vom magischen Volksglauben ausgehend, Interesse an den „Grenzgebieten“ hat. Als sie noch ihr Geschäft in Wien betrieben hat, war sie die rührige Obfrau des „Kulturvereins Mölkerstiege“, der damals im Souterrain ihrer Räumlichkeiten eine einschlägige Vortragsreihe veranstaltet hat. Dieses „damals“ mit einer Jahreszahl zu versehen, ist mir nicht möglich, jedenfalls ist es schon sehr lange her. Seit „damals“ also kannte ich Editha Hörandner, die dort, ebenso wie der mittlerweile längst verstorbenen Otto König (Stichwort „Wilheminenberg“) und ich selbst, ein Referat gehalten hat. Damals war sie noch Dozentin, später ist sie auf den Lehrstuhl nach Graz berufen worden. Den Plan, daß sie im Rahmen unserer Gesellschaft einen Vortrag halten möge, haben wir seit langem ventiliert und mehrfach verschoben, teilweise wegen ihrer gesundheitlicher Turbulenzen, teilweise auch, weil sie meinte, nach ihrer Emeritierung mehr Zeit dafür zu finden. Nun ist sie nicht bloß von ihrer Universität emeritiert, sondern leider auch aus dem Leben geschieden – während eines Spitalsaufenthaltes ist sie, trotz schwerer chronischer Krankheit plötzlich und unerwartet, am 20. Juni 2008 verstorben. Meines Erinnerns ist es in unserer Gesellschaft das erste Mal, daß ein bereits vorangekündigter Vortrag aufgrund des Todes des Referenten nicht stattfinden kann.

4.2 Ernst Meckelburg
Ernst Meckelburg, am 29. August 2008 im Alter von 81 Jahren verstorben, war ein überaus fruchtbarer „Sachbuch“-Autor auf dem Gebiet der Grenzwissenschaften. Zu seiner Produktivität: eine Suche mit dem Suchbegriff „meckelburg, ernst“ listet auf http://amazon.de nicht weniger als 40 Bücher auf. Von der Frage der Quantität zu der der Qualität übergehend, so ist ganz allgemein das Genre „Sachbuch“ mit anderen Maßstäben zu messen als man sie bei wissenschaftlichen Büchern anlegen würde. Insofern sollte man mit Meckelburg vielleicht nicht so streng ins Gericht gehen, wie ein bekannter deutscher Parapsychologe, der ihn als einen „Sensationsautor“ bezeichnet hat. Ich denke, daß schon ein gewisses Verdienst darin besteht, einschlägige Fragen in einer Form aufzubereiten, die sie für weiteste Kreise interessant macht. Dennoch habe ich mich veranlaßt gesehen, mich anläßlich einer Rezension eines seiner Bücher („Geheimwaffe PSI“) eher negativ zu äußern, wobei mir Hans Bender nachher vorgehalten hat, zu milde gewesen zu sein, er hätte eher einen völligen Verriß geschrieben. Wie dem auch sei, nun kann Meckelburg das Jenseits, an das er geglaubt hat, selber in Augenschein nehmen (oder auch nicht); jedenfalls sei noch festgehalten, daß ich den Menschen Ernst Meckelburg als eine liebenswürdige Persönlichkeit in Erinnerung habe.
 


5. LITERATURHINWEISE:


5.1 Thalassa
Die in Budapest erscheinende psychoanalytische Zeitschrift Thalassa (ISNN 0865-9362) hat soeben (2008/2) in einer Spezialnummer die Publikation des Briefwechsels Sándor Ferenczi – Ernest Jones gebracht, herausgegeben und mit interessanten Anmerkungen versehen von Melinda Friedrich. Es handelt sich um Dokumente, die vielfach Bezüge zur Frage der Telepathie enthalten und deshalb nicht bloß für die Analytiker, sondern auch für die Parapsychologen von Relevanz sind – zugegebenermaßen mehr von historischem als von inhaltlichem Interesse, weil dieser Punkt nicht gerade tiefschürfend abgehandelt wird. Die Korrespondenz hat von seiten Ferenczis in Deutsch, von seiten Jones’ in Englisch stattgefunden. Jedenfalls eine interessante Lektüre auch zur Geschichte der Psychoanalyse.

5.2 Hier seien, falls jemand direkt zu diesem Punkt 5 gesprungen ist, nochmals die bereits an verschiedenen Stellen des Textes erwähnten Bücher (sofern nicht vergriffen) zusammengefaßt: